„Illegal“: Eine besonders schöne Willkommenskultur

Von: Svenja Pesch
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Ein bewegendes Stück, das etwas bewegt hat: „Illegal“ hat zu einer tollen Interaktion geführt. Foto: Wil van Irsel

Aachen. Es gibt Stücke, die begeistern durch ihren Humor, andere wiederum sind politisch geprägt und dann gibt es noch die Inszenierungen, die Spuren hinterlassen. „Illegal“ von Björn Bicker ist so eines. Was die Kammer des Theaters Aachen im April dieses Jahres auf die Bühne brachte, hat seitdem viel verändert. Denn das Stück, welches aus den Alltag illegaler Flüchtlinge spiegelt, ist mehr als „nur“ eine Erzählung.

„Nach der Vorstellung fand anschließend im zweiten Teil ein Austausch mit verschiedenen Vertretern und Institutionen aus Aachen statt, die mit der Flüchtlingsthematik vertraut sind“, erzählt Dramaturg Harald Wolff und ergänzt: „Das Stück ist relativ wenig beworben worden, wurde dann aber am meisten besucht. Dabei freute uns zu sehen, wie sich die Gesprächsrunden entwickelt haben.“

Vertreter aus Institutionen wie etwa Maria im Tann, dem Café Zuflucht oder aus dem Projekt Aachener Hände, redeten mit den Theaterbesuchern über das aktuelle Flüchtlingsthema. Schnell stellte sich heraus, dass die Aachener dem gegenüber nicht nur aufgeschlossen waren, es entstand sogar eine richtige Hilfewelle. „Nach dem Gesprächskreis kamen oftmals Besucher zu uns und haben gefragt, wo und wie sie konkret helfen können. Teilweise sind vor Ort schon Sachen beschlossen worden und manch einer hat seine anfängliche Skepsis beiseitegelegt“, berichtet Dramaturgin Inge Zeppenfeld. Ursprünglich war eine völlig andere Produktion geplant, allerdings entschieden sich die Verantwortlichen angesichts der aktuellen Lage das Stück „Illegal“ in das Programm mit aufzunehmen. „Wir haben gemerkt, dass Aachen den Flüchtlingen positiv gegenüber steht, was einfach toll ist. Es hat sich durch das Stück nicht nur viel bewegt, es bewegt sich hier in der Region immer noch sehr viel. Die Willkommenskultur hat uns alle begeistert und berührt“, ergänzt Wolff. Dass der Flüchtlingsstrom allgegenwärtig ist, sieht man nicht nur in den Nachrichten, sondern auch in der eigenen, direkten Umgebung. Doch während vor einigen Jahren die Gastarbeiter oftmals kritisch betrachtet wurden, so merke man heute, dass die Menschen der Thematik offen gegenüberstehen und aktiv helfen wollen, betonen Zeppenfeld und Wolff.

Berichte derer, die tagtäglich mit den Schicksalen der Menschen konfrontiert werden, haben die Theaterbesucher so berührt, dass die Hilfsangebote unmittelbar nach dem Gesprächskreis kamen. Insgesamt elf Mal wurde „Illegal“ in der Kammer aufgeführt und selbst wenn nun die letzte Vorstellung naht, so sind sich die Beteiligten einig, dass das Engagement und der Wille zu helfen, auch weiterhin bestehen bleiben. Und das sagen sie zurecht mit Stolz.

Am heutigen Freitag findet um 20 Uhr in der Kammer die letzte Aufführung von „Illegal“ statt. An der Abendkasse sind noch wenige Restkarten zu kaufen.

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