Im „Cafe International” sind alle Türen offen

Von: Antje Uhlenbrock
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Bereiten zahlreichen Frauen die ersten Wege in der neuen Heimat: Katharina Düpper und Marie Pashkova vom Fachdienst für Integration und Migration, Bettina Künzel, Betreuerin der „Stadtteilmütter”, und Henny Peters, ehrenamtliche Mitarbeiterin im „Cafe International” der Caritas (von links). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenige Buchstaben können Wunder bewirken. Das hat Bettina Künzel in den Caritas-Vorkursen für Migrantinnen oft erfahren. Viele der von ihr unterrichtete Frauen sind Analphabeten. Und hatten in ihrem Herkunftsland deutlich schlechtere Chancen auf Bildung als Männer.

Plötzlich den eigenen Namen schreiben zu können, hilft vielen, sich aus der Isolation zu befreien. „Die Frauen erhalten eine Identität und sind nicht mehr nur eine Nummer bei den Behörden”, sagt Künzel.

„Klassenraum” ist das Café International im Rehmviertel, in dem viele Migranten leben. 2003 wurde es gegründet. Mit vielfältigen Projekten ist das Café zum interkulturellen Treffpunkt geworden.

Die niederschwelligen Vorkurse richten sich an Frauen, denen kein Integrationskurs finanziert wird. Etwa weil sie in Deutschland bisher nur „geduldet” sind. Auch Migrantinnen, die den Integrationskurs abbrechen mussten, erhalten in Gruppen von zehn bis 15 Teilnehmerinnen Grundkenntnisse in Deutsch. Die Gründe dafür sind vielfältig: „Wir begleiten die Leute so, wie sie es schaffen. Einige haben familiäre Probleme, manche lernen nur mühsam, haben Sprachblockaden oder sind traumatisiert. Wir haben den Luxus, auf alle Leute eingehen zu können”, so Katharina Düpper vom Fachdienst für Integration und Migration der Caritas. Die Sozialarbeiterin ist hauptverantwortlich für die Vorkurse.

Ihr Ziel: die Weitervermittlung der Teilnehmerinnen in einen Integrationskurs oder ein anderes passgenaues Angebot zur sprachlichen oder beruflichen Förderung. Zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen organisieren und begleiten den Kurs fachlich. Dazu kommen zwei Honorar- und vier ehrenamtliche Kräfte. Gegenseitig motivieren sich die Migrantinnen. „Eine Teilnehmerin erfand ein Lied für den Kurs, mit dem sie sich jeden Morgen begrüßten und anspornten”, erzählt Düpper. Damit die Mütter sich auf den Lernstoff konzentrieren können, werden ihre Kids gehütet.

Doch die intensive Betreuung kann nur durch Spenden garantiert werden. Denn die verschiedenen Fördergelder decken lange nicht alle Kosten. Einer der drei Kurse muss aufgrund dessen sogar geschlossen werden. Dabei ist der Bedarf enorm groß: „Die Vorkurse haben ziemlich lange Wartelisten. Bis die Frauen an der Reihe sind, verweisen wir sie erst einmal ans Müttercafé”, erzählt Düpper.

Das Besondere daran: Sechs ehrenamtliche Stadtteilmütter, die selber einen Zuwanderungshintergrund haben, betreuen die offene Anlauf- und Infostelle für Migrantinnen mit einer Gruppenleiterin. Hier können sie Kontakte knüpfen, Deutsch üben und lernen, sich im Viertel zu orientieren. „Die Stadteilmütter haben selber ihre Baustellen, sind aber trotzdem bereit zu helfen”, lobt Marie Pashkova vom Fachdienst für Integration und Migration. Bei einem Frühstück tauschen sich die Frauen aus. „Manchmal ergeben sich die Themen spontan. Nächstes Jahr haben wir einen Schwerpunkt Erziehung geplant”, erklärt Pashkova.

Warum die Angebote sich gerade an Migrantinnnen richten? „Frauen haben eine Schlüsselfunktion für die Familie und ihre Kinder”, erklärt Düpper. Und das Café International hilft ihnen, dieser auch in schwierigen Situationen gerecht zu werden.

Das Café International in der Scheibenstraße 16 will dem Grundsatz Rechnung tragen, dass Integration und sozialer Friede stetiges Engagement erfordern. Infos über das Projekt gibt es unter 94927-220 oder unter m.pashkova@caritas-aachen.de per Mail. Um weitere Hilfe leisten zu können, ist das Projekt dringend auf Spenden angewiesen. Spenden kann man ganz einfach auch per Internet im Rahmen der Caritas-Kampagne „Tut gut und klebt nicht”, die zahlreiche Hilfsangebote vorstellt. Jeder gespendete Euro fließt zu 100 Prozent in das ausgewählte Projekt.
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