Im Zeitcafé steht die Zeit still

Von: Nadine Preller
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Bald wieder bewohnt: Über Mon
Bald wieder bewohnt: Über Monate standen das Zeitcafé und das benachbarte Ladenlokal in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs leer. Ende Oktober sollen sich die Türen wieder öffnen - für einen Snackshop mit angeschlossenem Supermarkt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der rote Sekundenzeiger der Bahnhofsuhr, die hoch über der Eingangshalle am Hauptbahnhof thront, rast unermüdlich im Kreis. Regelmäßig unterbrochen von einem leisen „Klick” des Minutenzeigers. „Klick”. Stillstand ist etwas anderes. Die Zeit scheint davon zu eilen. Im Zeitcafé hingegen steht sie still.

Seit 2006 bot das kleine Kaffeehaus im Hauptbahnhof dem geschäftigen, hektischen Gewusel der Bahnreisenden Paroli. Was die große Bahnhofsuhr so rasend zu stehlen versuchte, wurde dort mit einer Tasse Kaffee angeboten: kleine Momente der Ruhe.

Die Ruhe ist nun vollends eingekehrt in das Zeitcafé. Seit Monaten rührt sich nichts mehr. Die Glastüren sind großflächig abgeklebt mit braunem Packpapier. Einzig die Staubschicht dahinter scheint stetig zu wachsen. Der benachbarte ehemalige Obstladen Fruitopia zeigt ein ähnliches Bild.

„In beiderseitigem Einvernehmen haben wir die Verträge nicht verlängert”, bestätigt Udo Kampschulte, Sprecher der Deutschen Bahn Nordrhein-Westfalen. Ergo bietet sich dem Bahnreisenden seit langer Zeit der Anblick der zwei leerstehenden Ladenlokale. Nicht nur vielen Pendlern ist dies ein Dorn im Auge, die seit Dezember 2005 in den Genuss der frisch sanierten Bahnhofsvorhalle kamen, die mehr denn zuvor mit architektonischen Details des frühen Jugendstilbaus in neuem Glanz erstrahlte. Doch in der Halle fehlt jetzt etwas.

Michael Falter, Geschäftsführer vom Falter Bücher und Presse Vertrieb, dem auch die Bahnhofsbuchhandlung angehört: „Dass nun schon seit längerer Zeit ein ?dunkles Loch den Besucher in der Bahnhofshalle erwartet, ist natürlich auch für uns nicht schön. Dennoch gehen wir davon aus dass die Deutsche Bahn kurzfristig einen entsprechenden Mieter findet, der für das gewohnte Flair sorgen wird.”

Falter wird sich freuen, denn gefunden ist dieser schon: ein Unternehmen, spezialisiert auf Verkehrsgastronomie. Nach Aussage von Kampschulte soll der neue Laden voraussichtlich Ende Oktober eröffnen. „Mit dem neuen Gastronomiebetrieb fassen wir die beiden vorigen Räumlichkeiten zu einem großen Lokal zusammen”, sagt er.

Neben einem Supermarkt sollen dort Snacks wie Salate, belegte Baguettes oder Brezeln angeboten werden. Teile dieser Produktpalette erscheinen allerdings bekannt - direkt gegenüber in der Eingangshalle besteht seit langem eine Bäckerei.

Die Deutsche Bahn, die Vermieterin aller Räumlichkeiten im Gebäude ist, sehe darin jedoch kein Problem, wie Kampschulte erklärt: „Klassische Backwaren wie Brot sollte der Kunde nach wie vor nur in der Bäckerei finden.”

Ähnlich sieht das auch ein Mitarbeiter der besagten Backstube. „Ich sehe in dem neuen Laden keine Konkurrenz für uns. Die Produkte sind im Großen und Ganzen dann doch recht unterschiedlich”, sagt er, und fügt lachend hinzu: „Angst um meinen Arbeitsplatz habe ich auf jeden Fall nicht.”

Vielmehr freue er sich, dass in rund einem Monat wieder Leben in die Eingangshalle kommen soll. Und dann dürften auch die Zeiger der Bahnhofsuhr nicht mehr im konträren, sondern wieder im gleichen Takt schlagen wie das geschäftige Treiben unter ihnen.
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