Inklusion stellt Verwaltung vor große Herausforderung

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Beim Schulamt der Stadt qualmen derzeit die Köpfe. Denn es wird immer deutlicher: Mit dem ab dem Schuljahr 2014/15 geltenden Inklusionsgesetz wird das Leben für die Verwaltung nicht einfacher.

Das zeigt sich aktuell bei den Neuanmeldungen zu den Grundschulen. Die erste Konsequenz: Eltern werden deutlich später als bisher erfahren, auf welche Schule ihr Kind ab dem Sommer gehen kann. „Wir hoffen, Ende April die Aufnahmezusagen bekanntgeben zu können“, sagte Schulrätin Ulla Roder am Montag. Selbst dieses Datum sei jedoch ein „ambitionierter Termin“ und stehe noch nicht fest. „Wir können die Eltern nur um Geduld bitten“, so Roder. In den vergangenen Jahren haben Eltern bereits im Januar erfahren, an welcher Grundschule ihre Sprößlinge zukünftig unterrichtet werden.

Laut Inklusionsgesetz haben behinderte Schüler ab dem 1. August 2014 das Recht, an einer Regelschule unterrichtet zu werden. Darüber hinaus besagt das 9. Schulrechtsänderungsgesetz, dass grundsätzlich Eltern nun einen Antrag einreichen, ob ihr Kind Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung benötigt. Mit erheblichen Auswirkungen: Denn wird dieser Bedarf - im Bereich Lernen und emotionale und soziale Entwicklung - gewährt, haben diese Kinder in der nächstgelegenen Grundschule zu ihrem Wohnort, die Gemeinsames Lernen anbietet, einen Anspruch auf einen Platz.

Wie viele solcher Anträge es geben wird, weiß derzeit niemand in der Verwaltung. Die Frist läuft noch bis Mitte Januar. Eines scheint jedoch unumgänglich: „Es wird in diesem Jahr mehr Abweisungen geben“, sagt Elke Münich, Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Schule. Zugleich beruhigt Münich und betont, dass es mehr als ausreichend Aufnahmekapazitäten an den Aachener Grundschulen gebe. Einige werden sich nur darauf einstellen müssen, nicht ihre Wunschschule zu erhalten.

Nach der Anmeldeperiode im November zeigen die vorläufigen Zahlen zudem: Eltern in Aachen entscheiden sich deutlich häufiger als in anderen Regionen des Landes dafür, nicht die wohnortnächste Schule für ihre Kinder zu wählen. „Erklärungen haben wir dafür nicht“, sagt Münich. Von zuvor 25 Prozent ist die Quote laut vorläufer Anmeldestatistik auf 27 Prozent gestiegen.

Anmeldungen weit über die Kapazitätsgrenzen hinaus verzeichnen die GGS Am Lousberg, die KGS Am Römerhof und die Marktschule Brand. Am Lousberg liegen bisher 75 Anmeldungen vor, 30 mehr als noch zum Schuljahr 2013/14. Die Aufnahmegrenze liegt bei der zweizügigen Schule bei 53 Kindern. Am Römerhof sind derzeit 98 Kinder angemeldet, 17 mehr als in drei Klassen mit je 27 Schülern aufgenommen werde können. Auffällig am Römerhof: Gleich 56 sind keine Anspruchskinder, wohnen also nicht im direkten Einzugsgebiet der Schule. In der Marktschule Brand sind mit 78 Schülern deutlich mehr Kinder angemeldet worden als in den Vorjahren. Die Politik hat erst vor kurzem im Rahmen der Schulentwicklungsplanung 2013 bis 2018 letztere Schule von drei auf zwei gesenkt.

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