Im Rockerprozess legt Angeklagter ein Teilgeständnis ab

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Mit einer dicken Überraschung wartete Anwalt Peter Schäfer vor der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht auf.

In dem Prozess um den Rocker-Aufmarsch an einer Tankstelle an der Ecke Trierer Straße und Eisenbahnweg machte der Hauptangeklagte Engin K. (33) am Montag nach bereits sieben Verhandlungstagen aus dem Nichts heraus Angaben. Es waren, um es vorweg zu nehmen, Angaben, die Staatsanwalt Michael Jung sichtlich unruhig werden ließen, unruhig deswegen, weil er völlig empört nur noch ausstieß „das ist eine Frechheit, Sie beleidigen unsere Intelligenz“.

Erregt schleuderte er dem Angeklagten und seinem Anwalt seinen Unwillen, das Gesagte zu glauben, entgegen. Was den Staatsanwalt dermaßen erzürnte, hat andererseits sicherlich die Qualität eines Geständnisses, wenn auch nicht „ein vollumfängliches und von Reue geprägtes“, wie es die Strafprozessordnung fordert und wie es für eine erhebliche Strafmilderung notwendig wäre.

Aber immerhin. K. gab an, an diesem Nachmittag des 6. September 2015 zu einem Kiosk in der Nähe der Zeppelinstraße gegangen zu sein. Dort wohne er, er haben sich etwas kaufen wollen. In dem Kiosk hätten ihm Jugendliche berichtet, dass ein schwarzer oder dunkler Mercedes mit einer Aachener Nummer vor dem Haus gestanden habe, wo er wohne. Zwei Männer hätten seine Frau massiv eingeschüchtert.

Bereits länger habe er den schwarzen Mercedes – es handelte sich um mutmaßliche Bandidos-Mitglieder im Wagen – in der Zeppelinstraße beobachtet, die Nummer habe er sich gemerkt. Außer sich vor Ärger und Sorge habe er mit seinem Auto über den Eisenbahnweg von hinten an die Zeppelinstraße heranfahren wollen. Da aber stand der Mercedes SLK bereits an der Zapfsäule der Tankstelle, er habe sofort die Nummer erkannt und habe im Eisenbahnweg angehalten. Dann sei er „mit einem Knüppel“ in die Tanke gegangen und habe damit gedroht.

Schnell entwickelte sich ein Handgemenge. Sein Widersacher zog plötzlich ein Messer, so der Angeklagte, rammte es ihm durch die Achsel in die Brust, ein Stich sei in den Rücken gegangen. Dann habe er dieses Messer ergriffen und im Gerangel seinen Gegner angestochen – wohin, das wisse er nicht.

Auch seine Verletzungen, das bestätigte der Rechtsmediziner, hätten bei Nichtbehandlung zum Tode führen können. Woher all die anderen gekommen seien, entziehe sich seiner Kenntnis. Auch sei er kein Hells Angel, sondern ein „Prospect“, also „nur“ ein Anwärter auf die Rocker-Mitgliedschaft. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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