Aachen - Idee für den Templergraben: Teilen statt sperren

Idee für den Templergraben: Teilen statt sperren

Von: Oliver Schmetz
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Heute noch ein schnödes Stück Straße, schon bald ein schmucker Innenstadt-Campus: Für den Templergraben zwischen Kàrmàn-Auditorium, TH-Hauptgebäude und Super C reifen die konkreten Umbaupläne - inklusive innovativer Verkehrskonzepte. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Modell klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Es gibt keinen Schilderwald an dieser Straße, keine abgegrenzten Fahrspuren für Busse, Fahrräder, Autos, keine deutlichen Bürgersteige.

Im Gegenteil: Das Ganze ist gestaltet wie ein Platz, über den lediglich ein 7 Meter breiter und durch nur 3 Zentimeter hohe Bordsteine betonter „Fahrbereich” führt.

Tausende Fußgänger, Radfahrer und Autos passieren und queren diesen Platz Tag für Tag - und obwohl es keine weiteren verkehrslenkenden Maßnahmen gibt, verläuft alles ganz harmonisch.

Geteilter Raum

Bei der Umgestaltung des Templergrabens wird ein solches System, in dem alle Verkehrsteilnehmer Freunde werden sollen, ernsthaft erwogen. „Shared Space”, zu Deutsch: geteilter oder gemeinsam genutzter Raum, heißt die Verkehrsidee, die diese Vision Wirklichkeit werden lassen soll.

Dahinter steht der Gedanke, dass an die Stelle von „Überregulierung” der Verkehrsteilnehmer die erhöhte Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme des Einzelnen treten.

Wenn denn durch bauliche Maßnahmen „selbsterklärende Räume” entstehen, die das unterstützen - zum Beispiel, indem sie Autofahrer automatisch zum Langsamfahren veranlassen.

In einigen deutschen Kommunen werden solche „Shared Space”-Modelle seit kurzem erprobt. Möglicherweise gehört nun bald auch Aachen dazu.

Das Stück Straße, um das es am Templergraben geht, ist zwar gerade einmal 180 Meter lang, aber die haben es in und auch auf sich. Zum einen soll der Templergraben zwischen Wüllnerstraße und Schinkelstraße zu einem zentralen RWTH-Campus und damit zu der repräsentativen „Adresse” der Exzellenz-Hochschule in der Stadt umgebaut werden.

Dazu berät die Politik in dieser Woche in Bezirksvertretung, Verkehrs- und Planungsausschuss die Pläne. Noch diesen Monat sollen Städtebaufördermittel beantragt werden.

Zum anderen aber soll das, was sich heute täglich dort auf dem Asphalt bewegt, nicht vertrieben werden: mehr als 11.000 Fußgänger, von denen 9000 die Straße queren wollen, über 1700 Fahrräder und nicht zuletzt rund 7000 Autos, die - so der politische Wille - nicht vom Templergraben verbannt werden sollen.

Über eine Komplettsperrung des Grabenrings an dieser Stelle war teils heftig diskutiert worden. Für die Berliner Planer - die Büros „Machleidt+Partner” und „sinai.”, die im September den Wettbewerb zum Innenstadt-Campus gewonnen hatten - war schnell klar, dass klassische Instrumente der Verkehrsberuhigung dort an Grenzen stoßen würden. Sie suchten innovative Ansätze und fanden sie bei den Ideen des „Shared Space”.

Damit die „gemeinsame Bewegungsfläche” aber auch funktioniert, muss sie frei von parkenden Pkw und abgestellten Rädern sein. Am Templergraben sollen deshalb 51 Parkplätze wegfallen, im Gegenzug sehen die Pläne für den Innenstadt-Campus neue Parkhäuser und Tiefgaragen vor.

Die Fahrrad-Stellplätze sollen dagegen von 320 auf 450 zunehmen, aber in die Seitenbereiche des Campus integriert werden, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Dort steht auch, dass die Zustimmung zu „Shared Space”-Projekten hoch sei. Allerdings weniger bei „Altersgebrechlichen und Kindern (bzw. den Eltern)”. Neu sei es für die Planer, dass es notwendig ist, „mit einzelnen empfindlichen Bevölkerungsgruppen die Nutzung der neuartigen Straße zu trainieren”.

Noch ist aber nicht abgemacht, dass Alt und Jung ins Verkehrs-Trainingslager müssen. Denn über „Shared Space” ist zwar im Mai auf einem Workshop in Aachen von Planern, Polizei, Politik und Verkehrsexperten ausgiebig diskutiert worden, doch lässt der Gestaltungsplan auch Raum für andere Verkehrskonzepte.

Die Entscheidung fällt erst mit dem Baubeschluss, und bis dahin vergeht noch einige Zeit. Die Fördermittel werden wohl nicht vor Mitte 2010 bewilligt.

Damit könnte der Verkehrsraum Templergraben, egal ob geteilt oder nicht, frühestens ab Oktober nächsten Jahres umgebaut werden.
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