Aachen - Initiative Spectrum: Ein solides Sprungbrett in den Beruf

Initiative Spectrum: Ein solides Sprungbrett in den Beruf

Von: Matthias Hinrichs
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Hat seine Chance mit beiden Händen ergriffen: Dominic da Silva bereitet sich als angehender Metallbauer bei der Beschäftigungsinitiative Spectrum gerade auf seine Zwischenprüfung vor. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Gewisse Pfadfinderqualitäten sind gefragt, wenn man „Spectrum” besuchen will. Und ein bisschen Balanciervermögen. Im hintersten Winkel der Hüls, am Wendehammer der Schönebergstraße, residiert das Projekt des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien, seines Zeichens ein Kind der Caritas, momentan auf einer großen Baustelle.

Die Büros von Bernhard Preuß und Ulrike Fell sind nur über einen provisorischen Metallsteg zu erreichen. Macht nichts, im Gegenteil. Denn über einschlägige handwerkliche Kompetenzen verfügt der Verein nicht nur in eigener Sache. „Ursprünglich war unsere Werkstatt für 15 Leute konzipiert, jetzt sind da bereits um die 60 beschäftigt”, erzählt Spectrum-Leiter Preuß. „Der Umbau ist also dringend nötig...”

Noch ein hervorragendes Lernfeld für Dominic da Silva. Der 27-jährige angehende Metallbauer ist einer von fünf jungen Menschen, die derzeit bei Spectrum eine Ausbildung machen. „Ab August kommen zwei weitere aus externen Betrieben hinzu, die ebenfalls begleitende Unterstützung erhalten”, ergänzt Ulrike Fell nicht ohne Stolz. Die Sozialpädagogin hat großen Anteil daran, dass immerhin jeder zweite Berufsanfänger hier seine - meist späte - Chance nutzt und am Ende den heiß begehrten Gesellenbrief ergattert.

Denn „ihre” Azubis sind fast durchweg junge Langzeitarbeitslose mit „Vermittlungshemmnissen”, wie es im Amtsdeutsch heißt. „Viele haben keinen Schulabschluss, kommen aus schwierigen Familienverhältnissen, haben Sucht- und Schuldenprobleme”, erklärt Preuß.

Ganze Palette von Berufen

„Vielen fällt es schwer, ihren Alltag dauerhaft zu strukturieren.” Die Sozialarbeiter schaffen quasi das praktische und vielfach eben das psych(olog)ische Fundament, ohne das die berühmte Karriereleiter allzu schnell zu versumpfen droht.

Betreuung und Qualifizierung gehen bei Spectrum Hand in Hand. Eine ganze Palette von Berufen wird vermittelt. Fachlich stehen den Lernenden Ausbilder mit Meisterbriefen in den Sparten Metallbau, Garten- und Landschaftsbau sowie Malen und Lackieren zur Seite. Zudem wird eine Ausbildung in Hauswirtschaft, angesiedelt in der Caritas-Zentrale an der Kapitelstraße, angeboten. „In der Regel waren die Azubis zuvor eine Zeit in Arbeitsgelegenheiten, also als Ein-Euro-Kräfte beschäftigt und sind dann übernommen worden”, berichtet Preuß. Vom jüngsten Förderstopp im Bundesprogramm „Job-Perspektive” ist das Projekt nicht betroffen. „Und die Zusammenarbeit mit der Arge funktioniert vorzüglich.”

Dominic da Silvas Biografie unterstreicht das eindrucksvoll. „Ich habe zwar einen Hauptschulabschluss, aber der ist nicht gerade gut”, erzählt er schmunzelnd. „ich war wohl eher ein fauler Schüler - aber arbeiten: Das wollte ich immer, und ich war immer hoch motiviert.” Also machte er das obligate Praktikum bei einem Kfz-Betrieb.

„Ein Jahr lang wurde ich hingehalten, immer wieder hieß es, ich würde bald übernommen.” Die Absage kam Knall auf Fall. Da Silva schlug sich mit Zeitarbeit durch, wurde arbeitslos - und blieb es über ein Jahr. „Als Ein-Euro-Jobber bei Spectrum habe ich schon eine Menge gelernt.” Im August 2008 schaffte der 27-Jährige den Sprung in die Ausbildung. „Ich war überglücklich”, sagt er.

„Endlich eine Perspektive”

Jetzt ist er allerdings auch ein bisschen nervös. Nicht nur, weil in ein paar Tagen die Zwischenprüfung ansteht. In zwei Wochen tritt er vor den Traualtar, im September erwartet er Nachwuchs. Seine beruflichen Träume haben sich freilich längst nicht erfüllt. „Aber ich habe endlich eine Perspektive. Metallbauer sind gefragt, der Markt sieht ziemlich gut aus.”

Vielleicht kann man sagen: Der Weg Richtung Hüls war auch für Dominic da Silva nicht so leicht zu finden. Aber auf der „Baustelle Spectrum” hat er auch gelernt, seinem Leben neues Gleichgewicht zu geben.
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