Aachen - Im Fokus: Der CHIO garantiert gute Quote

Im Fokus: Der CHIO garantiert gute Quote

Von: Laura Beemelmanns und Stefan Herrmann
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Mit Ruhe und Übersicht regelt Fotografen-Koordinator Albert Schümmer den Kampf ums beste Bild im Stadion. Foto: Thomas Rubel /Andreas Steindl/Michael von Fisenne
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Unterdessen verfolgen Journalisten auf der Pressetribüne das Geschehen. Foto: Thomas Rubel/Andreas Steindl/Michael von Fisenne

Aachen. Es geht heiß her im Springstadion: Knapp 50 Fotografen rangeln im Parcours um die besten Plätze. Wenn am Abend der Preis der Nationen ausgesprungen wird, herrscht auf dem CHIO der Ausnahmezustand. Wer das beste Bild schießen will, setzt hier im Notfall auch mal den Ellenbogen ein. Klick, klick, klick. Mittendrin steht Albert Schümmer.

Seit 15 Jahren ist er als Fotografen-Koordinator tätig. Der Aachener, der im „normalen Leben“ als Reitlehrer arbeitet, versucht, alle Wünsche zu erfüllen. „Das funktioniert natürlich nicht immer. Es ist eine Herkulesaufgabe“, gibt er zu. Die Fotografen aus aller Herren Länder schätzen Schümmers ruhige Art. Im Fokus stehen andere: Ein Raunen geht durch‘s Stadion, die Objektive richten sich auf den nächsten Reiter und sein Pferd. Der Preis der Nationen steuert dem Höhepunkt entgegen.

Das Medienaufkommen auf dem CHIO ist gigantisch: Rund 600 Journalisten aus aller Welt haben sich akkreditiert. Alles soll eingefangen werden: in Wort, Bild, Ton und inzwischen selbstverständlich auch topaktuell für die Neuen Medien. Dort geht der ALRV als Veranstalter vorneweg: In einem eigenen Online-Bereich wird den Journalisten haufenweise Material zur Verfügung gestellt. O-Töne und Videoclips von den Sportlern, aktuelle Berichte, Ergebnislisten – es gibt (fast) alles, was das Journalistenherz begehrt.

Dazu gehören kuriosere Dinge, als man wohl vermuten würde. Edith de Reys, Leiterin des Medien- und Pressezentrums, plaudert aus dem Nähkästchen. Sie gibt nicht nur Auskünfte, organisiert Pressekonferenzen, interviewt Reiter und Springer, sondern ist auch irgendwie „eine Mutter für die Journalisten“, wie sie sagt. Sie springt immer dann ein, wenn der Kopf schmerzt, die Schuhe nass sind und schnell Gummistiefel her müssen, das Auto nicht anspringt oder wenn vergessen wurde, ein Hotelzimmer zu buchen.

„Wir versuchen, den Journalisten das Leben leicht zu machen“, sagt die Belgierin. Ein „Nein“ gibt es immer nur dann als Antwort, wenn es wirklich nicht anders geht. Am häufigsten muss sie ein „Nein“ in die Runde schmettern, wenn Journalisten und Fotografen in die Stallungen wollen. „Gerade jetzt, wenn Totilas da ist, wollen alle dorthin. Aber die Reiter und Pferde brauchen Ruhe“, sagt sie.

De Reys betreut Journalisten aus Mexiko, Amerika, Kanada, China, Brasilien und ganz Europa. „Die ganze Welt ist hier“, sagt sie. An rund 200 Arbeitsplätzen stehen ihnen Strom, Tisch und Stühle sowie Kaffee und Kaltgetränke zur Verfügung. Täglich gibt es im Rider‘s Club ein Mittagsbuffet. „Das ist hier in Aachen besonders gut, denn dort können Journalisten und Reiter ins Gespräch kommen.“ Die Welt kommt also an einen Tisch. Für de Reys bedeutet das: Täglich einen sprachlichen Mix aus Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch und Italienisch zu sprechen.

Internationalität wird ohnehin groß geschrieben: TV-Stationen übertragen die Wettbewerbe in fast alle Winkel der Welt. Der Reitsport fasziniert die Menschen global. Damit die Menschen in Kanada ebenso mitbekommen, welche Sieger in der Soers gekürt werden, wie Fans in China, sind bis zu 50 TV-Kamera-Teams im Einsatz. Dieser Aufwand benötigt eine ausgeklügelte Vorbereitung: In den Tagen vor dem Turnier werden allein für die TV-Übertragung rund 40 Kilometer Kabel benötigt. Der Tross der Fernsehleute würde schon allein so manches Festzelt sprengen: Circa 250 Mitarbeiter von WDR, ZDF und weiteren Produktionsfirmen tummeln sich eine Woche lang in Aachen.

Fotografen-Koordinator Albert Schümmer rückt derweil noch einmal seine Kappe zurecht – ein Pflichtkleidungsstück bei über 30 Grad in der prallen Sonne. Getränke sind im Parcours verboten. Gemeinsam mit Koryphäen der Reitsport-Fotografie wie Jacques Toffi steht er in einem der so genannten „Pockets“ – den vorher mit dem Parcourschef abgesprochenen Bereichen für die Fotografen. „Toffi ist eine richtig tolle Persönlichkeit“, schwärmt Schümmer von dem Profi. Insgesamt kümmert sich der Aachener um rund 150 Fotografen während der CHIO-Woche.

Die meisten Diskussionen gibt es in diesem Jahr um sogenannte „Remotes“ – automatisch auslösende Kameras direkt an den Hinternissen, die spektakuläre Bilder liefern. „Die Plätze dafür sind begrenzt“, sagt Schümmer. „Das sorgt schon mal für Ärger bei den Fotografen.“ Und bei den Reitern: Denn die beschweren sich, wenn gleich mehrere dieser Remotes beim Sprung stakkatomäßig unzählige Fotos schießen. Das irritiere die Pferde, lautet der Vorwurf. Schümmer und seine Kollegen versuchen, all das zu berücksichtigen. Am Ende bekommt er es dann auch irgendwie immer hin – dieser Ruhe ausstrahlende Aachener mit der Mütze.

Das ist ohnehin der richtige Vorsatz für alle, die hinter den Kulissen arbeiten: Ruhe bewahren. Denn immer wieder gibt es stressige Phasen. Auch bei der IT. Tobias Deurer, Leiter der EDV-Abteilung, hängt grundsätzlich nur am Telefon. Dabei geht es unter anderem um die rund 150 Fernseher, die auf dem Gelände stehen, oder um die etwa 350 Funkgeräte.

Aber auch bei Problemen mit Druckern, Wlan oder PCs rücken er und seine sieben Mitarbeiter flott aus. Interessant wird es vor allem dann, wenn die PCs der Journalisten nicht deutschem Standard entsprechen. „Wenn wir einen arabischen PC vor uns haben, müssen wir uns an den Bildchen orientieren“, sagt er. Dann stellt er einen seiner PCs daneben und vergleicht – damit es mit der Anmeldung klappt und die Artikel auch gedruckt werden können. Übrigens: Während der CHIO-Tage werden mehr als 300 000 Seiten gedruckt. Seite 17

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