Aachen - Immer mehr Aufgaben für das Müttercafé bei immer weniger Mitteln

Immer mehr Aufgaben für das Müttercafé bei immer weniger Mitteln

Von: Hans-Peter Leisten
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Reden, austauschen, Vertrauen fassen: Für viele Mütter mit Migrationshintergrund bietet das Müttercafé mit Britta Mohr und Andrea Weyer (stehend rechts und links) einen wichtigen Anlaufpunkt, um in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein ganz normaler Vormittag an der Düppelstraße. An der Kirche St. Fronleichnam haben die Männer vom Bau ordentlich zu arbeiten – was richtig Lärm macht. Unvermeidlich. Direkt nebenan steht das Müttercafé des Aachener Kinderschutzbundes (KSB). Auch hier herrscht ein ordentlicher Geräuschpegel. Irgendwie auch unvermeidlich, aber vor allem gewollt.

Denn das Café ist eine Anlaufstelle und zugleich ein Ort der Begegnung für Mütter mit Kindern. Das Angebot darf man getrost als etabliert bezeichnen. Das beweisen die Besucherinnenzahlen, das beweist das differenzierte Konzept, und das beweist vor allem die hohe Akzeptanz unter den Müttern, die zahlreiche Nationen widerspiegeln. Eigentlich alles gut, wenn nicht das Team um Leiterin Britta Mohr mehr denn je um die Fortsetzung des Angebotes bangen müsste.

Auch das wäre nichts Ungewöhnliches, wenn nicht die Schere zwischen Ausstattung und Anforderungen immer weiter auseinanderklaffen würde. Britta Mohr hat dafür eine plausible Erklärung: „Zu uns kommen schon immer viele Frauen und Kinder mit Migrationshintergrund. In der jüngeren Vergangenheit kommen enorm viele Flüchtlingsfrauen und -kinder hinzu.“ Diese seien nicht minder willkommen, die Türen stehen auch im übertragenen Sinne im Müttercafé stets offen. „Aber der Anspruch wird immer größer“, beklagt die Leiterin und wird konkret. So habe sich in zahlreichen Familien herumgesprochen, dass man in der Einrichtung des Kinderschutzbundes eine fundierte Hinführung ans deutsche Bildungs- und Gesundheitssystem bekomme. Und das alles ohne Berührungsängste, denn das Müttercafé ist im Selbstverständnis niederschwellig.

Die hohe Akzeptanz hat aber dazu geführt, dass das Café nicht nur im räumlichen Sinn aus allen Nähten platzt. Vorbei sind die Zeiten, als die Beratungen quasi nebenher erfolgen konnten. Inzwischen müssen die Mitarbeiterinnen feste Sprechstunden einrichten. Beratungsstau ist nicht zu vermeiden.

„Wir erfüllen längst eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe in der Stadt, die nicht zur ursprünglichen Zielsetzung des Kinderschutzbundes gehörte“, betont Andrea Weyer. Die Geschäftsführerin des Aachener Kinderschutzbundes weiß nämlich auch aus erster Hand, dass die finanzielle Ausstattung erheblich hinter den Anforderungen her hinkt. Der KSB hat mit der Stadt eine Leistungsvereinbarung, über die die Grundfinanzierung geregelt ist. Sonderprojekte werden auch aus Sondertöpfen finanziert, um die zurzeit noch gerungen wird. Immerhin: „Wir sind optimistisch“, beschreibt Andrea Weyer die derzeitigen Gespräche. Was aber nichts am wachsenden Missverhältnis zwischen Herausforderungen und Finanzierbarkeit ändert.

Dabei würden die Damen vom Müttercafé gerne deutlich mehr offerieren und die Öffnungszeiten erweitern. „Im Grunde müssen wir nur auf die Nachfrage reagieren. Die Frauen äußern explizit ihre Wünsche. Und auf die wollen wir eingehen“, unterstreicht Mohr. Die Besucherinnen haben im Übrigen ein Schreiben mit ihren Empfindungen und Wünschen (siehe Zusatzbox) formuliert, das an die Verwaltungen und sämtliche Fraktionen gegangen ist. Geantwortet hat laut Andrea Weyer nur Brigitte Drews vom städtischen Fachbereich Kinder und Jugend. Dass von „keiner Fraktion“ eine Reaktion gekommen sei, habe alle doch sehr irritiert.

Die grundsätzlichen Schwierigkeiten werden durch zwei weitere Ereignisse nicht gerade erleichtert: Am 3. April gab es erstens einen erheblichen Wasserschaden, dessen Reparatur wohl erst im August möglich ist. Die Raumkapazitäten sind so deutlich eingeschränkt. Und zweitens fallen bisherige freiwillige Angebote Dritter für die Sommerferien jetzt weg: zum Beispiel ein Freikartenpaket für den Tierpark oder auch Freifahrten für die Ferien mit der Aseag. „Das können wir nicht kompensieren. Aber vielleicht finden sich großzügige Aachener, die uns helfen“, formuliert Andrea Weyer eine kurzfristige Lösung der Detailprobleme. Bei den mittel- oder langfristigen Grundsatzproblemen braucht sie langen Atem.

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