„In jedem Ingenieur steckt ein Spielkind”

Von: Hanna Sturm
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Wer ist der Uberflieger? In der Turnhalle des Einhard-Gymnasiums testeten FH-Studenten ihre selbst gebauten Flugmodelle im unterhaltsamen Wettbewerb. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das Flugzeug fliegt eine leichte Kurve, sackt ein bisschen ab, fängt sich wieder, ändert dann fatalerweise erneut die Richtung. So endet der Jungfernflug nicht mit einer seichten Landung, sondern mit einem harten Aufprall an der Turnhallenwand. Mitfühlende Rufe, Applaus und Gelächter begleiten den Niedergang des Fliegers.

Rund 70 Studenten des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik an der Fachhochschule Aachen haben sich in der Turnhalle des Einhard-Gymnasiums getroffen, um ihre selbst gebauten Segelflieger gegeneinander antreten zu lassen. Die Bastelaufgabe ist die praktische Leistung für eine Vorlesung zum Thema Flugmechanik. Für den Entwurf und einen Bericht vergibt Professor Michael Bauschat Noten, der Wettbewerb ist einfach nur zur Unterhaltung. „Es ist wichtig, dass die Studenten das Wissen einmal praktisch anwenden und dabei auch noch Spaß haben”, sagt Bauschat. Schließlich stecke in jedem Ingenieur ein Spielkind.

Schwerer als 60 Gramm und nicht kleiner als eine Flügelspannweite von 70 Zentimetern, so lauteten die Vorgaben. Ansonsten waren den Studenten in der Gestaltung frei. So fliegen, taumeln oder fallen kurz vor dem Wettbewerb klassische Schulterdecker, die aussehen wie normale Passagiermaschinen, Modelle mit großen dreieckigen Tragflächen, oder Flieger, die nur aus schräg stehenden Flügeln bestehen. Neben den Preisen für den längsten und weitesten Flug prämieren die Studenten auch den schönsten und den skurrilsten Gleiter.

Perfekte Wurftechnik geübt

Vor dem Wettbewerb feilen in jeder Ecke der Halle die Studenten noch an den Flugeigenschaften ihrer Entwürfe, versuchen etwa mit kleinen Gewichten den Schwerpunkt mehr nach vorne oder nach hinten zu verlagern und üben die perfekte Wurftechnik. In der Kategorie für den zeitlich längsten Flug kann sich Joschka Häfling gute Chancen auf einen Preis ausrechnen. Zehn Sekunden bleibt sein Modell aus Depron, einem Dämmmaterial für den Hausinnenausbau, Glasfaserstäben und Blumenpapier in der Luft.

„Der Gleiter ist sehr leicht und hat sehr tiefe Tragflächen”, erklärt der Student. Deshalb schwebe er so langsam durch die Luft, dass er manchmal beinahe stehen zu bleiben scheine. „Sehr zufrieden” sei er mit seinem Exemplar, dass das Ergebnis von viel Ausprobieren gewesen sei. „Die ersten Versuche sind erst mal gar nicht geflogen.”

Ebenfalls noch nicht ganz ausgereift ist das ausladende Modell von Alexander Köppe. Er nimmt in der „freien Klasse” teil und hat einen ferngesteuerten Gleiter gebaut. Das Ruder am hinteren Teil und die Steuerklappen an den insgesamt drei Meter langen Tragflächen lassen sich mit einer Fernbedienung bewegen.

Nachdem er die Vorlesung schon im vergangenen Jahr absolviert hat, wollte er in diesem Jahr wieder mitbauen und hat sich an diese knifflige Aufgabe gemacht. „Es ist nicht so gut gelungen”, gibt er selbstkritisch zu, als sein Modell trotz Steuerung wieder und wieder zur Seite abdreht. Doch die Tüftelei habe Spaß gemacht und sei eine gute Ergänzung zum Studium.
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