Im Kaufhof geht‘s nie mehr um die Wurst

Von: Robert Esser
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Magnet: Der Kaufhof mit Direktor Günther Knie baut auf allen Etagen bis zum 26. Oktober um. Der Verkauf läuft für 15.000 bis 45.000 Kunden täglich weiter. Foto: Andreas Steindl
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Magnet: Der Kaufhof mit Direktor Günther Knie baut auf allen Etagen bis zum 26. Oktober um. Der Verkauf läuft für 15.000 bis 45.000 Kunden täglich weiter. Foto: Andreas Steindl
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Rechts hui, links pfui: Entlang der kleinen Adalbertstraße glänzt die Einkaufsmall Aquis Plaza, während daneben abrissreife Häuser leerstehen. Foto: Andreas Steindl
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Warteschleife: P&C hat zugesagt, bald mit dem 10.000 Quadratmeter großen Neubau zu starten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das unscheinbare Schildchen klebt neben der Tür zur Personalverwaltung, einige Schritte nur vom Publikumsverkehr des Kaufhauses entfernt. Es ist handbeschrieben, mit fettem Filzstift, soll aber automatisch motivieren. „0,1 Prozent mehr Kunden bedeutet 150.000 Euro mehr Umsatz!“, steht darauf.

Das sind Dimensionen. Deshalb liegt den Geschäftsleuten, Kleineren wie Großen, entlang der Aachener Adalbertstraße – mit Abstand die meist besuchte Flaniermeile in der Umgebung – die Attraktivität ihrer Shoppingzone so am Herzen. Denn das ist meist ganz nah dran am Portemonnaie.

Galeria Kaufhof rüstet deshalb auf. Direktor Günther Knie, auch stellvertretender Vorsitzender des Märkte und Aktionskreises City, erweitert die Kaufhof-Verkaufsfläche gerade von rund 15.000 auf 18.500 Quadratmeter, indem er den Ex-Saturn an der Reihstraße einverleibt. Zum Vergleich: Die Shopping Mall Aquis Plaza am Ende der Adalbertstraße vor dem Kaiserplatz zählt 130 Geschäfte auf 29.000 Quadratmetern. Über 25.000 Besucher zählt Centermanagerin Kathrin Landsmann durchschnittlich pro Tag – das ist nach einer Statistik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen (IHK) ungefähr jeder zweite Mensch, der seinen Fuß in die Adalbertstraße setzt.

Und die soll weiter aufblühen. Durchschnittlich pendeln knapp 6000 potenzielle Kunden an starken Samstagen zwischen Elisenbrunnen und Kaiserplatz; vor Jahren waren es nach einer Analyse des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle regelmäßig an die 8000 Menschen. Damit die – wieder – steigende Tendenz anhält, muss nachgesteuert werden. Hier wird jede Investition der Nachbarn goutiert. „Wir begrüßen die weitere Entwicklung im Umfeld sehr und hoffen auf baldigen Baubeginn sowohl von Peek & Cloppenburg als auch in der kleinen Adalbertstraße“, sagt Landsmann, die vor allem auf die junge Zielgruppe setzt.

Fast 65 Prozent der Plaza-Besucher sind zwischen 16 und 39 Jahre alt. Das leere Ex-Wehmeyer-Haus einen Steinwurf weiter vergammelt seit Jahren und soll spätestens 2018 für den Neubau eines 10.000 Quadratmeter großen „P&C Weltstadthauses“ Platz machen. „Wir wünschen uns, dass die Adalbertstraße durch diese Baumaßnahmen zu einem Magneten für Aachener, das Umland und Touristen wird“, betont Landsmann. Wann es indes neben dem Aquis Plaza die abrissreifen Schrottimmobilien für neue Geschäfte fallen, ist noch völlig unklar.

Knie warnt in der Galeria Kaufhof davor, zu viel zusätzliche Verkaufsfläche nach dem P&C-Neubau und der eigenen Erweiterung in Angriff zu nehmen. Der Konsumentenstrom vor Ort würde schließlich weiterhin Jahr für Jahr mit zweistelligen Zuwachsraten zum Online-Shopping abwandern. Deshalb hat der Kaufhof nicht nur sein eigenen Shopping-Portal im Internet optimiert. Auf allen Etagen des Kaufhofs, durch dessen Neubau und Sogwirkung sich die Adalbertstraße vor über 60 Jahren – nämlich ab dem 17. Oktober 1955 – überhaupt erst zur Haupteinkaufsstraße der Kaiserstadt entwickelte, wird derzeit umgebaut.

Die Abteilung mit frischen Lebensmitteln, übrigens seit 1962 eine der ersten Selbstbedienungsabteilungen überhaupt, wird weitgehend aufgelöst. Das ist das Ende einer Ära. Statt Käse und Wurst gibt‘s im Untergeschoss nur noch Süßwaren, Wein, Spirituosen, Kaffee und Tee – und daneben großflächig Schreibwaren, Bücher und Lederwaren. Auf den oberen Etagen versetzen Handwerker ebenfalls dutzende Wände. Herren- und Damenmode, Schuhe und vieles mehr erscheinen in völlig neuer Warenpräsentation – „Visual Merchandising“ nennt das der Experte. Mehr als 500 neue Schaufensterfiguren – von Gold bis Braun für Sport bis Abendgarderobe – sind dafür auf dem Weg nach Aachen.

„Ich bin sicher dass wir gemeinsam – mit der noch attraktiveren Galeria Kaufhof, aber auch mit dem baldigen Neubau von P&C – noch mehr Kunden in die vordere Adalbertstraße ziehen werden. Das ist wichtig, damit der Anschluss zur Altstadt zugkräftig bleibt“, sagt Knie. Er befürwortet „flankierende Maßnahmen“, um den Aachener Einzelhandel zu stärken. Denkbar wäre ein autonomes Transportsystem à la „eMover“ für Kunden durch Fußgängerzonen, aber auf jeden Fall eine Fortführung der Werbekampagne „Einkaufen in Aachen. Alles drin!“. MAC-Geschäftsführer Manfred Piana unterstreicht das: „Die Investitionen im Kaufhof sind jetzt so wichtig, damit vor den kommenden Neubauten kein Vakuum entsteht. Aachen ist enorm attraktiv und vielseitig – das mobilisiert neue Kundenströme“, sagt der Einzelhandelsexperte. Er kennt die Zahlen. Unterm Strich ergibt ein 0,1- Prozent-Plus zuweilen einen dreistelligen Millionenumsatz.

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