Hugo-Junkers-Realschule verabschiedet Rektor Jürgen Tiedemann

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
tiedemannbild
Großer Bahnhof zum Abschied: Die Schülerinnen und Schüler der Hugo-Junkers-Realschule dankten Jürgen Tiedemann für 22 engagierte Jahre.

Aachen. Er hält nicht viel von „Kreidezeit”, er mag´s stattdessen lieber kriechend. Fast 40 Jahre ist es her, dass Jürgen Tiedemann seine Examenslehrprobe an der Hugo-Junkers-Realschule absolviert hat und dabei eine Weinbergschnecke unversehrt über eine Rasierklinge schleichen ließ.

„Solch´ mitgebrachtes Anschauungsmaterial war früher nicht normal”, erinnert sich der damalige Prüfling zurück, „aber die Kreidementalität war nie mein Ding.” Damit, dass er 1987 als Schulleiter an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren würde, hatte er nicht gerechnet. Und schon gar nicht damit, dass er in 22 Jahren als Rektor derart viel bewegen würde.

„Unter seiner Leitung ist es gelungen, die Vielfalt der Nationen als Chance zu sehen”, lobt sein Stellvertreter Herbert Strohmayer. 38 Prozent Ausländeranteil - bei 533 Schülern aus 48 Nationen habe er auch selbst sehr viel gelernt, sagt der in Münster aufgewachsene Lehrer für Biologie und Physik. „Wir kommen ja immer als die Wissenden in den Unterricht, aber ich habe verschiedene Sichtweisen und unterschiedliche Probleme von Jugendlichen kennengelernt. Ich wollte ihnen eine kleine Insel, eine Heimat geben.”

Nicht nur für die Schüler, auch für das Gebäude hat er sich eingesetzt. „Es gab viele marode Stellen im Stahlbeton”, weiß Tiedemann, der an der Planung zur Sanierung und Umgestaltung der seit 2000 vierzügigen Schule beteiligt war. Als „sehr weitsichtig” bezeichnet Schuldezernent Wolfgang Rombey auch Tiedemanns Engagement für den ersten Informatikraum in einer Aachener Schule.

„Man kann als Rektor vieles kaputtmachen, wenn man die falschen Ziele verfolgt”, habe Tiedemann aber auch den Einfluss seines Postens erfahren. So etwa, als die neue Leitung der Reimser Partnerschule mit einer Tradition brach „und der Schüleraustausch seitdem gestorben” sei. Jetzt geht der 65-Jährige, ein „warmherziger Mensch”, wie Schülerin Santana Reichhold ihn nennt, in Pension. „Ich kann gut loslassen”, sagt Tiedemann und freut sich darüber, dass „der tägliche Druck weg” sei. „Ich werde mich jetzt ganz auf meine Familie besinnen.”

Übrigens: Wäre der Naturwissenschaftler seinem Berufswunsch aus Jugendtagen nachgegangen, müsste seine Familie auf waghalsige Kunststückchen von Weinbergschnecken wohl verzichten. Früher wollte er nur eines werden: „Staubsaugervertreter.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert