Immer öfter reicht das Geld nicht mal zur Beerdigung

Von: Robert Esser
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Aachen. Wenn das Geld weder zum Leben noch zum Sterben reicht, wird´s nach dem Tod naturgemäß kaum besser. Statistisch lebt in Aachen alle vier Stunden ein Mensch ab.

Rund 2300 Gestorbene zählt die Kaiserstadt pro Jahr. Darunter immer mehr Bürger, die völlig vereinsamt und mittellos das Zeitliche segnen.

Dann hilft das Sozialamt bei den Beerdigungskosten, oder das Ordnungsamt übernimmt die Bestattung komplett. Der Anteil der Beerdigungen, die vollständig von der Stadt finanziert werden, ist innerhalb von nur zwei Jahren um 60 Prozent gestiegen: Von 78 Sterbefällen im Jahr 2006 auf 123 im vergangenen Jahr. „Dieser traurige Trend scheint anzuhalten”, erklärt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung.

„Aber das Ordnungsamt bemüht sich in jedem einzelnen Sterbefall um eine zwar bescheidene, aber dennoch würdevolle Beerdigungszeremonie innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen achttägigen Frist.” 2514 Euro kostet die Erdbestattung, 2775 Euro werden für Einäscherung und Urne fällig. „Aber solange keine andere Willenserklärung vorliegt, beerdigen wir in der Regel auf dem Friedhof Hüls. In 98 Prozent der Fälle ist das so”, sagt Wölk.

Blumenschmuck ist dabei zwar nicht inklusive, wohl aber ein kostengünstiger Sarg und ein Holzkreuz. Trotzdem schießen die Kosten in die Höhe, wenn die öffentliche Hand Betroffene aus der Grundsicherung bis ins Grab begleiten muss: 2006 zahlte das Sozialamt 272.000 Euro - teils anteilig - für Bestattungskosten. 2008 summierten sich die Ausgaben bereits auf 347.000 Euro, ein Anstieg um 75.000 Euro in zwei Jahren.

Um unumgängliche Ausgaben der Stadt im Rahmen zu halten, versucht man, die Kosten bei Hinterbliebenen oder beim Nachlassgericht geltend zu machen. „Das gelingt in vielen Fällen, allerdings bei weitem nicht bei den meisten”, sagt Wölk.

Bei den meisten mittellos Verstorbenen handelt es sich übrigens - entgegen landläufiger Einschätzung - nicht etwa um Obdachlose oder Stadtstreicher, sondern um in Einsamkeit verarmte ältere Mitbürger. Für den letzten Weg bemüht man sich nichtsdestotrotz um Anteilnahme: Das Ordnungsamt lädt Heimbewohner und -betreuer zu den Bestattungszeremonien ein - auch wenn aus Kostengründen auf den sonst üblichen „Leichenschmaus” verzichtet werden muss.
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