Immer und überall erreichbar: Neues Satire-Stück von „KlartAIXT“

Von: Svenja Pesch
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Das Handy, der „treue“ Begleiter: Die Theatergruppe „KlartAIXT“ zeigt in ihrer neuen Satire-Produktion „Jetzt aber schnell...“, was der Zeit-, Leistungs- und „Immer erreichbar“-Druck aus einer Gesellschaft macht. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Zeiten ändern sich. Oder treffender gesagt: Sie haben sich bereits geändert. Wer verlässt sich heute beispielsweise denn noch auf die gute, alte Armbanduhr mit echtem Ziffernblatt und gleich zwei Zeigern? Höchstens diejenigen, die auch noch Gespräche von Angesicht zu Angesicht führen. Total veraltet.

Und was ist die Konsequenz dieses Handelns? Eine Gesellschaft, in der Zeit kostbar ist. Wo Zeit Erfolg schafft und wo nur der erfolgreich ist, der perfekt organisiert ist. „Ständig hat keiner Zeit, dabei ist doch Zeit für alle da!“.

In ihrer neuesten Satire-Produktion „Jetzt aber schnell…!!!“ von Holger Klän zeigt die Theatergruppe „KlartAIXT“, wie die Teilnehmer eines Seminars zur Zeitoptimierung in Not geraten, wenn einmal der Strom ausfällt und somit das allerwichtigste – die Verbindung zur Außenwelt – abreißt.

Diesen Schock kann man ja schon fast gar nicht verkraften und realisieren, ohne völlig auszurasten. Denn „simsen, twittern, posten und stubsen“ ist nicht mehr möglich. Katastrophal. Hinzukommt, dass es nicht nur die Top-Manager sind, bei denen das Handy an der Hand angewachsen zu sein scheint, sondern Menschen jeglichen Alters und Berufsfeldes. Da sind die Journalisten, die auf die Sekunde genau ihren Artikel fertig haben müssen, um die stündlich aktualisierte Onlineausgabe der Öffentlichkeit zu präsentieren, oder die Banker, die parallel an drei „richtig großen und lukrativen Deals“ arbeiten und die Arbeitssuchenden, denen die Zeit auch irgendwie davonrennt.

Aber so richtige Stimmungskanonen sind das alle nicht. Viel zu verbissen. Kein Wunder, denn schließlich müssen die 40 Sekunden eingehalten werden. Der ganze Tag kann dank dieses genialen Zeitfensters perfekt organisiert werden. Und Freunde? Wer braucht denn bitte Freunde und Freizeit? Völlig ineffizient das Ganze. „Wir dürfen jetzt nicht aufhören, wir müssen die nächste Stufe gehen“, so das Motto der Seminarleiterin. Doch wohin führt der steile Karriereweg? In den Olymp des Erfolges?

Regisseurin Rena Zieger verspricht weder ein „Happy-End“ noch eine schier ausweglose und festgefahrene Situation. „Das Schöne ist die Tatsache, dass die Seminarbesucher völlig verschiedene Charaktere sind. Die Eine wirft Pillen ein, um leistungsfähiger zu sein und der Andere setzt sich eine Sekunden-Deadline. Dass dabei vieles auf der Strecke bleibt, ist völlig klar. Daraus folgt aber auch, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wie er leben möchte und ob der permanente Zeitdruck und mediale Einfluss das richtige Modell sind“, so Zieger.

Das Stück von Holger Klän thematisiert eine Zeit, die dem Jahr 2014 einige Zeitmaße voraus ist. Umso erschreckender, dass es keine futuristisch anmutende Theaterinszenierung ist, sondern absolut dem täglichen, medialen Wahnsinn entspricht. Denn Zeit ist in der Tat für alle da. Aber wie sagte es schon Lucius Annaeus Seneca: „Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ Viele nutzen ihre Zeit am Wochenende, um „Jetzt aber schnell. . .“ anzuschauen. Denn die Aufführengen am Samstag und am Sonntag im Gasborn 99 sind bereits ausverkauft. Allerdings gibt es zwei Zusatzaufführungen: Samstag, 20. September, 19 Uhr „Theater im Hof“ , Schleckheimerstraße 151 sowie am Sonntag, 19. Oktober, um 15 Uhr im Stolberger Theater „Tabalingo“.

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