In Old Town lebt der Wilde Westen wieder auf

Von: Andreas Chichowski
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Aktiv, kreativ und auf Gemeinschaft ausgerichtet: Beim Pfingstcamp der Euro Jugend gab es viel zu erleben – und gleichzeitig zu lernen. Foto: Andreas Chichowski

Aachen. Old Town ist ein kleines Cowboy-Dorf, das wachsen will. Seine Einwohner möchten ihre Produkte an andere Städte verkaufen und neue Waren erhalten. Dazu braucht man das Eisenbahnnetz. Das Geld ist gesammelt und der Bau des Bahnhofes schon in Auftrag gegeben. Doch dann passiert es. Das Ersparte wird geraubt, von den Dieben keine Spur.

Unter dem Motto „Der Wilde Westen“ veranstaltete die Euro Jugend das 35. Pfingstcamp, spontan geleitet von Eva Pöll. In langer Vorbereitungszeit haben 16 Jugendleiter und weitere Ehrenamtler einen ausgeklügelten Plan auf die Beine gestellt: „Wir versuchen jedes Jahr ein anderes Thema zu wählen. ‚Old Town‘ hat uns am besten gefallen“, berichtet Pöll. Als Bewohner von Old Town konnten sich die 45 Kinder und Jugendlichen in verschiedene Gruppen aufteilen, in denen handwerkliches Geschick, Kreativität und Ausdauer auf den Prüfstand gestellt wurden.

Auf dem Jugendzeltplatz am Hergenrather Weg wurde dafür alles aufgebaut, ein großer Schlafplatz mit Zelten sowie ein Markt mit sieben Ständen. Pferdezüchter bauten Steckenpferde, Büchsenmacher zeigten gekonnt ihre Schnitzkünste und Kartenzeichner planten die neue Anbindung an das Eisenbahnnetz, zeichnen dieses und bauen Modelle.

Bis die Späne flogen

Dann gab es noch die Spielemacher. Sie sägten und schmirgelten, dass die Späne flogen. Genia hatte zum ersten Mal eine Kurbelbohrmaschine in der Hand. Mühelos bohrte die Achtjährige Löcher in das Murmellabyrinth aus Holz, welche später der Kugel das Durchkommen erschweren sollten.

Damit das historische Ereignis für Old Town über Generationen hinweg in Erinnerung bleibt, hielt die örtliche Zeitung „Old Town Express“ alles in Wort und Bild fest. Die Jugendlichen ab 13 Jahren hatten noch eine weitere sehr wichtige Aufgabe, denn sie sind angehende Jugendleiter und durften beim Vorbereiten der Nachtwanderung erste praktische Erfahrungen machen. Ihre Aufgabe haben sie wohl gut gelöst.

Seit 1981 besteht die Euro Jugend und veranstaltet seither das Pfingstcamp. Ohne die Hilfe von den Jugendleitern wäre vieles so nicht möglich gewesen. Jugendleiter kann jeder werden, der Spaß an der Arbeit mit Kindern hat. „Wichtig ist Gruppenerfahrung, egal ob bei der Euro Jugend, oder anderen Jugendverbänden“, so Pädagogin Susanne Kotulla, Geschäftsführerin der Euro Jugend. „Viele der Jugendleiter haben selber an ähnlichen Veranstaltungen teilgenommen, bevor sie Jugendleiter wurden.

Die Bereitschaft muss da sein. Was daraus entsteht ist ein riesen Zusammenhalt.“ Dies bestätigte auch Jugendleiterin Tabea Mertens (17): „Wir haben uns zum Basteln getroffen und haben uns vorab überlegt, wie man Bäume, Häuser und Schienen basteln kann. Das hat viel Spaß gemacht.“ Seit zwei Jahren ist sie Jugendleiterin und schon seit ihrem 9. Lebensjahr bei der Euro Jugend dabei. „Man war selber Kind, es hat immer viel Spaß gemacht, dann wurden wir gefragt, und haben natürlich ja gesagt und die Ausbildung gemacht.“

Bis in die Dunkelheit wach

Anstrengend war das Camp aber nicht nur für die Betreuer. „Die Kinder sind von Morgens früh bis spät in die Dunkelheit wach gewesen“, berichtete Kotulla. „Natürlich ist es sehr anstrengend, besonders für die Jüngeren. Alle sind müde, dreckig, aber angefüllt mit vielen schönen Erlebnissen“, ergänzt sie. „Kinder, die in der Euro Jugend schwierig sind, gehen hier auf“ bemerkte Jugendleiterin Lilian Bergmann. „Die Kinder müssen sich einfach in die Situation hineinversetzen und mitspielen.“

Nur wenige hatten bereits jenseits der eigenen vier Wände draußen in der Natur geschlafen und hatten sich daher auf die Übernachtung im Zelt gefreut. Doch der Regen verhinderte dies. „Einige waren sehr enttäuscht, dass sie nicht draußen schlafen durften“, beobachtete Bergmann.

Am Montag war dann auch schon alles wieder vorbei. Bei einer ordentlichen „Kuchenschlacht“ nahmen die Eltern ihre Kinder in Empfang, bevor es wieder Richtung „Ruhiger Westen“, also nach Hause ging. Dann konnten sich hoffentlich alle am schulfreien Dienstag wieder ausschlafen.

„Was wir nächstes Jahr machen, wissen wir noch nicht“, äußerte Susanne Kotulla, „Vielleicht Segeln, Klettern oder Wandern?“ Ganz egal, denn die Eurojugend sorgt mit ihrem umfangreichen Programm für ein unvergessliches Erlebnis.

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