Im Jakobshof verstummen die Verstärker

Von: Stefan Herrmann
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Wohnungen statt Partys: Der „Jakobshof“ an der Stromgasse schließt im kommenden Jahr. Die Betreiber des Szeneclubs möchten an anderer Stelle weitermachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Pssst! Ruhe im Außenbereich!“, prangt auf einem großen Banner am Eingang des „Jakobshofs“. Bald wird es richtig ruhig an der Stromgasse: Die Traditionslokalität schließt voraussichtlich Mitte 2014 ihre Pforten.

Der Kultclub, seit über 30 Jahren Inbegriff für die Aachener Musik-, Kabarett- und Partyszene, ist an einen Aachener Investor verkauft worden, bei dem es sich nach Informationen unserer Zeitung um Gerd Sauren handelt. Statt Konzerte, Kleinkunst und Feiern sollen dort in Zukunft Wohnungen entstehen. Das Ende des „Jakobshofs“ soll damit aber nicht besiegelt sein. „Wir sind dabei, passende Räumlichkeiten zu finden, um die vielen Veranstaltungsformen, die wir im Jakobshof anbieten, an anderer Stelle betreiben zu können“, sagt Rick Opgenoorth, einer der beiden Betreiber.

Damit nimmt der Wandel in der Kneipen- und Clubszene weiter an Fahrt auf. In den vergangenen Monaten mussten unter anderem mit dem „Stairs“ an der Theaterstraße und der „Havanna“-Bar an der Komphausbadstraße bereits zwei große und beliebte Party- und Gastronomie-Lokalitäten in der Innenstadt schließen.

Opgenoorth hofft bei der Suche nach einer neuen Heimat für den „Jakobshof“ auch auf die Unterstützung der Stadt. „Wenn wir keine passende neue Stätte finden würden, wäre dies eine weitere große Lücke in Sachen Aachener Szene und Kultur.“ In den kommenden Monaten soll es eine große Verabschiedungsreihe geben „mit vielen Acts und Bands, die uns und den Gästen in den vergangenen Jahren besonders gut gefallen haben“, sagt Opgenoorth.

In den letzten Jahren hat sich das Veranstaltungsprofil des „Jakobshofs“ dem Geschmack der Aachener Szene weiter angepasst. Zwar finden auch weiterhin Musikkonzerte statt, doch vor allem die nahezu jedes Wochenende stattfindenden Partys haben einen ausgezeichneten Ruf beim Feiervolk. „Der Bedarf ist da“, sagt Opgenoorth und verweist vor allem auf die vielen tausend Studenten.

Und genau dort liegt ein Problem, mit dem die Betreiber in den vergangenen Monaten immer stärker zu kämpfen haben. Denn seitdem das strikte Rauchverbot in NRW greift, nimmt auch im Umfeld des „Jakobshofs“ der Unmut zu. Bis tief in die Nacht hinein stehen und quatschen rauchende und nicht rauchende Feierwütige im Außenbereich.

Das nervt viele Anwohner. Denn auch wenn die Betreiber stets versuchen, die Lärmbelästigung niedrig zu halten: So ganz funktioniert es nicht immer. Ein weiterer Grund, den traditionellen Standort aufzugeben und eine neue Bleibe zu suchen? „Das ist nicht der Hauptgrund“, sagt Opgenoorth. Man sei schon seit längerem auf der Suche nach neuen, größeren Räumen für den „Jakobshof“, um dann auch Veranstaltungen anbieten zu können, die an der Stromgasse nicht möglich sind.

Nun folgt das endgültige Aus an dem Standort, der über Jahrzehnte Aachener Kultur-, Musik- und Partyfreunde wie ein Magnet angezogen hat. Schon im Jahr 2000 musste der „Jakobshof“ unter den damaligen Betreibern Hermann Cremer und Michael Ernst für einige Monate dicht machen. Die Kult-Location war nicht mehr rentabel. Erst als Ende 2000 mit Ralf Bremen, dem Betreiber der Burtscheider Kurparkterrassen, ein erfolgreicher Gastronomie-Experte mit ins Boot geholt wurde, nahm die Wiederbelebung Gestalt an. Mit zusätzlichen städtischen Fördergeldern in Höhe von 45.000 D-Mark öffnete die Konzertstätte Anfang 2001 mit einer Bluesnacht in eine zweite Ära. Vor acht Jahren übernahmen die jetzigen Betreiber das Geschäft, 2008 wurde das Veranstaltungskonzept überarbeitet. Noch ist Opgenoorth optimistisch, dass dem „Jakobshof“ ein fließender Wechsel in die Zukunft an neuer Stelle gelingen kann.

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