Aachen - Im Zweifel ist Matthias Achilles auch mal lieber ehrlich als nett

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Im Zweifel ist Matthias Achilles auch mal lieber ehrlich als nett

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Den Umfragen zum trotz: Matthias Achilles hofft bei der Bundestagswahl auf ein Ergebnis von rund 2,5 Prozent für die Piratenpartei. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Vorlesungszeit ist vorbei, die Klausuren sind geschrieben. Doch bei Matthias Achilles, Student der Elektrotechnik an der RWTH, reiht sich dennoch ein Termin an den anderen. Eine Diskussionsrunde mit Schülern am Morgen, eine Ausschusssitzung am Nachmittag, ein politisches Podium mit der Konkurrenz am Abend. Und dazwischen noch ein Interviewtermin mit unserer Zeitung.

Dafür hat sich der Direktkandidat der Piraten für den Bundestag den Templergraben als Ort ausgesucht. Trotz vorlesungsfreier Zeit. Denn die RWTH steht für den 26-Jährigen vor allem für eins: eine zukunftsweisende Verkehrspolitik und technische Innovation. Zwei wichtige Themen für den Verkehrspolitiker Achilles, der im Jahr 2011 seine politische Heimat bei den Piraten gefunden hat.

Den Ausschlag dafür habe vor allem eine seiner Meinung nach verfehlte Netzpolitik in Berlin gegeben. Das „problematische Abmahnwesen“ bezüglich illegal heruntergeladener MP3-Dateien zum Beispiel. Oder auch das Netzsperrengesetz, das den Zugang zu Kinderpornografie im Internet erschweren sollte, der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen aber von der Netzgemeinde vor allem den uncharmanten Beinamen „Zensursula“ einbrachte. Und dazu führte, dass sich nicht nur das Büro der Piraten am Aachener Hirschgraben füllte. „Ich habe mich dazugesetzt, den Laptop rausgepackt und einfach mitgemacht“, beschreibt Achilles den Beginn seiner Laufbahn auf dem politischen Parkett.

Mittlerweile residieren die Piraten in der Geschäftsstelle ihrer Fraktion im Verwaltungsgebäude am Katschhof. Seit der Kommunalwahl 2014 ist Achilles als Sachkundiger Bürger für seine Ratsfraktion im Mobilitätsausschuss und im Betriebsausschuss Eurogress aktiv. Nun streckt der 26-Jährige die Fühler nach dem Bundestag aus. Zumindest offiziell. Denn dass er am 24. September tatsächlich die meisten Erststimmen einheimsen sollte, glaubt auch Achilles nicht. Auf die Bewerbung um einen Platz auf der Landesliste habe er zudem bewusst verzichtet. Seine politische Zukunft sehe er auch nach der Bundestagswahl in Aachen.

Und dennoch: Die Aachener sollen die Wahl haben, begründet Achilles seine Kandidatur für den Bundestag. Auch wenn aller Wahrscheinlichkeit nach nur ein geringfügiger Anteil der Wahlberechtigten in gut einer Woche ihr Kreuz neben der Piratenpartei setzen werden. Denn die einstige Protestpartei ist nach ihrem anfänglichen Höhenflug in Umfragewerten und Wahlergebnissen krachend abgestürzt. Bei der Landtagswahl im Mai erzielten die Piraten landesweit ein Prozent der Stimmen. In Aachen waren es bei den Erststimmen zumindest noch 1,9 Prozent, bei den Zweitstimmen 1,38. Damit schied die Partei aus dem letzten Landtag aus, in dem sie noch vertreten war. Und das, nachdem sie fünf Jahre zuvor noch mit beachtlichen 7,8 Prozent in den Düsseldorfer Landtag eingezogen war. Auf der großen politischen Bühne ist sie nur noch im europäischen Parlament vertreten.

Achilles hofft dennoch, dass die Piraten am 24. September ein „signifikantes Ergebnis“ erzielen, und nennt als Ziel 2,5 Prozent. Denn: „Das zeigt, dass unsere Themen wichtig für die Gesellschaft sind.“ Zum Beispiel der Datenschutz. Ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das Recht der Bürger auf Privatsphäre, auch und vor allem im Netz.

Als Verkehrspolitiker legt Achilles seinen Schwerpunkt zudem aufs autonome Fahren. „Wir brauchen ein Gesetz, das es ermöglicht, ein Auto ohne Fahrer zu entwickeln.“ Ein Thema, das insbesondere in Aachen aktuell ist. Und das zunehmend auch andere Parteien für sich entdecken.

Was also können die Piraten, was die anderen nicht können – und Matthias Achilles ganz persönlich? Die Antwort des Studenten: Ehrlichkeit. „Ich bin im Zweifel lieber ehrlich als nett“, sagt er. Und betont, dass insbesondere Politiker auch mal unangenehme Dinge ansprechen müssten. Seiner Meinung nach gehen die Piraten damit in Aachen mit gutem Beispiel voran. In einem Ratsantrag plädierten sie jüngst dafür, ab 2025 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nur noch in Ausnahmefällen in der Innenstadt zu dulden. „Keine andere Partei im Stadtrat kann sich unserem Ratsantrag anschließen – weil es unangenehm ist.“ Für Achilles stehe jedoch fest: „Wir müssen als Politiker zu dem stehen, was wir wollen.“ Und zwar unabhängig von Umfragewerten und Wahlprognosen.

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