Initiative „Offenes Aachen“: Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt

Von: Annika Kasties
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Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt: Rund 260 Unterschriften haben Hans-Joachim Geupel (v.l.), Marita Jansen und Norbert Greuel von der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen bereits gesammelt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für Marita Jansen war es irgendwann zu viel. Zu viel Hetze, zu viel Hass, zu viel Ausgrenzung. Sie wollte nicht länger auf dem Sofa sitzen und sich über Pegida-Demonstranten, die jüngsten Äußerungen von AfD-Politikern wie Björn Höcke oder die Entwicklungen in den USA ärgern. Sie wollte aktiv werden – und schloss sich deshalb Ende vergangenen Jahres der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen an.

Agieren statt reagieren lautete die Devise. Und unter ebendiesem Motto steht auch die jüngste Initiative der Bürgerstiftung, dessen Arbeitskreis Jansen nun angehört: „Offenes Aachen: Initiative für Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt“ lautet das Schlagwort, unter dem die Organisatoren nichts weniger bezwecken als die Verteidigung der demokratischen Grundwerte in Aachen.

„Wir wollen klar Position beziehen für Respekt und Wertschätzung, Toleranz und Menschenwürde“, sagte am Mittwoch Norbert Greuel, der das Projekt in Anlehnung an die Berliner Initiative „Die offene Gesellschaft“ im vergangenen Herbst ins Leben rief. Neu an dem Projekt sei, dass sich die Bürgerstiftung erstmals nicht an eine bestimmte Gruppierung wendet – seien es Senioren oder Flüchtlinge –, sondern alle Bürger Aachens und Umgebung ins Visier nimmt. „Wir wollen der schweigenden Mehrheit eine Stimme geben“, sagte Greuel. Und das auf ganz vielfältige Weise.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Stimmenäußerung soll dabei durchaus leise erfolgen, nämlich mit einer Unterschrift. „Unsere Aachener Gesellschaft ist vielfältig. Das macht uns stark“, heißt es unter anderem in der „Aachener Erklärung für Demokratie“, die von den Mitgliedern des Arbeitskreises erarbeitet wurde. Darin halten sie Werte und Grundsätze fest, auf deren Basis die Menschen in Aachen ihrer Meinung nach zusammenleben: Meinungsfreiheit, Toleranz und Freiheit, um nur einige Beispiele zu nennen. Gut 260 Unterschriften hat die Bürgerstiftung bereits gesammelt, darunter 105 Erstunterzeichner. 10 000 sollen es mal werden. Die Unterschriftenlisten liegen laut Greuel ab sofort in Geschäften und öffentlichen Gebäuden in Aachen aus. Auch im Internet können Bürger die Erklärung unterzeichnen.

Mit stillen Absichtserklärungen allein geben sich die Organisatoren von „Offenes Aachen“ jedoch nicht zufrieden. Der vorläufige Höhepunkt des langfristig angelegten Projekts ist eine Kulturveranstaltung am Sonntag, 27. August, im Elisengarten.

Dann soll es durchaus laut zugehen. Von 14 bis 18 Uhr gehört die Bühne einer bunten Mischung aus Tanz, Theater, Zirkus und Musik. Geplant sei unter anderem ein kurzes Gastspiel des Das Da Theaters mit einem Ausschnitt aus der Produktion „Irgendwie anders“.

Hinzu kommen kurze, dreiminütige Redebeiträge von Bürgern, die durchaus spontan ihren Weg auf die Bühne finden sollen – ebenso wie man es in den vergangenen Monaten bei den sonntäglichen Demonstrationen von „Pulse of Europe“ beobachten konnte. Auch darüber hinaus sieht Greuel Gemeinsamkeiten mit der pro-europäischen Bürgerbewegung: „Wir wollen nicht gegen etwas sein, sondern für etwas einstehen.“

Das Stichwort „gemeinsam“ ist auch für Hans-Joachim Geupel, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, ein zentraler Aspekt von „Offenes Aachen“. In der Stadt solle ein gesellschaftlicher Diskurs über die Gemeinsamkeiten aller Demokraten entstehen, und zwar über Parteigrenzen hinaus und auf Basis des Grundgesetzes.

„Wichtig ist, das die Menschen am Ende ein Gefühl von Verbundenheit haben.“ Dabei wolle die Bürgerstiftung durchaus auch das Gespräch mit Menschen suchen, die sich „aus Angst und Unsicherheit dem Rechtspopulismus annähern“. Denn: „Das Gespräch, der Dialog ist das grundlegende Element der Demokratie“, sagt Greuel. Und nur so könne man gegen Hetze, Hass und Ausgrenzung und für demokratische Werte einstehen.

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