„Innovation total“ im Hotel Total: Ohne Abstrampeln bleibt die Disko dunkel

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Gespräch über Innovation: OB Marcel Philipp und Prof. Dr. Frank Piller diskutierten im Hotel Total Perspektiven. Foto: Andreas Steindl
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Strom wird am Abend durch Radfahren erzeugt: Pedal Power aus Hamburg sorgten auf bemerkenswerte Weise für die nötige Energie.
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Trug zur Erleuchtung bei: Patricia Yasmine Graf, eine der Hauptorganisatorinnen des Hotels.

Aachen. Über Innovation reden – das tun viele. Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp tut das gern, vor allem seit er für 2016 das „Future Lab“ ausgerufen hat. Professor Frank Piller von der RWTH Aachen hat die Forschung über Innovationsmanagement sogar zu seinem Beruf gemacht. Am Dienstagabend trafen beide auf die Macher von Innovation und Kreativität. Im Hotel Total in der Elisabethkirche hieß es „Innovation total“.

Doch halt! „Kreativität und Innovation darf man nicht verwechseln“, meinte Piller im freien Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Ebenso auch nicht Innovation und Invention. Heißt: Nicht alles, was neu ist, ist auch eine Innovation. „Es kommt darauf an, ob das Neue auch erfolgreich zur Anwendung kommt“, meinte Innovationsforscher Piller.

Trotzdem sei die Kreativität ein wichtiger Faktor von Innovation. „Sie entwickelt besonders viel Dynamik da, wo sie freier läuft.“ Das habe die Stadt ebenfalls gemerkt, seit die Macherinnen vom Hotel Total Stellung in der Elisabeth-Kirche bezogen haben. „Als Stadt neigen wir dazu, allem unsere Strukturen aufzusetzen“, meinte Philipp selbstkritisch. „Wir hatten einige Fehlversuche. Das es anders erfolgreich ist, sieht man hier im Hotel Total.“

Ohnehin zeigten sich die beiden Redner sehr angetan von den Macherinnen. Piller tauschte sogar seine Lieblingsinnovation von Smartphone-Apps in Fahrrad um, denn Patricia Yasmine und Julia Claire Graf sowie Anke Didier hatten die Stromversorgung der Mikros sowie der Musikanlage für die spätere Disko mit Fahrrädern organisiert.

Björn Hansen vom Projekt „Pedal Power“ aus Hamburg hatte fünf Fahrräder mitgebracht, die Strom erzeugen – wenn denn fleißig gestrampelt wird. „Der Kraftaufwand ist abhängig vom Energiebedarf“, erklärte er. „Dass die Menschen für die Schlüsselressource Strom ein Bauchgefühl entwickeln ähnlich wie beim Wasser, ist mein Anliegen. Dann gehen wir effizienter damit um.“ Die Besucher strampelten also fleißig, aber auch effizient, denn zu viel Strom verträgt die Technik auch nicht. So konnten sich Piller und Philipp für alle hörbar unterhalten.

Übrigens auch über das Thema Effizienz: „Es gibt keinen empirisch belegbaren Zusammenhang zwischen Investition und Innovation“, sagte Piller. Danach macht die Stadt wohl schon vieles richtig, denn „wir investieren nicht viel, sondern klauen eher“, meinte Philipp.

Heißt: „Wir gucken bei anderen ab, was gut läuft, kaufen ein und entwickeln vielleicht selbst ein bisschen weiter.“ Auch einen Innovationsbeauftragten habe man nicht. „Innovation muss immer mitgedacht werden“, meinte das Stadtoberhaupt. „Bei mir läuft es nur zusammen.“

Die treibende Kraft bei Innovationen sei ohnehin nicht einer allein, meinte Piller. „Die radikalen Innovationen kommen von gefrusteten Nutzern“, erzählte er von einem Paradigmenwechsel in der Innovationsforschung. Und fragte provokant: „Wie nutzt also die Stadt das innovative Potenzial ihrer Bürger?“ Bislang werde eher gefragt, was sie wollen, nicht welche Ideen sie haben. „So weit sind wir noch nicht“, gab Philipp unumwunden zu und machte zugleich Hoffnung: „Wenn es tatsächlich nur einen Menschen, Mut und kein Geld bedarf, kriegen wir das hin.“

Treibend wolle Philipp zudem bei der Bildung einer Innovationskultur in der Stadt sein. „Die Schere zwischen denen, die sich täglich an den Aachener Hochschulen mit neuen Entwicklungen beschäftigen und denen, die keinen Kontakt dazu haben, ist in den vergangenen Jahren immer weiter auseinander gegangen“, hatte er beobachtet. „Es war schon so weit, dass viele glaubten, es ginge uns besser ohne den ‚neumod’schen Kram‘.“

Mit der Ausrufung des „Future Lab“ wolle er möglichst vielen vermitteln, warum Veränderungen, die oftmals durch die Hochschulen angestoßen werden, gut seien. Einen Teilerfolg könne er schon verbuchen: „Es wird wieder mehr hingeguckt, was unsere Hochschulen so machen.“

Wie es mit dem Hotel Total weiter geht, ist noch nicht endgültig bekannt. Geschlossen wird das Hotel Total zunächst definitiv Ende Oktober. „Der November gehört der Projektabwicklung, der Dezember dem Winterschlaf“, meinte Patricia Graf. Die drei Organisatorinnen und Managerinnen bekundeten aber Lust, weiter zu machen. Investor Norbert Hermanns, neuer Eigentümer der Elisabethkirche, will das Konzept ebenfalls erhalten und „weiter in Pop-up-Formaten denken“. Hier gebe es die Chance etwas auszuprobieren. „Ich bin dabei.“

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