Aachen - Hubert Geulen: Von Belafonte bis zur Öcher KG

Hubert Geulen: Von Belafonte bis zur Öcher KG

Von: Manfred Kutsch
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Ein Mann und sein Lebenswerk:
Ein Mann und sein Lebenswerk: Eine Tafel erinnert an das jahrzehntelange Engagement des Konzertveranstalters Hubert Geulen. Am Montag wird er 80 Jahre alt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der? Der „Jeulen”? Fragt der Öcher im üblichen Umgang mit dem „G” baff erstaunt. Der wird 80? „Nä, wa!” „Der auch schon?” „Was die Zeit vergeht!” So oder ähnlich wird die Nachricht wie ein Lauffeuer durch Stadt und Region gehen.

Hubert Geulen, Eilendorf, von Coelstraße - die Adresse steht auch in den Terminbüchern von Harry Belafonte und Josef, Jupp und Jüppchen - vollendet sein achtes Lebensjahrzehnt. Und zwar Pfingstmontag.

Typisch, mag Ehefrau Inge denken. Pfingsten, das Fest des Ochsen. Bei all ihrem Schalk schätzt sie aber dessen herausragende Kompetenz: Der Ochse ist ein Zugtier. Der schafft, der ist unermüdlich, stur, aber geradeaus. Derart reibungsvolle Liebe trägt zum Bestand einer Beziehung bei. Seit dem 1. Dezember 1961, zur Eröffnung des Tanzcafés Geulen in der alten Schmiede, sind die beiden ein Paar. Und zwar unzertrennlich, persönlich sowieso, geschäftlich er „als unpraktischer Kopf in der Front” und sie „als Arbeiterin im Hintergrund”, wie Inge Geulen resümiert: „Wir hatten gar keine Zeit, fremd zu gehen.” Beide erhielten vergangenes Jahr den Mullefluppet-Preis.

„Mein Wohnzimmer”

Geulens Lebenswerk hat Stadtgeschichte geschrieben. Jahrzehntelang prägte sein 2007 geschlossenes Saaltheater in Eilendorf das kulturelle und gesellschaftliche Leben Aachens - und dessen Position im deutschen Showbusiness. Udo Jürgens schwärmte über „mein Wohnzimmer”, Stars von Heinz Erhardt bis Roy Black über Peter Alexander und Otto hin zu Charles Aznavour und Rudi Carell: Sie alle schnalzten die Zunge, wenn sie nach ihren Auftritten Geulens Rinderroulade mit Bratensoße bekamen - und damit das Gefühl eines Zuhauses im Tournee-Plan der Messehallen.

Ein Zuhause. Das war den Aachenern natürlich ohnehin sicher. Und sie wussten, woran sie mit ihm waren: Hubert Geulen hatte schon immer einen gesunden Geschäftssinn, auf den man sich ebenso einstellen konnte wie auf Herzlichkeit und ehrenamtliches Engagement. Der Motor der IG Eilendorf war lange Jahre unter anderem Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes und Vorstand im Aachener Verkehrsverein. Der Karneval, die Vereine und Betriebe hatten eine Heimat, zwar oft eng bestuhlt, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Halsstarre, aber atmosphärisch unverwechselbar. 60er Jahre-Bühne, Kellner, die durch schmale Tischreihen randvoll gefüllte Bier-Tabletts und Curry Wurst-Teller balancierten - und ein rauchgeschwängertes Publikum. Das Saaltheater war ein Forum für Geschichten des Lebens, in Glimmer und Kreisliga B, in Applaus und Pfiffen, tiefem Gespräch und Klatsch und Tratsch. Und mittendrin: Hubert Geulen. Der Mann müsste Höchstgagen geboten bekommen, um einen Roman zu schreiben.

Angefangen von seiner Tätigkeit in den legendären Kölner Blatzheim-Betrieben, dem mütterlichen Dunstkreis von Romy Schneider, über die Fortführung des elterlichen Betriebes in Eilendorf, zusätzlich mit den Diskotheken „Showboat” und später „Holiday Dancing” bis hin zur Entwicklung eines engen Netzwerkes im Haifischbecken des Showbusiness.

Atemberaubende Gage

Sein Erleben schreibt Zeitgeschichte. Von der Wandlung der Unterhaltungswelt mit Margot Eskens, deren Aufführung mit einem kabellosen Mikro 1,50 Mark Eintritt kostete, über Vico Torriani, der die damals atemberaubende Gage von 3000 Mark forderte bis hin zu den 30 Konzerten von Udo Jürgens, der am Ende mit sechs Lastwagen Technik vorfuhr.

Aber Hubert Geulen, übrigens seit 30 Jahren Mitglied Skat spielender Spaßgenossen, schreibt kein Buch. Stattdessen fährt er lieber mit seiner Inge auf die geliebte Riederalp in der Schweiz. Das ist eine gute Entscheidung.

Bleibt die entscheidende Frage: Wie geht er mit „der 80” um? Hubert Geulen zögert. Was selten vorkommt. Er denkt nach und griemelt so typisch vor sich. Dann sprudelt es aus ihm heraus. Von „Dankbarkeit” und „Gesundheit”, von „der guten Pflege durch Inge” - und davon, was für den Workaholiker ein Leben lang Fremdwort war: von „genießen”.

Dazu, und das ist die ultimative Trendwende seines Lebens, zählen auch die Stunden, die er wohl dosiert am Schreibtisch verbringt. Denn der Show-Dino läuft sich nach seinen ungezählten Sprints im Leben noch ein wenig aus. In Kerkrade füllt er die Roda-Halle mit den Karnevalsgalas der Kölner Narrenstars, in Heinsberg steigt unter seiner Regie das größte Oktober-Fest der Region. In Aachen beauftragte ihn die IG Metall jüngst für ein Programm ihres Festes im Eurogress und, und, und. „Ich brauche das”, sagt Hubert Geulen. Und alle glauben ihm.
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