Initiative will Umdenken im Umgang mit Lebensmitteln

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
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Das Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“ kämpft dafür, die Lebensmittel retten zu dürfen. Foto: Ralf Roeger
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Das Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“ kämpft dafür, die Lebensmittel retten zu dürfen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Elf Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel im Wert von rund 25 Milliarden Euro landen in Deutschland in der Tonne. Mit dieser Verschwendung möchte sich nicht jeder abfinden. „Containern“ nennt sich eine Bewegung, die noch gute Lebensmittel aus den Mülltonnen der Supermärkte rettet.

Nach bestehendem Recht ist das strafbar, denn die Container befinden sich meist auf umfriedetem – das heißt umzäuntem – Gelände der Supermärkte, der Müll gilt damit noch immer als Eigentum des Marktes.

Zwei Aachener, die 2015 beim Containern erwischt worden waren, müssen sich vor Gericht verantworten. Der Gerichtstermin wurde allerdings immer wieder verschoben, zuletzt auf den 11. Juni dieses Jahres. Im vergangenen Jahr hatte sich als Reaktion das Aktionsbündnis „Containern ist kein Verbrechen“ in Aachen gegründet und kämpft seitdem mit einer Online-Petition dafür, dass die Anzeige gegen die beiden fallen gelassen wird. 125 000 Unterschriften hat das Bündnis inzwischen zusammen.

Widersprüchliche Auskünfte

Erfreulich findet Mitgründer Christian Walter diese Entwicklung. Außerdem hofft er, dass sich die Unstimmigkeiten im Fall der Anzeige günstig auf das Verfahren, sollte es denn dazu kommen, auswirken werden. Der Supermarktbetreiber bestreitet, selbst einen Antrag auf Strafanzeige gestellt zu haben. Die Klage führt die Staatsanwaltschaft Aachen. Tatsächlich geben die Akten widersprüchliche Auskünfte dazu, wer die Strafanzeige gestellt hat.

Als weiteren Schritt zur Entkriminalisierung des Containerns hat sich das Aachener Aktionsbündnis jetzt einer bundesweiten Online-Petition angeschlossen, die eine Anpassung des Diebstahl-Paragraphen 242 des deutschen Strafgesetzbuches fordert. Müll jeglicher Art, auch Sperrmüll, soll demnach nicht mehr als Eigentum, sondern als „herrenlose“ Sache gelten. „Wir hoffen, gerade im Wahljahr mehr Druck aufbauen zu können, um die Diskussion anzufeuern“, meint Christian Walter. Es dürfe nicht sein, dass Menschen, die letztendlich einen guten Zweck erfüllen, kriminalisiert werden. Doch der Petitionsausschuss lässt sich Zeit mit der Freischaltung der Seite. Sechs Wochen warten die Aktivisten schon, im Schnitt erfolgt die Freischaltung nach drei Wochen.

Unterstützung haben die Aktivisten unter anderem vom Bundesvorstand der Linken, aber auch Bauernverbände wollen die Petition unterstützen.

Mindestens 50.000 Stimmen müssten sie zusammenbekommen, um eine Anhörung vor Bundestagsabgeordneten zu erreichen. Letztendlich möchten die Aktivisten bei Politik und Lebensmittelindustrie ein Umdenken erreichen, um die systematische Verschwendung einzudämmen. „Das Absurde ist ja, dass sich die Wegwerfgesellschaft für die Produzenten rechnet. Da ist es schwierig, mit gesundem Menschenverstand dagegen zu argumentieren“, sagt Jörg Bergstedt. Er ist Container-Aktivist in Gießen und hat die Online-Petition mitformuliert. Bis Mitte April gibt es dazu auch in Aachen einige Veranstaltungen, die auf das Problem aufmerksam machen. Eine Demo am Samstag Mittag wurde kurzfristig abgesagt, statt dessen kamen Aktive und Unterstützer zu einer Kundgebung am Elisenbrunnen zusammen.

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