Hüte gehören bei der EM zum guten Stil

Von: Jessica Küppers
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Gut „behütet“: Während der Prüfungen im Reining und in der Vielseitigkeit sind Hüte für viele Besucher anscheinend immer noch ein Muss. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Behütet zur EM? Na klar. Was beim CHIO und bei der Weltmeisterschaft dazugehört, darf auch bei der EM nicht fehlen. Das hat ein Blick auf das Publikum beim Reining- und Vielseitigkeitsturnier am Freitag gezeigt.

Aus der Hitze und der Sonne der vergangenen Tage haben offenbar auch die Besucher gelernt und ihre schönsten Kopfbedeckungen aus dem Schrank gekramt. Andere, die noch keinen Hut dabei haben, kaufen auf den letzten Drücker noch ein schönes Modell im Westernstyle in der Zeltstadt, um zumindest modisch für das Reining-Turnier im Deutsche-Bank-Stadion bestens gewappnet zu sein. Denn der Sonne ist man dort nicht ausgesetzt: Das Stadion ist während der EM überdacht.

Deckel hängt von der Disziplin ab

Hutmacher Peter Ulbrich verkauft schon seit vielen Jahren Hüte. Als langjähriger Händler beim CHIO kennt er sich mit den Kopfbedeckungen der Besucher aus und sieht den Kunden meist auf den ersten Blick an, welchen Hut sie haben wollen. „Ein Hut ist typabhängig, weil nicht jeder Hut auf jeden Kopf passt“, sagt er. Grundsätzlich hängen Hüte und Reitsport immer noch sehr eng zusammen. Das bemerke er auf jedem Turnier.

Welche Sorte Hut am meisten gefragt ist, hängt vor allem vom Tag und den Disziplinen ab. Schmuckvollen Damenkopfschmuck bringt er vermehrt zur Eröffnungsfeier an die Frau. Eine ähnliche Nachfrage erwarte er auch für das Springreiten in der kommenden Woche. Es gebe aber auch Träger, die sich nicht nur für das Turnier, sondern auch für die normale Stallarbeit ausstatten wollen. „Die kaufen meistens Filzhüte, die wasserabweisend sind, oder im Sommer Strohhüte, die gegen die Sonne schützen“, sagt er.

Kopfbedeckungen, die ein Lebensgefühl verkörpern, sind Westernhüte. Davon verkauft der Händler zu den Reining-Turnieren besonders viele. Das besondere an dieser Form ist die geschwungene Krempe. Farbe und Größe spielen für die Westernfans eher selten eine Rolle. „Diejenigen, die nicht nur heute, sondern auch in der Freizeit mit den Hüten rumlaufen, sind meist Linedancer oder Reiner“, erklärt er. Turnierfahrer werde man hingegen sehr selten mit einem solchen Modell sehen.

Zum Reining haben sich aber nicht nur eingefleischte Western-Fans im Stadion blicken lassen. Hans-Willi Offergeld zum Beispiel sieht sich die Prüfung aus reiner Neugier an – auch ohne Hut. „Beim normalen CHIO gibt es das nicht, deswegen schauen wir uns das heute den ganzen Tag an – es ist toll“, sagt er und klatscht begeistert in die Hände. Mit den Regeln hat sich der Reitsportbegeisterte vorher allerdings nicht auseinandergesetzt. „Wir gucken einfach, wann die anderen klatschen und klatschen dann mit.“ Dass die beiden Zirkel, die Pferd und Reiter absolvieren müssen, möglichst gleichmäßig sein sollen, hat er schon verstanden. „Die Dynamik, die Genauigkeit und der Gehorsam sind beeindruckend“, schwärmt er. Auch Hans Beckers aus Würselen ist extra für das Westernreiten gekommen. Damit er gut ausgerüstet ist, hat er sich schnell noch einen Hut geleistet. „Das ist ein echter Stetson“, sagte er nicht ohne Stolz. Mit dem Sonnenschutz will er sich alle Reining-Prüfungen anschauen.

Beim Reining absolvieren Pferd und Reiter eine Choreografie. Zu Rockmusik und in gewagten Glitzer-Westernoutfits präsentieren die Sportler ihr Können. Zu den Prüfungen gehört auch eine Vollbremsung im Sand, die vom Publikum meist mit stürmischem Applaus belohnt wird. Die Punktrichter verziehen dabei keine Miene und lassen sich nicht in die Karten schauen.

Nicht weniger unterhaltsam und ebenso spannend ist es beim Vielseitigkeitsturnier am Freitagnachmittag zugegangen, dass auf dem Gelände abseits der Stadien stattfindet. Die Geländeprüfungen sind nicht Teil der Europameisterschaften. Im Abstand von wenigen Minuten starten die Reiter und jagen durch einen Parcours an meist „behüteten“ Zuschauern vorbei. Eine von ihnen ist Marion Lawrie aus Neuseeland. Sie feuert ihr Team im Gelände an. Um die Prüfung optimal sehen zu können, hat sie ein großes und „extrem knautschbares Modell“ in ihren Koffer gepackt. Solveig Sörensen verzichtet darauf.

Die Berufsreiterin aus Berlin ist schon bei der Weltmeisterschaft 2006 in der Soers dabei gewesen und kommt jetzt wieder, um sich bei den Profis etwas abzugucken. „Natürlich schaue ich, wie die das hier machen und freue mich, wenn ich noch was lernen kann“, sagte sie. Besonders gut gefällt ihr die Atmosphäre in Aachen. „Ich würde gerne selbst einmal hier mitreiten, daran arbeite ich jeden Tag“, sagt sie. Dass der Parcours für die Reiter eine echte Herausforderung ist, zeigt sich spätestens beim Sturz der Reiterin Louise Svensson Jähde mit ihrer Stute Wieloch‘s Utah Sun. Als sie nach einem Hindernis im Rolexkomplex zu Boden geht, sind viele Besucher entsetzt.

Kappe als Sonnenschutz

Zuschauerin Eva Bönisch steht zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter von der stürzenden Reiterin entfernt. „Ich habe den Sturz nicht richtig gesehen, aber ich hoffe, dass es Reiterin und Pferd bald wieder gut geht“, sagt sie. Sie selbst reitet, „wenn auch nicht auf diesem Niveau“ und kann sich ungefähr vorstellen, wie anspruchsvoll das Gelände für die Reiter sein muss. Ihre Favoritin ist die Deutsche Ingrid Klimke mit ihrem Wallach Horseware Hale Bob.

Von dem Trubel im Gelände bekommt Thomas Annas nicht viel mit. Der Eisverkäufer hat seinen Job in der Soers schon seit fast 20 Jahren. Das Publikum sei sehr freundlich. Aber „ohne Kappe, die Gott sei Dank zur Berufskleidung gehört“, gehe es bei dem bisher traumhaften Wetter nicht.

Der Sonnenschutz ist an diesem Tag auch dringend notwendig, sei es um einem Sonnenstich zu entgehen, um den Western-Lifestyle auszuleben oder um seine Verbundenheit mit dem Reitsport zu demonstrieren. Ein Hut zählt anscheinend beim Reitsport noch zum Pflichtprogramm. Die Form ist aber dem Träger überlassen.

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