Imposanter Appell für Frieden und Freiheit

Von: Rolf Hohl
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Gemeinsam für ein starkes, friedliches und solidarisches Europa: Die zweite „Pulse of Europe“-Kundgebung auf dem Katschhof setzte ein starkes Signal des Zusammenhalts. Bis September soll die Demo jeden Sonntag zwischen Dom und Rathaus stattfinden. Foto: Andreas Herrmann
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„Blijf bij ons“ – bleibt bei uns: Zahlreiche Aachener appellierten an die Niederländer, Populisten bei den Parlamentswahlen keine Chance zu lassen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nicht weniger als etwa 500 Menschen versammelten sich an diesem sonnigen Sonntagnachmittag auf dem Katschhof, um den Mund aufzumachen für ein friedliches und geeintes Europa – in jedem Sinne: „Blijf bij ons“ tönte es aus dem Herzen des Kontinents im Chor in Richtung Niederlande. Und bei der zweiten Auflage der ungewöhnlichen Zusammenkunft standen die Chancen nicht schlecht, dass die Nachbarn das auch hörten.

Mit Redebeiträgen und dem symbolischen Zuruf setzten die Teilnehmer der „Pulse of Europe“-Kundgebung in Aachen ein Zeichen an die Adresse der Niederländer, sich bei den Parlamentswahlen am kommenden Mittwoch auf die Ideen der europäischen Einigung zu besinnen.

Politische Sonntagsreden haben ja gemeinhin eher einen schlechten Ruf. Bei „Pulse of Europe“ jedoch sollen nun bis zu den Bundestagswahlen jeden Sonntag jene Menschen zu Wort kommen, die für die Europäische Union einstehen. Alleine am Sonntag fanden in 38 weiteren Städten in Deutschland solche Kundgebungen statt, bei denen sowohl persönliche Erlebnisse, als auch Kritik geäußert werden.

Es sei eine „europäische Menschenkette im Geiste“, die da gerade heranwachse, wie Mitinitiator Manfred Kutsch sagte. Gerade in einer Zeit, in der sich der türkische Präsident Erdoan außenpolitisch selbst demontiere und in den Vereinigten Staaten ein „kulturloser“ Präsident Trump regiere, gewinne die Einheit Europas noch an Bedeutung. Einer, der es wissen muss, ist Ger Essers vom Vorstand der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft – und er fand ebenfalls deutliche Worte: „Entwicklungen gegen den freien Verkehr von Menschen, Waren und Dienstleistungen sind katastrophal für unsere grenzüberschreitende Zusammenarbeit.“

Ins selbe Horn stieß Jochen Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum Aa-chen. „Ich möchte nicht mehr erleben, dass in Lichtenbusch der Schlagbaum heruntergeht, wenn ich nach Belgien nach Hause fahren will“, sagte er. Immer wieder wurde in den Beiträgen deutlich, dass viele vor allem die bisher nie dagewesene Zeit des anhaltenden Friedens in der Union – von der Gründung der Montanunion 1951 bis heute – für die größte Errungenschaft halten. Aber auch die offenen Grenzen, die Freizügigkeit, die gemeinsame Währung und der wissenschaftliche Austausch mit den Erasmus-Programmen wurden oft genannt und haben in den Alltag der Menschen Einzug gehalten.

Dieses Europa, das auf dem Trümmerfeld des Nationalismus wieder aufgebaut worden sei, wolle man sich darum nicht wieder wegnehmen lassen, so der Vorsitzende der Aachener SDP, Karl Schultheis. „Wir können dem Rest der Welt zeigen, dass aus einstigen Feinden auch Freunde werden können.“

Ob die vielen Freundschaftsbekundungen an die Nachbarn hinter der Grenze Wirkung gezeigt haben, wird sich bei den niederländischen Wahlen in dieser Woche zeigen. Seit Jahren macht dort der Rechtspopulist Geert Wilders Stimmung gegen Muslime und Ausländer, ebenso wie gegen die Institutionen der EU. Offensiv wirbt er für einen Austritt der Niederlande aus der Union, während an diesem Sonntag aus Aachen das gegenteilige Signal kam: „Blijf bij ons“ – bleibt bei uns.

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