Im Vollsprint hinein ins Shoppingparadies

Von: Stefan Herrmann und Robert Esser
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Auf die Plätze, fertig, los: Kaum hatten OB Marcel Philipp und die ECE-Verantwortlichen das Band vor dem Hauptportal durchschnitten, strömten am Mittwochmorgen tausende Menschen ins Aquis Plaza. Foto: Michael Jaspers
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Schlange stehen am frühen Morgen: Bis weit in die Adalbertstraße hinein warteten Hunderte schon vor 6 Uhr darauf, dass der Technikriese Saturn als erster Shop seine Tore öffnete. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. Der Stundenplan hatte sich am Mittwoch für Hunderte Aachener Jugendliche anscheinend kurzfristig geändert: Schuhladenstürmen in der ersten, Klamotten kaufen in der zweiten, Döner essen in der dritten Stunde.

Und vorneweg: Leichtathletiktraining in Form von Sprintübungen, um ja als erster ins Aquis Plaza zu gelangen. Beobachter, die am Mittwochmorgen um Punkt 8 Uhr den Ansturm auf die erst seit wenigen Sekunden geöffnete Einkaufsgalerie aus nächster Nähe verfolgten, kamen schnell zu der Vermutung, dass es an diesem Tag in einigen städtischen Schulen deutlich ruhiger zugehen musste als sonst. Denn zu einer Zeit, wo der Normal-Jugendliche eigentlich Mathe, Deutsch und Englisch büffeln sollte, stürzten sich hunderte offensichtlich schulpflichtige Jugendliche lieber ins Einkaufsparadies.

Nach erwachsenen Vorbildern musste man nicht lange suchen: Zu Tausenden kaperten die Kunden „ihre“ neue Mall mitten in der City. Laut Betreiber sollen bis 17.30 Uhr bereits 68.000 Besucher in der Mall gewesen sein. „Wir wurden regelrecht überrannt“, sagte Center-Managerin Kathrin Landsmann.

Eine von ihnen war Andrea Schmitz. Die Herzogenratherin hatte sich bereits um 7 Uhr ans Gitter vor dem Eingangsportal gestellt, um ja zu den ersten zu gehören, die Aquis-Plaza-Luft schnuppern konnten. „Zum Glück kann ich heute etwas später mit der Arbeit anfangen“, sagte sie voller Vorfreude. Da hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp seine Arbeit bereits getan. Auf einem blauen Kissen wurden ihm und den ECE-Verantwortlichen zuvor fünf goldene Scheren gereicht. Ein Schnipp und das Band war durchgeschnitten.

„Ich habe noch nie um 8 Uhr morgens in der Einkaufsstraße gestanden und eine Schere in der Hand gehalten“, merkte der OB mit einem Schmunzeln an, bevor er mit den anderen Akteuren den Weg frei machte. Den Blick für das Jazztrio, das dem Ganzen einen Hauch von feierlichem Ambiente geben sollte, hatte ab diesem Moment jedoch kaum einer der unzähligen Besucher.

Der Andrang war groß, führte aber bis zum Abend nicht zu den zuvor befürchteten chaotischen (Verkehrs-)Verhältnissen – vor allem weil deutlich weniger Kunden in Autos anreisten, als ECE und Stadt im Vorfeld befürchtet hatten. Rund um den Kaiserplatz rollten Pkw mehr oder weniger ohne große Störungen über den Asphalt, die Busse steuerten ungehindert die Haltestellen der neuen Stiftsumfahrt an, und das neue 600-Stellplätze-Parkhaus des Aquis Plaza schluckte auch tagsüber noch einen Wagen nach dem anderen. Übrigens genauso wie die ebenso wenig ausgebuchten Apag-Parkhäuser in der Nachbarschaft.

Hartgesottene Fußgänger harrten bereits um 5 Uhr morgens vor dem Elektronikriesen Saturn aus, der sogar zwei Stunden früher öffnete als die restlichen gut 100 Shops, die zum Premierentag des Aquis Plaza fertig geworden waren. Die Frühaufsteher standen alleine und in kleinen Gruppen im Eingangsbereich, viele mit Rucksäcken, einige sogar mit Sackkarren ausgestattet. „Ich bin wegen der Waschmaschine gekommen“, erklärte ein Wartender. Ein besonderer Renner war die Playstation, die schon nach kurzer Zeit vergriffen war. Andere Käufer mühten sich mit übergroßen Flachbildfernsehern ab, einige trugen gar zwei der sperrigen Gerätekartons aus dem Markt.

Ein großes Aufgebot an Sicherheitsmitarbeitern sorgte den ganzen Tag über für einen geregelten Ablauf. Zehn Verkehrskadetten und ihr Chef Michael Günter verbrachten einen eher ruhigen Tag. „Man muss ECE wirklich ein Kompliment machen. Die haben Geld in die Hand genommen, um ein Verkehrskonzept zu fahren, das offensichtlich funktioniert. Es gibt keinerlei Schwierigkeiten“, resümierte Günter nach dem ersten von vier Einsatztagen. Natürlich kann niemand ausschließen, dass es sich in der Eröffnungswoche – vor allem am Samstag – noch einmal so richtig „knubbelt“ rund um den Kaiserplatz.

Wer die Straßen neben dem futuristischen Konsumtempel in Augenschein nimmt, stellt fest, dass sich auch dort bereits Beachtliches tut. Gegenüber von St. Adalbert entsteht eine neue Filiale der Traditionsbäckerei Moss. Die Stahl-Glas-Fassade wurde bereits in das Haus zwischen unterer Adalbert-straße und Stiftstraße implantiert. Da an den vergangenen Tagen aber zu viel Handwerker-Gedränge im Umfeld herrschte, verzögert sich die Eröffnung des frischen Moss-Standorts neben der Mall dem Vernehmen nach bis Mitte November.

Weitere Investitionen – übrigens wie von OB Philipp prognostiziert – stehen im direkten Umfeld an. Der Geschäftsführer der Mayerschen Buchhandlung, Dr. Hartmut Falter, plant indes modernen Einzelhandel in einer gerade erworbenen Immobilie an der Ecke Kaiserplatz/Martin-Luther-Straße. 250 bis 450 Quadratmeter stehen dort in unmittelbarer Plaza-Nähe auf zwei Etagen zur Verfügung.

„Wir wollen die Kundenentwicklung des neuen Aquis Plaza bis Weihnachten beobachten und dann entscheiden, welche Branche an dieser Stelle am besten passt“, erklärte Falter. Möglicherweise komme in dieser Lage auch eine Filiale der Mayerschen Buchhandlung in Betracht – dies sei aber noch offen, sagte er. Tatsache sei aber, dass Aquis Plaza das ganze Viertel aufwerte. Umso wichtiger sei darum, dass die Überplanung des Büchel-Quartiers im Herzen der historischen Altstadt nun schnell vorangetrieben wird, um dort Einzelhandelslagen zu stärken.

Schließlich ganz unabhängig von den Schülermassen am Kaiserplatz: Am Büchel müsse die Stadt jetzt dringend ihre Hausaufgaben machen, hieß es.

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