Hotels schießen wie Pilze aus dem Boden

Von: Robert Esser und Stephan Mohne
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3) „Hampton by Hilton“ an der Krefelder Straße / Merowingerstraße (Alter Tivoli) Foto: Michael Jaspers
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„CHIO-Hotel“ an der Ecke Krefelder Straße / Albert-Servais-Allee
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„Innside by Meliá Aachen“ an der Sandkaulstraße. Foto: Michael Jaspers
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„Motel One“ am Kapuzinergraben (Theater)
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„Holiday Inn Express“-Hotel an der Zollamtstraße / Hauptbahnhof Foto: Michael Jaspers
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Hotel-Projekt Aytex an der Theaterstraße / Borngasse

Aachen. Von 1000 Betten war einst in einer Studie die Rede. So viel neue Hotelkapazität brauche die Stadt im Wettbewerb – langfristig insbesondere mit Blick aufs Kongresswesen, aber auch auf sportliche Highlights, Aachen als Touristenmagnet und so weiter. Derzeit verfügt die Stadt über 50 Hotels mit 4300 Betten. Man rechnet nun in den nächsten fünf Jahren mit mindestens 900 Zimmern mehr.

Wenn die Zahl der Gästeübernachtungen (siehe Info-Box unten) gleich bliebe, würde eine Zimmerbelegungsquote von 75 Prozent auf etwa 57 Prozent sinken – so rechnet es der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband vor. Anders sieht es laut Aachen Tourist Service (ats) mit der Bettenauslastung aus (nicht zu verwechseln mit der wegen einzelgebuchten Doppelzimmern höheren Gesamtzimmerauslastung): 2015 lag die durchschnittliche Bettenauslastung für die Voll-Hotels bei 47,4 Prozent, die der Hotels Garni (Frühstückspensionen) bei 46,1 Prozent – „gute Zahlen“, wie es heißt. Und trotzdem dreht sich das Projektkarussell in Sachen neue Übernachtungsbetriebe jetzt in ungeahnter Geschwindigkeit. Aktuell gibt es ein halbes Dutzend Millionenvorhaben im Hotelbereich. Ein Überblick:

Sandkaulstraße

Der Eröffnungstermin steht schon fest: Am 2. Mai öffnet das „Innside by Meliá Aachen“ an der Sandkaulstraße 20 seine Pforten. Wo einst ein Bunker stand, wird die Meliá-Kette, deren Heimat Mallorca ist, 158 Zimmer im Vier-Sterne-Superior-Segment anbieten. Veranstaltungsräume für bis zu 100 Personen gibt es ebenfalls. Ein Highlight, so heißt es, sei die „Uptown Sky Lounge & Restaurant“ nebst großer Dachterrasse auf der sechsten Etage. Die Leitung des neuen Hauses hat Meliá der 32-jährigen Christine Klein anvertraut, die bei dem Unternehmen schon mehrere Führungspositionen bekleidet hat. Die Investitionssumme an der Sandkaulstraße wurde im Laufe des Planungsprozesses stets mit 15 Millionen Euro beziffert. Der Entwurf des Gebäudes stammt vom Aachener Architekten Manfred Hammers. Derzeit wird am letzten Feinschliff gearbeitet, bevor am kommenden Montag die ersten Gäste einziehen werden.

Krefelder Straße I

„Hampton by Hilton“ heißt die Drei-Sterne-Marke des US-Hotelriesen Hilton, die am alten Tivoli Quartier bezieht. Dort wird seit einigen Monaten mit Hochdruck an dem neuen Haus mit 164 Zimmern gearbeitet. 2017 soll das neue Hotel eröffnen, das schon durch seine auffällige Fassade auf sich aufmerksam machen will. Es handelt sich um eine lamellenartige Struktur, die in vielen Violetttönen schillern soll. Dieses Projekt hat wie auch jenes an der Sandkaul-straße eine längere Vorgeschichte, weil sich zunächst die Suche nach Investoren und Hotelbetreibern nicht einfach gestaltete. Für die Realisierung des Baus sorgt jetzt eine lokale Allianz: die Unternehmensgruppe „DAixKo“, eine Projektpartnerschaft der Derichs & Konertz GmbH und der Aixact Immobilien GmbH. An der Ecke Krefelder Straße/Merowingerstraße werden rund 22 Millionen Euro verbaut. Nicht nur in den Hotelneubau, sondern auch noch in einen zweiten Gebäuderiegel mit 34 Wohnungen. Die Pläne für das Hotel gehen auf das Aachener Büro der Architekten Benthem Crouwel zurück. Das Wohngebäude hat Manfred Hammers entworfen.

Krefelder Straße II

Noch in der Planungsphase ist das, was unter dem Arbeitstitel „CHIO-Hotel“ firmiert. Die Idee findet man in der aktuellsten Auflage des „Rahmenplans Sportpark Soers“, der vor wenigen Wochen die Politik beschäftigte. Schauplatz für die Planer ist der Parkplatz vor der Eissporthalle an der Ecke Krefelder Straße/Albert-Servais-Allee. Dort soll nach Auskunft der Projektentwickler ein Haus mit etwa 250 bis 270 Betten entstehen.

Die Investoren sind übrigens dieselben, die das Hotel an der Sandkaulstraße geplant und hochgezogen haben. Da es sich in Personalunion auch noch um die Betreiber der benachbarten Eissporthalle handelt, soll diese in einem Zuge kräftig aufgemöbelt und modernisiert werden. Schon sehr bald könnte es für dieses Projekt in den politischen Abstimmungsprozess in Form eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens gehen. Das muss sein, da der aktuelle Bebauungsplan keine Gebäude auf dieser Fläche vorsieht.

Generell aber wird ein solches Projekt im „Rahmenplan Sportpark Soers“ positiv gesehen. Ein „repräsentativer Eingangsbereich zum ALRV-Stadion“ sei wichtig, heißt es da. Wegen der exponierten Lage müsse ein neues Hotel eine hochwertige Gestaltung haben. Dem wollen die Planer auch Rechnung tragen und ein Haus mit exponiertem Blick auf Lousberg und Reitstadion bauen. Dass der Markt ein weiteres Hotel an der Krefelder Straße – neben dem neuen Hilton gibt es in der Nachbarschaft auch noch das Vier-Sterne-Haus „Leonardo“ – hergibt, davon sind sie überzeugt. Der Sportpark Soers sei schließlich viel mehr als „nur“ der CHIO. Mittlerweile gebe es dort zahlreiche Veranstaltungen. Hinzu kämen die gesamte Entwicklung in Sachen RWTH-Campus und vieles mehr.

Zollamtstraße

Ende 2016 sollte die Eröffnung sein, so wurden die Projektentwickler im August 2014 in Fachzeitschriften zitiert. Die Rede war dabei von einem neuen 165-Zimmer-Hotel im Bereich Zollamt-straße/Burtscheider Straße. Das Gebäude soll Teil des „Blue Gate“-Projekts am Hauptbahnhof sein. Mitte 2014 wurde verkündet, dass die „Blue Gate“-Projektgesellschaft für den Hotelpart einen Pachtvertrag über 20 Jahre mit der „Success Hotel Management GmbH“ aus Stuttgart abgeschlossen habe. Das auf Hotelentwicklung und -management spezialisierte Unternehmen werde dort ein „Holiday Inn Express“-Hotel eröffnen. Mit dem anvisierten Eröffnungstermin wird es aber wohl nichts, denn die Offenlage des Bebauungsplans wurde vergangene Woche vom Planungsausschuss wegen zu vieler offener Fragen einstimmig abgelehnt. Wie es wann mit dem Gesamtprojekt weitergeht, ist vorerst offen.

Kapuzinergraben

Gegenüber dem Stadttheater will der Aachener Projektentwickler Landmarken AG einen Neubau für die Münchener Hotelgruppe Motel One errichten. Nach dem Abriss der drei Gebäude am Kapuzinergraben 6, 8 und 10 – darunter das ehemalige Kino beziehungsweise die Diskothek Elysée-Palast (Fassade ohne Denkmalschutz) – soll der neue Komplex bis zur Elisabethstraße 7-11 wachsen. Nach aktuellen Planungen soll der Abriss nun in der zweiten Jahreshälfte 2016 über die Bühne gehen. So will man den Hotelneubau mit acht Stockwerken und einer Bruttogeschossfläche von 8300 Quadratmetern ab dem dritten Quartal 2018 an Motel One übergeben. Mit rund 270 Zimmern und über 500 Betten wäre das auf eine junge Zielgruppe zugeschnittene Motel One – bezüglich der Zimmerzahl – das größte Hotel der Stadt.

Theaterstraße

An der Ecke Theaterstraße/Borngasse steht ein imposantes, ehemaliges Bankengebäude leer. Auch hier soll sich die Hilton-Gruppe zeitweise ganz konkret für einen Hotel-Umbau interessiert haben. Umbaupläne wurden bereits 2014 im Architektenbeirat – ein Beratungsgremium des Stadtrats – diskutiert. Größtenteils steht das Objekt unter Denkmalschutz. Aktueller Eigentümer ist die Aytex Textil-Vertriebs GmbH mit Sitz an der Eilendorfer Straße. Dem Vernehmen nach sucht man einen Käufer...

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