Aachen - IBK-Pleite: Sitzt der falsche Mann auf der Anklagebank?

IBK-Pleite: Sitzt der falsche Mann auf der Anklagebank?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Angeklagte schwieg, während der Kölner Starverteidiger Professor Norbert Gatzweiler begann, die Kammer unter Vorsitz von Richter Hans Laufenberg mit einem Einstellungsantrag zu bombardieren.

Das auf 15 Tage angesetzte Wirtschaftsstrafverfahren gegen den Aachener Bauunternehmer Heinz K. vor dem Aachener Landgericht müsse wegen überlanger Verfahrensdauer eingestellt werden, argumentierte Gatzweiler. Gleichzeitig widerspreche es dem rechtsstaatlichen Grundsatz eines „fairen Verfahrens”.

Anklage „betrügerischer Konkurs”

Sein Mandant, der 62-jährige Aachener Bauunternehmer und Geschäftsführer der ehemaligen Aachener IBK-Baugesellschaft mbH, soll laut Anklage in einem betrügerischen Konkurs Gläubiger, Fiskus und Sozialkassen zwischen 1998 und 2002 um mehr als 2,5 Millionen Euro geprellt haben. Anklage wurde erst 2004 erhoben und bis Dienstag gab es noch kein Verfahren in der Hauptsache.

Alles nicht Schuld seines Mandanten, stellte der Anwalt fest. Als geschäftsführender Gesellschafter der IBK soll der Diplomingenieur laut Staatsanwaltschaft den fälligen Konkurs seiner Gesellschaft verschleppt und trotz der Schieflage seiner Unternehmung Gelder von Banken aufgenommen haben, um neue Bauvorhaben zu beginnen.

Mit dem frischen Geld und einem beachtlichen Vorschuss soll er aufgerissene Löcher aus der Vergangenheit gestopft haben.

Zusätzlich bekamen am Ende diverse Handwerker unter fadenscheinigen Begründungen - etwa wegen angeblicher Mängel in der Bauausführung - ihre Leistungen nicht bezahlt.

Die Summen reichten von knapp 700.000 DM (350.000 Euro), die einer Aachener Lüftungs- und Klimatechnikfirma zustand, über 50.000 Euro für einen Steinmetzbetrieb bis zu kleiner Summen für diverse Dienstleister.

Steuerhinterziehung und ebenso zu spät wie unvollständig eingereichte Jahresabschlüsse stehen auf der Anklageliste. So soll er völlig überhöhte Umsatzsteuerbeträge von seinen Steuerschulden abgezogen haben, der Fiskus macht einen Fehlbetrag von rund 140.000 Euro geltend.

Für den bekannten Anwalt, der bereits diverse Firmenvorstände wie auch den Kölner OB Fritz Schramma (Korruptionsvorwurf) verteidigte, sitzt mit Heinz K. der falsche Angeklagte auf der Bank.

Seine ehemaliger Mitgesellschafter, so der Anwalt, habe das alles zu verantworten. Stattdessen sei er jetzt nur als Zeuge geladen.

Der Prozess geht Dienstag, 13. Januar, weiter.
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