Immer mehr Schulkinder kommen unter die Räder

Von: Robert Esser
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Auch in Aachen steigen die Zahlen der Unfälle, an denen Kinder beteiligt sind, spürbar an. Foto: ddp

Aachen. Eine schreckliche Szene, am Montagnachmittag, 15 Uhr: Schon wieder schieben Sanitäter einen kleinen Kinderkörper auf der Trage in ihren Rettungswagen. Der Zwölfjährige war zuvor am Fußgängerüberweg an der Schanz von einem Bus der Linie 4 erfasst worden.

Wahrscheinlich hatte der Junge das Rotlicht missachtet, weil er einen anderen Bus an der gegenüberliegenden Haltestelle erreichen wollte. Erste Diagnose: Kopfprellungen. Das Kind wurde ins Krankenhaus gebracht.

Das Jahr 2009 beginnt in Sachen Verkehrsunfallbilanz denkbar schlecht. „Wir stellen fest, dass es spürbar mehr Schulwegunfälle gibt”, bestätigt Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage der Aachener Zeitung.

„Am letzten Dienstag wurden sogar drei Kinder innerhalb von nur zwei Stunden bei Verkehrsunfällen verletzt”, sagt Kemen. „Eltern müssen ihre Kinder unbedingt dafür sensibilisieren, dass der kürzeste Weg nicht immer der sicherste ist.”

Vergangene Woche war eine 15-jährige Schülerin auf einem Fußgängerüberweg am Berliner Ring mit einem Auto zusammengeprallt und dabei am Kopf verletzt worden.

Zwei acht- und neunjährige Mädchen waren auf der Passstraße vor den Wagen eines 58-Jährigen gelaufen. Sie erlitten laut Polizeibericht schwere Beinverletzungen.

„Wir appellieren dringend an Autofahrer, nicht nur unmittelbar vor Schulen, sondern bereits bei der Anfahrt den Fuß vom Gas zu nehmen”, sagt Kemen.

„Die meisten Verkehrsunfälle mit Schulkindern ereignen sich nicht direkt vor der Schule, sondern im Umfeld.” Gründe für die steigenden Unfallzahlen in Aachen seien unter anderem die jahreszeitbedingte Dunkelheit am frühen Morgen und Unaufmerksamkeit.

„Man muss einfach mit Fehlverhalten rechnen.” Dies gelte gleichermaßen für Autofahrer wie Schulkinder, betont der Polizeisprecher.

Im vergangenen Jahr hatte sich Polizeipräsident Klaus Oelze noch glücklich darüber gezeigt, dass die Zahl der Schulwegunfälle rückläufig erschien. 2007 hatte man im Präsidium 92 verunglückte Kinder gezählt - sechs weniger als 2006.

Die Aachener Statistik für 2008 liegt noch nicht vor. Doch deutschlandweit kam es laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bereits im ersten Halbjahr zu 61.666 meldepflichtigen Schulwegunfällen. Das sind 2646 mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. 31 Kinder kamen zu Tode.

Wie die Polizei empfiehlt die Aachener Verkehrswacht, mit Kindern den Schulweg intensiv einzustudieren - egal ob auf dem Fahrrad, per Bus oder zu Fuß. Verkehrswacht-Vorsitzender Michael Schulz rät zudem, Kinder in heller, auffälliger Kleidung zur Schule zu schicken - „am besten mit Reflektoren”.

Besonders gefährdet seien Schülergruppen, die beim Spiel am Straßenrand den angrenzenden Verkehr aus den Augen verlieren. Sorge bereitet Schulz auch, dass Verkehrssicherheit nicht mehr bei allen Eltern hoch im Kurs stehe. „Kein Zweifel: Die Polizei bemüht sich sehr um die Verkehrserziehung an den Schulen”, sagt er. „Aber zu unserem Verkehrsübungsplatz an der Hohenstaufenallee kommen immer weniger Schulklassen”, bedauert der Chef der Verkehrswacht.
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