Initiative: Stadt und Polizei lassen Bürger im Stich

Von: Matthias Hinrichs
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„Angstraum” Kaiserplatz: Zechende Zeitgenossen und auch Drogenhändler sorgen weiter für unerträgliche Zustände rund ums Denkmal, klagt die Bürgerinitiative. Politik und Behörden blieben trotz aller Versprechen weitestgehend untätig, kritisiert die Initiative. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der „Schnappschuss” hat ruckzuck den Weg vom gänzlich unvirtuellen Kirchen- aufs Internetportal gefunden: Auf der Homepage der Initiative Kaiserplatz prangt das Foto eines entblößten menschlichen Hinterteils (www.kaiserplatz-aachen.de).

An der Pforte von St. Adalbert hat ein Zeitgenosse sich am helllichten Tag die Hose bis auf die Knöchel heruntergezogen. Die mit einem knappen Tanga nicht wirklich bedeckte Kehrseite reckt er regelrecht über die Balustrade vor dem Gotteshaus. Kein übler Scherz, eher trauriger Alltag rund um den Kaiserplatz. „Offensichtlich setzt sich der Mann gerade eine Heroinspritze in den Oberschenkel”, sagt Volkmar Klein, Vorsitzende der Initiative.

Das Bild, davon sind auch Kleins Mitstreiter Gisela Poth, Klaus Moormann und Herbert Joka überzeugt, spreche Bände über die Situation im Viertel. Denn nach wie vor zeigten Politik und Behörden den geplagten Anwohnern und Geschäftsleuten ihrerseits - mindestens - die kalte Schulter. „Als OB Philipp angetreten ist, hat er großspurig erklärt, dass er als allererstes den Kaiserplatz von Drogen- und Alkoholsüchtigen befreien werde”, zürnt Klein. Passiert sei - abgesehen von „Kosmetik” - nichts. „Im Gegenteil, es ist schlimmer geworden. Immer mehr Betroffene beschweren sich bei uns, weil sie von Betrunkenen belästigt werden, die illegale Prostitution blüht weiter; viele haben Angst.” Da helfe es wenig, wenn speziell auf dem Bürgersteig vor den Einrichtungen der Suchthilfe „drei Mal am Tag ein Kehrfahrzeug zum Einsatz kommt”, während unterm Kaiserdenkmal, vor Geschäften und in Hauseingängen permanent gezecht und gepöbelt werde, wettert Gisela Poth, Mitarbeiterin einer Arztpraxis an der Heinrichsallee. So sei unlängst eine seiner Kolleginnen aufs Übelste „angemacht” worden, berichtet Apotheker Moormann. „Sie hatte sich geweigert, einem Mann aus der ?Szene Geld zu wechseln. Als sie später in ihr Auto einstieg, wurde sie beschimpft, ihr Wagen wurde mit Bierflaschen beworfen.”

Derlei unerbauliche Geschichten können die Vertreter der Initiative zuhauf erzählen - Tenor: Seit der spektakulär inszenierten Räumung des Bürgersteigs vor dem „Café Relax” Anfang 2010 habe sich die „Szene” örtlich und strukturell allenfalls minimal verändert. Klein: „Inzwischen besteht sie mehr aus Trinkern als Heroinsüchtigen - und damit ist sie nur noch aggressiver geworden. Wir verstehen einfach nicht, warum die öffentlichen Gelage nicht endlich unterbunden werden - die rechtliche Handhabe gibt es schließlich.”

Letzteres, unterstreicht dagegen Detlev Fröhlke, Leiter des Ordnungsamtes, treffe keineswegs zu. „Der Rrat hat ja bereits an das Land appelliert, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, damit wir gegen exzessiven Konsum von Alkohol auf der Straße - auch etwa im Bereich der Pontstraße und am Bahnhof - vorgehen können. Zurzeit aber sind uns in dieser Hinsicht die Hände gebunden.” Das Problem bestehe auch darin, „dass in der Regel Ruhe herrscht, solange unsere Beamten am Kaiserplatz präsent sind”. Zwar forderten seine Leute einschlägige „Kandidaten” stets auf, die Bushaltestellen im Umfeld des Denkmals nicht zu blockieren. „Aber wir wollen jetzt verstärkt auf die Polizei einwirken, mit zivilen Kräften vor Ort präsent zu sein.”

Die Bürger vom Kaiserplatz fühlen sich nach wie vor von der Politik im Stich gelassen. Wann greift die Stadt dort wirklich durch?

Philipp: Wir müssen in der Tat sehen, dass dort jetzt verstärkt auch Alkoholmissbrauch eine Rolle spielt. Im Sozialausschuss des Rates wird dieser Aspekt am Donnerstag beraten. Wir wollen eine „Trinkerstube” nach Kieler Vorbild auch in Aachen einrichten, um die „Szene” von der Straße zu bekommen. Zudem sehe ich keine Zukunft mehr für den Konsumraum, jedenfalls nicht am Kaiserplatz: Solange dieser dort ist, ist es schwierig, die Drogenszene effektiv zu verbannen, wie die Erfahrung gezeigt hat.
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