Hotellerie: Über Nacht gewaltige Gewinne machen

Von: Robert Esser
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Umbau anvisiert: Gegenüber dem Theater am Kapuzinergraben darf ein Hotel hinter historischen Fassaden entstehen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Hinter den Kulissen rechnet man mit gewaltigen Umbrüchen. Und zwar wörtlich. Die massiven historischen Fassaden gegenüber dem Theater Aachen am Kapuzinergraben könnten bald ein neues Hotel kleiden. Seit drei Jahren liegen dort die verlassenen Geschäftsetagen der Commerzbank brach.

Die hatte ihre Aachener Dependancen 2011 nach der Übernahme der Dresdener Bank auf rund 4000 Quadratmetern an der Theaterstraße zusammengefasst. Zurück blieben am Kapuzinergraben tausende Quadratmeter Leerstand. Verantwortlich zeichnet das Bochumer Immobilienmanagement von „PropertyFirst“. Doch jetzt rührt sich etwas. Übrigens auch auf dem früheren Kaiserbrunnen-Areal an der Jülicher Straße / Lombardenstraße: Dort plant die Amedia-Gruppe einen Hotelneubau neben der Stawag-Zentrale – alles lukrativer als weitere Bürogebäude in der Kaiserstadt.

Während am Kapuzinergraben die massive Erdgeschoss-Front mit den Hausnummern 12-14 des früheren Bankgebäudes zusehends vergammelt, belebten links davon im zugehörigen Gebäudeteil der Hausnummer 10 die traditionsreiche Hirsch-Apotheke und ein Fantasy-Spiele-Shop die Ladenzeile. Apotheker Dr. Wolfgang Friedrich wechselt nach dem Jahreswechsel schräg gegenüber in die Eckräume der ehemaligen WMF-Filiale an den Theaterplatz.

Das benachbarte Spiele-Geschäft soll Mitte 2015 ausziehen. Man geht davon aus, dass der Eigentümer im bald vollständig entmieteten Gesamtkomplex Platz für eine neue Nutzung an dieser exponierten Stelle machen will. Denkbar sei sogar der Abriss der alten Büroetagen und die Errichtung eines Hotels hinter der denkmalgeschützten Originalfassade. Entsprechende Pläne des Investors liegen der Stadtverwaltung bereits vor.

Generell gilt: Hoteliers in Aachen streichen satte Gewinne ein. Am kommenden Mittwoch wird der Chef des Aachen Tourist Service, Werner Schlösser, im Rathaus historische Rekordzahlen verkünden. Im Karlsjahr 2014 verbuchten hiesige Hotels von Januar bis Ende August 20 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr – insgesamt exakt 499 077. Und nicht nur die Reit-EM 2015 verspricht auch in Zukunft mehr Gäste denn je. Betten werden wertvoller.

Hingegen stehen Büroflächen im Übermaß zur Verfügung – und vielerorts leer. Auf 2,02 Millionen Quadratmeter beziffert die Initiative Aachen in ihrer „Analyse zum gewerblichen Immobilienmarkt“ den Büroflächenbestand. Darin heißt es, dass 4,54 Prozent leer stehen – das entspricht knapp 92.000 Quadratmetern: eine Gesamtfläche so groß wie 14 Fußballfelder – oder 20 Katschhöfe. Noch größere Leerstände listet der städtische Fachbereich Wirtschaftsförderung im „Gewerbeimmobilienmonitoring 2014“ auf.

Hierzu wurden 280 Datensätze aus gängigen Gewerbeimmobilienseiten im Internet ausgewertet. Das Ergebnis: 112.000 Quadratmeter. „Für den Büroflächenmarkt beläuft sich die Leerstandsquote auf 5,5 Prozent“, vermeldet der Sachstandsbericht. Trotzdem verfüge Aachen über eine vergleichsweise niedrige Leerstandsquote im Rheinland – gegenüber 7 Prozent in Köln und 6 Prozent in Mönchengladbach.

Vor allem nördlich der Innenstadt seien mit über 20.000 Quadratmetern besonders viele Büroflächen ungenutzt, berichten die städtischen Wirtschaftsförderer. Leerstände über 10.000 Quadratmeter gebe es aber ebenso im Frankenberger Viertel, im Südviertel und in Laurensberg. Bemerkenswert: Knapp 50 Prozent der freien Büroflächen sind kleiner als 200 Quadratmeter. Die Nettokaltmieten reichen von 5 bis 12,50 Euro pro Quadratmeter.

Weit höhere Renditen versprechen anderweitige Nutzungen. Ein Hotelbetrieb spielt ein Vielfaches ein. Schon 2016 will die österreichische Hotel-Gruppe Amedia an der Jülicher Straße ein Haus mit 200 Zimmern und 2000 Quadratmeter großem Kongresszentrum eröffnen. Auch hier bestätigt die Stadt die Bauvoranfrage. Am Kapuzinergraben müsste der bestehende Bürokomplex – womöglich inklusive Elysée-Tanzpalast – teils abgerissen und umgebaut werden. Wie sich das rechnet, kalkuliert man gerade hinter den Kulissen.

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