In Camp Pirotte rollen endlich die Bagger

Von: Matthias Hinrichs
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Der Startschuss für die Bagge
Der Startschuss für die Bagger ist gefallen: Als erstes von 45 Gebäuden wurde am Freitag die ehemalige „Beckerhalle” auf dem 14 Hektar großen künftigen Gewerbegebiet in Brand abgerissen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Hinter den Kulissen sind über viele Jahre hinweg wahrlich alle sprichwörtlichen Hebel in Bewegung gesetzt worden, um das extrem ambitionierte Projekt auf die Schiene zu setzen. Am Freitag nun durfte die Bürgermeisterin persönlich als erste zum handfesten Baggerhebel greifen, um endlich vollendete Tatsachen zu schaffen in Camp Pirotte.

„Mit dem Abschluss der Sanierung dieses Geländes im Herbst 2013 wird die Stadt ihre Kapazitäten zur Ansiedlung von Gewerbe nahezu verdoppeln”, frohlockte Dr. Margrethe Schmeer. Dann nahm sie höchstselbst, zur Feier des Tages, den Baumaschinenführern Kai Erlinghausen, Joachim Vighold und Markus Gustorf ein winziges, symbolisches Stückchen des vor ihnen liegenden Abriss-Marathons ab.

Das Bild ließen sich - aus sicherer Entfernung, bei Softdrinks und Häppchen auf staubigem Terrain - etliche Brander Bürger, Politiker und Vertreter der Verwaltung ebensowenig entgehen wie die durchweg höchst aufgeräumten Redebeiträge an der Brander Nordstraße. Bezirksbürgermeister Herbert Henn erinnerte an die zähen juristischen Auseinandersetzungen, welche die Stadt zwecks Erwerbs des 14 Hektar umfassenden „Filetstücks” hatte führen müssen.

„Wir danken vor allem Anette Reinholz vom Fachbereich Wirtschaft, die stets für Transparenz im Verfahren gesorgt hat und immer ihr Wort gehalten hat”, sagte Henn. Dazu gehöre nicht zuletzt, dass das logistisch aufwändige Sanierungsprojekt ausschließlich über die Debyestraße abgewickelt wird, damit die benachbarten Wohnviertel nicht belastet werden. Auch die Bürger seien vorab intensiv in die Vorbereitungen eingebunden worden.

Dann gings zur Sache auf dem ehemaligen belgischen Militärgelände. Schließlich sollen spätestens in zweieinhalb Jahren die ersten Gewerbebetriebe im Aachener Südwesten heimisch werden. Als erstem von nicht weniger als 43 völlig maroden Bauten machten die Profis an der Abrissbirne zuallererst der riesigen ehemaligen Panzerhalle, auch bekannt als „Beckerhalle”, weil zudem Ex-Lager der gleichnamigen Tuchfabrik, den Garaus. Unter der Erde warten rund 35 Tonnen Altlasten - schwermetallhaltige Schlacken vor allem - auf fachgerechte Entsorgung.

Nicht nur deshalb werde die Herrichtung des Areals modernsten Ansprüchen an den Umweltschutz gerecht, erklärte Dr. Jochen Rudolph, Vorsitzender des Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverbands (AAV) NRW, der mit den Arbeiten betraut ist. „Die Nutzung bereits vorhandener Flächen stellt einen wichtigen Beitrag auch zur Erhaltung von Ackerland und Wiesen dar”, betonte er. Auch angesichts der aktuellen Diskussion über alternative Energieformen sei dies von hoher Bedeutung.

Einen wirtschaftlichen Meilenstein markiert das Projekt ohnehin. Denn seit Jahr und Tag ringt die Stadt um jeden Quadratmeter Gewerbefläche. Und hat in jüngerer Vergangenheit reichlich Aufwand betreiben müssen, um an der Nordstraße Vandalen fernzuhalten, zu roden und die Menschen im Umfeld in die Planungen einzubeziehen. Über anderthalb Jahrzehnte sind so ins Land gegangen, seit die belgischen Streitkräfte das Camp verlassen haben. Bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurden dort, wie Margrethe Schmeer vergnügt anmerkte, übrigens vor allem Pferderennen veranstaltet.

Weniger erfreulich gestaltete sich der zähe Kampf um die Übernahme. 2006 hatte der Bund das gigantische Grundstück an einen privaten Investor verkauft. Die Stadt klagte durch die Instanzen, bis das Oberverwaltungsgericht NRW ihr Vorkaufsrecht am 19. April 2010 endgültig bestätigte. Jetzt sind, wie gesagt, vor allem reichlich technische Herausforderungen zu meistern, bis das nächste Kapitel in der bewegten Geschichte von Camp Pirotte wirklich aufgeschlagen werden kann.
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