Hunderte Betrachter vergreifen sich an Kunstwerken

Von: Mischa Wyboris
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Kunstroute
Hunderte Betrachter vergreifen sich an den Kunstwerken: Werke von mehr als 200 Schöpfern sind an 34 Stationen der 12. Aachener Kunstroute zu bewundern. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die 12. kaiserstädtische Kunstroute ist kaum ein paar Stunden alt, da kommt es in einer der 34 Kulturstätten tatsächlich zu Handgreiflichkeiten: kaum ein Besucher der Galerie Perplies am Hubertusplatz, der sich nicht an den Werken von Franz Buchholz vergreift.

„Das ist völlig in Ordnung so”, beschwichtigt der Künstler, während es um ihn herum klingelt und blinkt, klappert und plappert, fast ein wenig wie bei Franz Gsellmanns großer „Weltmaschine”. Seine akustischen, optischen und kinetischen (Reiz-) Objekte sind auf die Interaktion mit dem Betrachter angewiesen - Knopfdruck jederzeit erwünscht, Berührungsängste fehl am Platz.

„Klang - Licht - Bewegung” heißt die im Rahmen der Kunstroute eröffnete Ausstellung des Aachener Künstlers, die noch bis zum 25. Oktober in der Galerie Perplies zu sehen ist. „Es ist schon spannend, wenn man aktiv eingreifen kann”, findet Vernissage-Gängerin Ille Emundts, umringt von Politprominenz. Die kommt in Gestalt der neuen alten Bundeskanzlerin Angela Merkel nebst einigen Kollegen daher und stammt aus der Installation „Demagogen”: eine Säule ständig schwätzender Grau-Gebisse - nur das unterste, goldene Gebiss hüllt sich in regungsloses Schweigen

Mit euphorischer Stimmgewalt pilgert indes eine Gruppe von Studenten vom Fachbereich Gestaltung der benachbarten Fachhochschule zum Hauptbahnhof, bepackt mit überdimensionalen Lettern, Zahlen und Symbolen. „Egal”, bildet eine Vierergruppe in der Bahnhofshalle eine gleichgültige Buchstabenwand, während am Bahnsteig eine Etage über ihnen das Wetter entgleist: Dicke Regentropfen aus Pappe prasseln plötzlich lautstark auf einen artverwandten Regenschirm. „Wir haben hierfür hardcoremäßig Typographien gebastelt”, erklärt Professorin Ilka Helmig. Manch ein Reisender mag da gleich mehrfach nur noch Bahnhof verstanden haben.

Auch in der Galerie „Artikel 5” mag sich der Kulturpilger gefragt haben, in welchem Film er eigentlich ist: Genau zwei Sekunden dauert der knappe „Streifen” unter der Regie von Roman M. Havertz. Protagonist: jeder, der möchte. Endprodukt: 40 Einzelbilder, verarbeitet zum ganz persönlichen Daumenkino. Auch anderswo durfte gründlich über den Daumen gepeilt werden: „Was ist Kunst eigentlich wert?”, fragt Atelierhaus-Leiterin Nadya Bascha provokant.

Die Antwort kommt aus dem Plenum der Betrachter, die den ausstellenden Künstlern mehr als 100 Tauschangebote unterbreiten. Und die reichen von zwei Wochen Aufenthalt in Kenia über acht Stunden professionelle Hilfe als Bauhandwerker bis hin zu einer fachmännischen Zahnsanierung oder individuell angepassten Laufschuhen. Letztere sind für die Kunstroute ohnehin ganz gut geeignet.
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