Impulse für ein verwaistes Industriegebiet

Von: Marie Ludwig
Letzte Aktualisierung:
12550730.jpg
Neue Ideen für den Aachener Norden: Nicht alle Flächen der großen Industrieareale werden derzeit genutzt. Was stattdessen dort passieren könnte, damit beschäftigen sich junge Planer im Rahmen des Schlaun-Wettbewerbs. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Aachen Nord wird zur Kreativlandschaft für junge Planer, denn das Schlaun-Forum ruft zum sechsten Mal seinen Ideenwettbewerb aus. In diesem Jahr sollen wieder Nachwuchstalente aus den Bereichen Architektur, Städtebau und Landschaftsplanung ihre Ideen für das Viertel im Aachener Norden einsenden.

Dort hat das Forum mit der Stadt Aachen eine Planungsfläche ins Auge gefasst, „die viele spannende Ecken hat und für die jungen Planer ein gefundenes Fressen bietet“, sagt Stadtbaurat Werner Wingenfeld.

Das Viertel zwischen Grüner Weg und der Jülicher Straße bietet große Industrieareale wie Zentis, Krantz oder den alten Schlachthof. Diese werden jedoch nur zu Teilen genutzt. Ein perfekter Raum, um diese Bereiche wieder zu beleben – findet auch Wolfgang Echelmeyer vom Schlaun-Forum.

2011 haben er und seine Kollegen das Forum gegründet, da sie mit dem bestehenden Wettbewerbswesen unzufrieden waren: „Wir glauben, dass jungen angehenden Kollegen kaum Chancen zur Teilnahme an aktuellen Wettbewerben geboten werden“, so Echelmeyer.

Nachwuchskräfte hätten kaum die Gelegenheit, zu zeigen, über welches Gestaltungspotenzial sie verfügen. Genau an dieser Stelle soll der Ideenwettbewerb ansetzen. Ob die Ideen jedoch auch umgesetzt werden, bleibt offen. „Wir bieten jungen Planern eine Chance zu zeigen, was sie können“, erklärt Echelmeyer. Die jeweilige Stadt profitiere von den Ideen und Wünschen junger Menschen und könne anschließend selbst entscheiden, ob dies für eine Umsetzung ausreiche.

Bis Februar 2017 anmelden

Planungsideen für das einstige Wirtschaftsviertel Aachens können auf den drei Gebieten Städte- und Landschaftsbau, Architektur und Bauingenieurwesen eingereicht werden. Insgesamt werden 24 000 Euro Preisgeld vergeben. Im Fokus des Wettbewerbs steht das Thema urbanes Wohnen, wobei ein Planungsgebiet von rund 220 Hektar Fläche – umgerechnet circa 308 Fußballfelder – ausgesucht wurde.

„Den Bewerbern steht weitestgehend frei, wie sie diese Fläche nutzen wollen“, erklärt Jörg Frohn vom Schlaun-Forum. Fest steht bereits, dass die Bauingenieure einen Turm konzipieren sollen, von dem aus Bürger die Aussicht über das Areal genießen können. Die Städte- und Landschaftsbauer hingegen sollen sich einzelne, kleinere Areale heraussuchen.

Ein Beispiel ist der stillgelegte Nordbahnhof: Die ehemalige Bahntrasse soll zwar nicht überbaut werden, sie kann allerdings für die ÖPNV-Nutzung, als Fahrrad- und Gehwegtrasse und für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Das ehemalige Garbe, Lahmeyer & Co Gebäude soll in jedem Fall weiterbestehen.

Die Architekten unter den Bewerbern haben die Aufgabe, den Paradebau rheinischer Industriearchitektur zu einem Wohnkomplex umzugestalten. Wie genau dieser aussehen wird und ob auch Gewerbe oder Kunst und Kultur in das Gebäude mit einziehen, ist den Bewerbern überlassen. „Besonders reizvoll ist die kulturelle Anbindung, die das Viertel bereits bietet“, sagt Fabian Kumkar, Leiter für vorbereitende Bauleitplanung der Stadt Aachen. So liegen das Ludwig Forum, die Musikschule und auch das Das Da Theater in unmittelbarer Nähe und könnten auf weitere Kulturschaffende befruchtend wirken.

Rund 100 Bewerbungen gehen jedes Jahr für die Ausschreibung von Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Für das Aachener Projekt können sich bis Februar 2017 Studierende der drei Fachrichtungen mit ihren Konzepten bewerben. Der Ideenwettbewerb richtet sich an Studierende ab dem fünften Fachsemester und Absolventen, die das 35. Lebensjahr am Abgabetermin nicht überschritten haben.

Im Mai des nächsten Jahres wird die 13-köpfige Jury mit Mitgliedern aus Städtebauräten und der Ingenieurkammer sowie ausgesuchte Architekten über die Preisvergabe im Schlaun-Wettbewerb entscheiden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert