Imam, Rabbi und Pfarrer legen Grundstein

Von: Oliver Schmetz
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Wollen in einem gemeinsamen Ar
Wollen in einem gemeinsamen Arbeitskreis in der Yunus-Emre-Moschee ein offenes Haus für Begegnung schaffen: Ayse Ulufer, Gerd Mertens, Halil Evler, Achim Ferrari, Abdurrahman Kol, Jakup Kochan und Ebubekir Gölpinar. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es soll ein Zeichen von großer Symbolkraft werden. Wenn am 8. Mai der Grundstein für die neue Yunus-Emre-Moschee in die Baugrube an der Ecke Elsassstraße/Stolberger Straße gelegt wird, werden dies ein Pfarrer, ein Rabbiner und ein Imam gemeinsam tun.

Das Signal ist klar: Hier entsteht etwas, soll signalisiert werden, das sich nicht abschottet, sondern einbettet in das Leben in dieser Stadt.

Und es soll nicht bloß ein symbolhaftes Zeichen bleiben. Dafür will sich ein neuer Arbeitskreis einsetzen, der den Bau der Moschee begleitet und auch nach der Fertigstellung aktiv bleiben möchte. Sein Ziel: Das Wort Begegnung in vielfältiger Weise mit Leben füllen. Dem trägt auch die Zusammensetzung des 21-köpfigen Gremiums Rechnung, in dem sich Vertreter der Religionsgemeinschaften, der Politik, der türkisch-islamischen Gemeinde und nicht zuletzt auch der Gewoge begegnen. Schließlich investiert das Wohnungsbauunternehmen in nächster Zeit viele Millionen in nächster Nähe in neue Wohnungen und in die Sanierung eines Kindergartens und ist damit auch ein wichtiger Gestalter im Ostviertel.

Die Idee eines solchen Arbeitskreises kam Abdurrahman Kol, dem Vorsitzenden der türkisch-islamischen Gemeinde, beim ersten Spatenstich im vergangenen August. Damals waren fast ausschließlich Gemeindemitglieder vor Ort, die „Aachener Mehrheitsbevölkerung”, wie der evangelische Pfarrer Hans-Christian Johnsen sie nennt, fehlte fast völlig. Was Kol im Rückblick bedauert: „Schließlich wollen wir nicht nur ein Gotteshaus, sondern ein offenes Begegnungszentrum bauen.” Der Arbeitskreis, so seine Idee, soll da „als beratendes Gremium wirken, das uns unter die Arme greift und eine Brücke in die Gesellschaft schlägt”.

Johnsen war für die Idee gleich Feuer und Flamme, er ist jetzt für die Religionsgemeinschaften Sprecher des Gremiums. „Unter den Religionen gibt es einen sehr breiten Konsens, die Begegnung zu verstärken und zu verstetigen”, sagt er. Und Bezirksbürgermeister Achim Ferrari (Grüne), Sprecher der politischen Parteien im Arbeitskreis betont den offenen Charakter der Gemeinde wie auch des geplanten Neubaus: „Das ist genau das Gegenteil vom Vorurteil des Abschottens des Islam, das manche schüren wollen”, sagt er und begründet die Beteiligung der Parteien: „Es ist wichtig, dass die Politik hier Farbe bekennt, gerade in Zeiten, in denen solche Projekte von Rechtsradikalen angefeindet werden.”

Was die Arbeitsgruppe genau tut, dafür gibt es noch kein konkretes Konzept, aber viele Ideen. „Wir wollen nicht nur das Viertel, sondern die ganze Stadt erreichen und die Begegnung in die Herzen aller Aachener tragen”, sagt Gerd Mertens, Referent im Büro der Regionaldekane, der ebenfalls in dem Gremium aktiv ist. „Es geht um die Menschen, nicht um die Steine”, ergänzt Josef Gerets, Gemeindereferent in St. Josef und Fronleichnam. „Wir wollen am Ohr der Gemeinde, am Puls der Zeit sein.”

„Stehen erst am Anfang”

Über Jugendangebote und Erwachsenenbildung, über Baustellenführungen, über die Einbeziehung von Menschen aus Sport, Kultur und Schulen wurde bereits nachgedacht. „Aber wir stehen erst am Anfang”, sagt Mertens.

Der ist immerhin gemacht. Das erste konkrete Projekt ist die feierliche Grundsteinlegung, die am 8.Mai von 12 bis 16 Uhr mit einem großen Fest auf dem Moscheegelände und im benachbarten Geschwister-Scholl-Gymnasium begangen werden soll. Und die gemeinsame symbolträchtige Aktion von Imam, Pfarrer und Rabbiner ist die erste konkrete Idee des Arbeitskreises, die umgesetzt wird. Voller als beim ersten Spatenstich soll es dan auch werden: „Wir erwarten mehrere tausend Besucher”, sagt Kol.

Neue Moschee soll Ende 2012 fertig sein

Der erste Spatenstich erfolgte im August vorigen Jahres, am 8. Mai soll die Grundsteinlegung für die Yunus-Emre-Moschee an der Ecke Elsassstraße/Stolberger Straße folgen. Geplant ist an diesem Tag ein großes Kultur- und Familienfest auf dem Moscheegelände und im benachbarten Geschwister-Scholl-Gymnasium.

Der Rohbau soll danach beginnen und bis zum Ende dieses Jahres fertig sein. Der komplette Ausbau soll dann im kommenden Jahr erfolgen. „Wir wünschen uns, dass wir die neue Moschee Ende 2012 beziehen können”, sagt der Gemeindevorsitzende Abdurrahman Kol.

Dafür braucht man noch Geld. „Der Rohbau ist finanziert, für den Rest müssen wir noch sammeln”, sagt Kol. Fünf bis sechs Millionen Euro soll die neue Moschee insgesamt kosten.
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