Impfen? „Die Chance sollten wir nutzen”

Von: Stephjan Mohne und Oliver Schmetz
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Aachen. Die Schweinegrippe ist auf dem Vormarsch. Und so langsam ist wieder die Rede von Krisenplänen. In Behörden, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Unternehmen. Erst recht gilt das, nachdem es nun in Aachen einen ersten Todesfall gibt.

Eine 33-jährige Schwangere ist nach einer Spontangeburt im Klinikum an den Folgen der Neuen Grippe gestorben. „Das war ein dramatischer und tragischer Fall”, sagt der dortige Infektiologe und Krankenhaushygieniker Professor Dr. Sebastian Lemmen.

Allerdings war es nicht der erste schwere H1N1-Fall im Klinikum. Etwa zehn Patienten habe man schon stationär behandelt, darunter Kinder und Säuglinge. Eine Isolationsstation für bis zu zehn Patienten ist eingerichtet, weitere Räume stehen als Reserve bereit. Außerdem rührt man intern die Werbetrommel - in Sachen Impfen.

„Der Zuspruch der Mitarbeiter ist groß”, sagt Lemmen, „sie stehen in langen Schlangen an.” Was das Impfen angeht, hat der Experte eine klare Meinung: „Erstmals in der Geschichte sind wir in der Situation, dass eine Pandemie auf uns zukommt und wir bereits einen passenden, zugelassenen Wirkstoff haben. Das sollten wir nutzen.”

Vorbereitet ist man auch in anderen Krankenhäusern. „Wenn jemand mit dem Verdacht auf die Neue Grippe kommt, wird der Patient isoliert untersucht”, sagt Privat-Dozent Dr. Markus Gatzen, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Marienhospitals. Bei schweren Komplikationen und Risikopatienten findet eine Behandlung in der Klinik isoliert statt, leichte Fälle werden nach Hause geschickt. Sonst könne eine Ausbreitung „ein Krankenhaus lahmlegen”. Dem Personal des Marienhospitals ist geraten worden, sich impfen zu lassen. Die Resonanz, so Gatzen, sei aber „mager”.

Seine eigenen Kinder, 12 und 15 Jahre alt, hat der Chefarzt impfen lassen. Bei vielen Eltern herrscht hingegen Unsicherheit. Soll man sein Kind impfen lassen? Mittlerweile gehen die Empfehlungen des Kinderärzteverbandes dorthin. Allein: Wer einen Termin zum Impfen bei einem der wenigen dafür verfügbaren Kinderärzte haben will, muss Geduld mitbringen. Mehrere Wochen kann es dauern, bis man dran ist.

Und wie sieht es in den Schulen aus? Stichproben: In der Heinrich-Heine-Gesamtschule ist ein Schweinegrippe-Fall aktenkundig. Da das HHG im gleichen Gebäude wie das Anne-Frank-Gymnasium untergebracht ist, wurde am AFG vor einer Staatsexamensprüfung eine schwangere Fachleiterin „ausgetauscht”.

Die Bezirksregierung hatte es der Pädagogin freigestellt, die Prüfung abzunehmen. Die werdende Mutter mochte aber kein Risiko eingehen und nahm laut AFG-Schulleiter Berthold Winterlich das Angebot an. Am AFG sei kein Schweinegrippefall aktenkundig. Gleiches gilt für die Viktoriaschule. „Wir rechnen aber täglich damit”, so Schulleiter Axel Schneider.

Einen Fall hat Manfred Paul als Leiter der Hauptschule Aretzstraße bislang gezählt. Allerdings berichtet Paul auch von vielen anderen Krankheitsfällen. Der Verdacht liege nahe, dass es an der Aretzstraße eine Dunkelziffer in Sachen Schweingegrippe gebe. „Wir haben viele Fälle mit Symptomen, die auf die Schweinegrippe hinweisen. Aber die Eltern lassen ihre Kinder nicht testen, wir erfahren also nicht, ob es weitere Fälle gibt”, berichtet Paul. Über Schulschließungen würde im Ernstfall ein städtischer Krisenstab beraten. Dieser musste bislang aber noch nicht zusammentreten.

Schützen kann man sich zumindest ansatzweise selbst. Dazu gibt es einschlägige Regeln wie etwa gründliches Händewaschen. Keine Knappheit herrscht indes bei Handdesinfektionsmitteln. „Da haben wir, Stand heute, noch einiges auf Lager”, sagt Lothar Kämmerling, Prokurist des Pharmagroßhandels Otto Geilenkirchen. Wie sich dieser Lagerbestand - auch bei Schutzmasken - entwickelt, hänge natürlich auch von der Nachfrage ab.
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