Aachen - Im Wutanfall Mitbewohner erstochen: Sechs Jahre Haft

Im Wutanfall Mitbewohner erstochen: Sechs Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wegen Totschlags an seinem 22-jährigen Wohngenossen muss ein 25-jähriger Mann für sechs Jahre ins Gefängnis. Die auf den ersten Blick eher milde Strafe verhängte am Montagmorgen das Aachener Schwurgericht unter Vorsitz von Richterin Hildegard Tag.

Der seit Jahren psychisch beeinträchtigte, aber nicht im klassischen Sinne kranke Marc P. lebte im betreuten Wohnen in der Aachener Elisabethstraße. Dort stach er in den Abendstunden des 13. Dezember 2012 nach heftigen verbalen Auseinandersetzungen seinen Wohngenossen nieder. Er verletzte ihn mit vier Messerstichen, von denen einer durch zwei Herzkammern und die Aorta drang - die Hauptschlagader. Der junge Mann starb nach wenigen Minuten am Tatort.

„Er nahm das Messer mit einer Klinge von 20 Zentimetern Länge vom Schreibtisch und stach viermal spontan und in Wut zu“, beschrieb die Richterin den Tatablauf. Die Vorsitzende hob in ihrer Urteilsbegründung hervor, dass P. „eine schizoide Persönlichkeitsstruktur“ besitze, die bei ihm zu persönlicher Verwahrlosung und zu allgemeiner Antriebslosigkeit geführt habe. Insgesamt sei er aber nicht aggressiv gewesen und habe Probleme zumeist mit Vermeidungsstrategien lösen wollen.

Der getötete Mitbewohner, der ebenfalls beeinträchtigt war und unter dem ADHS-Syndrom litt, sei das genaue Gegenteil gewesen. Ein dritter Freund, der sich ebenfalls regelmäßig zu den gemeinsamen Computerspielereien in der Wohnung einfand, war körperlich behindert. Er hatte sogar noch versucht, den Kampf der beiden zu stoppen. Alle drei standen unter gesetzlicher Betreuung.

Zu der Tat sei es gekommen, weil sich der Jüngere mit Schmähungen und verbalen Attacken über eine längere Zeit der Forderung des Älteren widersetzt hatte, doch endlich aus der dem 25-Jährigen gehörenden Wohnung auszuziehen. Marc P. hatte an diesem Tag seit Stunden versucht, den 22-Jährigen aus der Wohnung zu verweisen, weil er mit ihm nicht zurecht kam.

Nur auf Bitten der Mutter habe er den Obdachlosen im Dezember wieder bei sich aufgenommen, sagte er vor Gericht. Doch der habe den Angeklagten mit Schmähungen und Beschimpfungen „herunter gemacht“, bestätigte auch die Richterin. Er habe ihn als „Hurensohn und Lusche“ tituliert, als einen, der auf der Straße nie überleben würde - so wurden im Urteil die Verbalattacken auf den Angeklagten zitiert.

Da dieser an „Gefühlsblindheit“ leide, dem Unvermögen, die eigene Seelenlage zu erkennen, habe er den aufkommenden Affektstau nicht bemerkt und sei schließlich ausgerastet. „Der Angeklagte hat mehrmals versucht, die Probleme auf eine andere Art zu lösen“, sagte die Richterin.

Er sei nach am Abend zur Wohnung der Mutter des später Getöteten gegangen, um sich bei ihr Hilfe zu holen. Doch das klappte nicht. So kam es dann abends gegen 21.30 Uhr zu der tragischen Tat. Als er die wütenden Stiche gesetzt hatte, rief er sofort den Notarzt - doch jede Hilfe kam zu spät.

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