Aachen - Initiative Preuswald protestiert gegen Schließung des Schwimmbades

Initiative Preuswald protestiert gegen Schließung des Schwimmbades

Von: Robert Esser
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Plakativ: Schüler, Eltern und Senioren forderten gestern „eine umgehende Wiedereröffnung des Schwimmbades“ im Preuswald. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Obwohl noch Wasser im beheizten Becken ist, tauchen die Badefreunde derzeit nur vor dem Schwimmbad im Preuswald auf. Seit Mitte Dezember ist die Pforte verrammelt, weil sich der bisherige Bad-Betreiber (Katholische Stiftung Marienhospital), der Immobilieneigentümer (Deutsche Annington) und die Stadt nicht einigen können.

Annington zeigt wenig Lust, die Sanierung des rund 40 Jahre alten 9 mal 18 Meter kleinen Schwimmbeckens und der Hallentechnik zu finanzieren, das Marienhospital will den defizitäten Badebetrieb nicht weiter mit 110.000 Euro pro Jahr bezuschussen – und OB Marcel Philipp droht der Annington mit Klage, wenn bis zum 15. Februar keine Sanierungslösung in Sicht ist.

Gleichzeitig steht der Stadtsportbund mit der Bad und Sport GmbH, die bereits die Osthalle betreibt, grundsätzlich zur Übernahme des Preuswald-Bades bereit – aber natürlich nur, wenn die Annington in zufriedenstellender Höhe finanzielles Entgegenkommen beweist.

In dieser verfahrenen Situation fühlen sich die ehemaligen Nutzer – Schüler, Eltern, Lehrer und Senioren – verschaukelt, wie lästiger Ballast vor dem Untergang des Bades. Am Freitagnachmittag zeigte die Initiative Preuswald mit ihrer Aktion „Rettet das Schwimmbad im Preuswald“ noch einmal Flagge – beziehungsweise Kampfgeist und Plakate. „Verantwortliche, bewegt Euch mal!“ stand da auf den Bannern. Und: „Wir fordern eine umgehende Wiedereröffnung des Schwimmbades!“

Für Werner Dünnbier, einer der Sprecher der Initiative, ist das alles ein Skandal: „Die Halle ist betriebsbereit, wird geheizt – aber wir dürfen nicht schwimmen, weil sich die Parteien nicht einigen!“, ärgert er sich. Nachbar Dr. Volker Siller bemängelt, dass man keinerlei konkrete Informationen über den Fortgang der Misere erhalte. „Das ist alles völlig undurchsichtig für uns“, sagt er. Und Rainer Elsing, ebenfalls seit Monaten in der Initiative aktiv, schildert, was für ein einzigartiges Bad hier auf der Kippe stehe: „Seniorentaugliche Wassertemperatur von 30 bis 31 Grad Celsius, eine variable Wassertiefe für Gymnastikkurse und Schulschwimmkurse: Wo gibt es das denn sonst in Aachen?“

Auf rund 1000 Badegäste beziffert die Initiative Preuswald die Besucherzahl pro Woche. Das wären 52.000 Badbesuche pro Jahr, die um ein Vielfaches größere Osthalle am Adalbertsteinweg kommt nach offizieller städtischer Statistik auf 109.000 Badbesuche, also gerade mal das Doppelte. Und natürlich kann auch die Osthalle – wie alle Schwimmbäder der Stadt – nicht kostendeckend wirtschaften. Mehrkosten verursachen vor allem wachsende Energiekosten und technische Modernisierungen. Zuletzt war das Jahres-Minus des städtischen Badebetriebes um 260.000 Euro auf 4,16 Millionen geklettert.

Dass angesichts der Ebbe im städtischen Haushalt gar ein Schwimmbad-Neubau statt einer teuren Generalsanierung im Preuswald – wie von einigen Mitgliedern der Initiative gefordert – in Betracht kommt, scheint mehr als unwahrscheinlich.

Leidtragende sind die Bewohner der Siedlung im Hang vor der belgischen Grenze neben der Lütticher Straße. Schwimmen mit Behinderten, Wassergymnastik für Senioren, Babyschwimmen, Frühschwimmen: alles gestrichen. Für 83 Kinder der Grundschule Bildchen, die nun statt eines zehnminütigen Fußmarsches per Bus zur Ulla-Klinger-Halle transportiert werden, verkürze dies die Wasserzeit innerhalb von zwei Schulschwimmstunden auf nur noch 30 Minuten, rechnet Schulleiter Johannes Menne vor. „Dieser Zeitdruck stresst“, sagt er.

Ob seine Schüler jemals wieder im Preuswald-Bad auftauchen, ist völlig unsicher. Auch wenn der Protest der Bürgerinitiative immer höhere Wellen schlägt.

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