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In Aachen können Deiche brechen

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
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Von außen ist das neu gebaute Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH nahe des Aachener Westbahnhofs eher unspektakulär. Foto: Michael Jaspers
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Durch diese Rinnen wird das Wasser rauschen: Im Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft ist der größte Kanal aus Beton, 30 Meter lang und zwei mal zwei Meter breit. Hier kann man Deichbrüche simulieren. Fotos. Michael Jaspers Foto: Michael Jaspers

Aachen. Katastrophen wie ein Deichbruch, Überflutung oder gefährliche Strömungen kann sie per Knopfdruck in die Wege leiten: „Alles gar kein Problem“, sagt Catrina Cofalla.

Sie ist die leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH. Von außen ist das neu gebaute Institut nahe des Aachener Westbahnhofs eher unspektakulär: Viel Glas und grauer Beton wurden hier verbaut. Betritt man mit Cofalla das Gebäude, eröffnet sich aber eine ganz neue Welt.

2250 Quadratmeter Hallenfläche sind dort gefüllt mit Versuchskanälen aus Beton, Glas und Metall. Zwölf Millionen Euro hat der Neubau gekostet. „Hier drunter ist ein Wasserbecken“, erklärt Cofalla. „400 Kubikmeter Wasser passen hinein.“ Pro Sekunde können 1200 Liter durchs System gepumpt werden.

Im Moment ist in der Halle allerdings noch alles staubtrocken. „Erst in zwei Monaten heißt es hier: Wasser marsch!“, sagt Cofalla. Seit Mai 2013 hatte sich der Umzug immer wieder verzögert, gestern wurden die restlichen Möbel an Ort und Stelle geräumt.

In den alten Gebäuden des Instituts standen für Versuche nur rund 900 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, dort wanderten nur 400 Liter Wasser durchs System. „Das war wie im Schuhkarton“, erinnert sich Cofalla. „Viele Versuche mussten wir übereinander bauen.“ Im Institut wird disziplinübergreifend von Geografen, Ingenieuren und Biologen am Wasser geforscht.

Cofalla steht mitten in einem offenen Betonkanal, der ihren Kopf überragt. Es ist der größte in der Halle. Er ist 30 Meter lang und hat ein Außenmaß von zwei mal zwei Metern. Ein Bauelement wiegt 2,7 Tonnen. Wenn hier bald ein Deichbruch simuliert wird, müsste sie schon gut schwimmen können. Das Wasser würde sie im Zweifel einfach mit sich reißen. „Wir können sehen, ab welcher Menge Wasser ein Deich versagt und wie man seine Neigung verändern müsste, damit kein Durchbruch geschieht.“

Früher haben die Wissenschaftler die Teile mit dem Gabelstapler hin und her gefahren. „Jetzt haben wir einen Kran“, sagt Cofalla. Der Gabelstapler ist im Vergleich zum beweglichen Deckenkran, der die ganze Halle einmal überqueren kann, ein eher kleines Gefährt. Ein Betonelement mit dem neuen Kran zu bewegen, ist jetzt eine leichte Aufgabe.

Warum braucht man überhaupt eine Wasserhalle wie die des Instituts? „Teile von Überflutungsgebieten können so besser nachgebildet werden als am Computer. Ein dreidimensionales Modell zu berechnen, dauert je nach Größe zum Teil Tage oder sogar Wochen. Im Kanal lässt man das Wasser einlaufen und wartet eine halbe Stunde, bis es sich beruhigt hat und kann dann direkt starten.“ Große Überflutungsflächen werden hingegen immer am Computer simuliert. Die Forschung soll den Menschen nutzen. „Dort, wo Wasser ist, sind auch dicht besiedelte Räume. Dass es dort Nutzungskonflikte gibt, ist klar“, sagt Cofalla.

Neben studentischen Arbeiten, die das Institut betreut, kommen auch Aufträge von außen. So wird der Küstenschutz für die Halligen untersucht oder eine Sedimentbilanz des Rheins aufgestellt. Cofalla selbst leitet die Forschungsgruppe Konstruktiver Wasserbau. Dort wird an Bauten geforscht, die dem Wasser ausgesetzt sind, also Talsperren, Deiche oder Hochwasserrückhaltebecken. Sie müssen Wasserkräften über einen langen Zeitraum standhalten, um Menschen nicht zu gefährden. Wenn in rund zwei Monaten das Wasser in der Versuchshalle strömt, werden die Forscher genau das im Blick haben.

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