Aachen - Illegaler Handel auf Aachener Recyclinghof?

Illegaler Handel auf Aachener Recyclinghof?

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Illegaler Handel mit Wertstoffen und/oder Gebrauchtwaren? Der Stadtbetrieb geht einem Verdacht gegen Mitarbeiter des Recyclinghofs Eilendorf nach. Das bisherige Personal ist „freigestellt“. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Pressemitteilung der Stadt, die am Donnerstagmittag verschickt wurde, kommt zunächst völlig unspektakulär daher: „Auch in der kommenden und der darauf folgenden Woche wird der Recyclinghof Eilendorf in der Kellershausstraße 10 zwei Stunden früher als sonst üblich schließen.“

Eine ähnlich Mitteilung hatte es bereits am Montag in Bezug auf den Dienstag und Mittwoch dieser Woche gegeben. Als Auslöser für die verkürzten Öffnungszeiten des bestens frequentierten Recyclinghofs im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd werden „organisatorische Gründe“ angeführt.

So kann man es auch nennen. Denn das bisherige Personal des vor wenigen Jahren eröffneten Recyclinghofs ist quasi abhanden gekommen. Besser gesagt: Die Mitarbeiter – außer jenen der AWA, die auf dem Gelände die Schadstoffsammlung betreibt – sind vorläufig „vom Dienst freigestellt“.

Nach Informationen unserer Zeitung besteht der Verdacht, dass es auf dem Recyclinghof illegale Machenschaften gegeben hat. Die Stadt bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung am Donnerstag, dass genau das der Hintergrund für die Freistellungen ist. Zitat: „Der Stadtbetrieb der Stadt Aachen bestätigt, dass derzeit intern überprüft wird, ob sich einzelne Mitarbeiter des städtischen Recyclinghofs Eilendorf an der Kellershaustraße etwas haben zu Schulden kommen lassen.“

Und weiter: „Es gibt einen Anfangsverdacht, dem in einer internen Überprüfung, die gerade erst angelaufen ist, nachgegangen wird. Von daher ist es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, über etwaige Vergehen und deren mögliche juristische Folgen Auskunft zu erteilen.“ Im Rahmen dieser internen Ermittlungen wird auch geprüft, ob man die Staatsanwaltschaft einschalten will. Was allerdings nun vermutlich auch ohne städtisches Zutun geschehen wird.

Illegaler Handel mit verwertbaren Materialien

Um was es bei dem Verdacht geht, will die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Nach Informationen unserer Zeitung geht es um die Frage, ob auf dem Recyclinghof illegaler Handel mit verwertbaren Materialien getrieben worden ist. Von den Wertstoffen und Gebrauchtwaren lassen sich einige zu Geld machen, das im Normalfall in die Kassen des Stadtbetriebs fließt. Möglicherweise sind in diesem Fall jedoch solche Materialien abgezweigt worden und die Einnahmen quasi in Privathände gewandert. Zum Beispiel Elektrogeräte kommen für einen solchen illegalen Handel infrage.

Einen ähnlichen Fall gab es vor drei Jahren in München. Dort allerdings blieb es nicht beim Verdacht. Es wurde ermittelt, dass sich mehrere Mitarbeiter mit dem illegalen Verkauf von Gebrauchtwaren einiges nebenbei verdient hatten. München führte danach höhere Sicherheitsstandards wie eine Personalrotation und elektronische Schließanlagen ein.

Der Aachener Stadtbetrieb wurde ebenfalls vor Jahren von einem vermeintlichen Skandal erschüttert – der am Ende aber gar keiner war. 2013 hatten zwei Mitarbeiter mehrere Kollegen schwerer dienst- und strafrechtlicher Taten bezichtigt. Darunter Unterschlagung, „Arbeitszeitbetrug“ sowie die angebliche illegale Entsorgung von asbesthaltigen Nachtspeicheröfen in einem ehemaligen Steinbruch, der später auf Beweissuche sogar – vergeblich – ausgebaggert wurde. In umfangreichen Ermittlungen hielt das Rechnungsprüfungsamt am Ende fest, dass sich für die allermeisten Vorwürfe keine zweifelsfreien Belege fanden. Am Ende gab es nur Verbesserungsvorschläge für Arbeitsabläufe.

Der aktuelle Verdachtsfall hat zunächst die Konsequenz besagter verringerter Öffnungszeiten „aus organisatorischen Gründen“. Zunächst bis Freitag, 27. Oktober, ist der Recyclinghof an der Kellershaustraße montags bis freitags nur noch von 8.30 bis 16 Uhr geöffnet. Samstag bleibt es bei der bisherigen Öffnungszeit 8.30 bis 14 Uhr.

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