Aachen - „Hotel Total“: Gäste können ab August in St. Elisabeth übernachten

„Hotel Total“: Gäste können ab August in St. Elisabeth übernachten

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Im Kirchenschiff kreisen Hammer und Säge: Das „Hotel Total“ nimmt derzeit richtig Fahrt auf. Ab August möchte man in St. Elisabeth bis zu zwölf Gäste pro Wochenend-Nacht empfangen. Foto: Michael Jaspers
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Auf dem Bild sind zu sehen: (v.l.) Julia Graf, Anke Didier (beide Hotel Total), Architekt Markus Ulrich (Büro Archigraphus), Patricia Yasmine Graf (Hotel Total), Georg Abschlag und Karlheinz Zurhelle (beide low-tec). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Alles Gute kommt von oben. Der Spruch, der dieser Tage in Aachen – Stichwort Regen – nur mit einer guten Portion Ironie zu ertragen ist, nimmt in der Kirche St. Elisabeth derzeit auf ganz besondere Weise Gestalt an.

Alles Gute kommt von oben. Zum Beispiel ein Bett. Klingt verrückt? Vielleicht. Klingt kreativ? Auf jeden Fall! Klingt nach dem neuesten und wohl ungewöhnlichsten Hotelprojekt der Stadt? Definitiv! Und es hört auf den ungewöhnlichen Namen „Hotel Total“ und soll ab August Touristen wie Öcher anlocken – zum Übernachten, zum kreativen Austausch, zu vielen spannenden Kulturveranstaltungen.

Seit Ende Mai regieren im zwischenzeitlich entweihten Kirchenschiff Kreissäge und Akkuschrauber. In etwa anderthalb Monaten möchten die Initiatoren mit Patricia Yasemine Graf, ihrer Schwester Julia Claire Graf und Anke Didier an der Spitze die Bettenburg im ehemaligen Gotteshaus am Blücherplatz eröffnen – zunächst für die befristete Zeit von drei Monaten.

Pop-up-Hotel nennen sie das Ganze: Die Herberge schießt gewissermaßen wie aus dem Nichts aus dem Boden und verschwindet dann wieder. Viel Lärm um nichts also? Von wegen. Denn dieses Hotel, so versprechen es die Macher, hat total viel zu bieten. Und soll auch nach der Zeit in St. Elisabeth nachhallen.

Das Konzept: Der Begriff, auf den das „Hotel Total“ fußt, klingt im ersten Moment etwas sperrig. Es handelt sich um ein so genanntes „kreatives und soziales Vernetzungs- und Umnutzungskonzept“. Das Pilotprojekt wird im Rahmen des Wettbewerbs „CreateMedia.NRW“ durch das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk gefördert.

Zahlreiche Partner sind mit im Boot beziehungsweise im Aachener Fall mit im Kirchenschiff – darunter als Impulsgeber die „Hotel Total UG“, der Beschäftigungsträger „low-tec“, Studenten der FH Aachen sowie das ifU-Institut für Unternehmenskybernetik (letzteres ist vor allem für die Entwicklung einer neuen City-App für Aachen verantwortlich). Startschuss war Ende 2015. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt rund 380.000 Euro.

Die Zimmer: Sie sind der eigentliche Clou des Projekts. Insgesamt fünf 4 mal 4 mal 4 Meter große Holzboxen, sogenannte Kuben, entstehen derzeit im Kirchenbau. Hinzu kommt ein etwas kleinerer Kultur-Kubus, in dem zum Beispiel kleine Ausstellungen, kreative Performances oder ähnliches stattfinden können.

Designt von FH-Studenten, sind die Entwürfe in Zusammenarbeit mit Architekt Markus Ulrich vom Aachener Büro Archigraphus so weiterentwickelt worden, das sie allen baurechtlichen Voraussetzungen wie Brandschutz und Statik entsprechen. Das Besondere: „Jedes Zimmer ist ein Unikat“, erklärt Patricia Yasmine Graf. Entsprechend besitzt jeder Kubus sein eigenes Motto. Im Doppelzimmer-Kubus „Alles Gute kommt von oben“ hängen alle Möbel – auch das Bett – von der Decke herunter.

Trotz Treppeneingang ist der Kubus über eine kleine „Rolli- und Trolley-Tür“ barrierefrei. Im Kubus „Raum2“ taucht der Gast in eine röhrenartige Unterkunft ein inklusive erhöhter Leseecke. Im „Baumhaus“ wird bald ein großes beleuchtetes Blätterdach das Doppelbett überspannen. Von außen verspricht Echtmoos an den Wänden Natur-Feeling pur. Ganz in Schwarz und Weiß gehüllt empfängt der Kubus „Film noir“ seine Besucher. Mit einem außergewöhnlichen Lichtkonzept und an die Wand projizierte Schwarz-Weiß-Dias bringt dieses Zimmer Kontrast ins „Hotel Total“.

Als fünftes Zimmer können Gäste im „Outdoor Inn“ Camping in der Kirche ausleben. Das bequeme Doppelbett wird in einem großen Zelt aufgebaut, darüber verhindert keine Decke den Blick ins Kirchengewölbe. Für die ganz Mutigen gibt‘s dann noch ein Himmelbett, das offen in einer Seitenkapelle von St. Elisabeth aufgebaut wird. Privatsphäre darf man bei dieser Schlafstatt nicht erwarten, dafür das uneingeschränkte Gefühl, mitten in einem ehemaligen Gotteshaus zu nächtigen.

Duschcontainer werden draußen direkt neben dem Kirchengebäude aufgestellt. Also alles vorhanden wie in einem „richtigen“ Hotel – nur eben doch ganz anders. „Wir haben fünf Monde statt fünf Sterne“, erfindet Patricia Yasmine Graf kurzerhand und mit Augenzwinkern eine neue Kategorie.

Das Drumherum: Schon jetzt geht‘s hinterm Kirchenportal heiß her. „Wir sind regelrecht begeistert von dem Family-Gefühl, das hier herrscht“, frohlockt Julia Graf. Flüchtlinge aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, Studenten, Designer, Arbeitslose, Architekten und Handwerker arbeiten Hand in Hand.

Jede Menge Betrieb soll ab August auch neben dem „klassischen“ Übernachtungsgeschäft im „Hotel Total“ herrschen. Zahlreiche Kunst- und (Sub-)Kulturaktionen sind bereits im Terminkalender eingetragen. Die Comiciade macht Station in St. Elisabeth, ebenso der Literatursommer und eben viele kleine Acts stehen an – vom Singer/Songwriter-Auftritt bis zur Pop-up-Modenschau.

Die Buchung: Ein Hotel verfolgt, da bildet das Projekt in St. Elisabeth keine Ausnahme, vor allem ein Ziel: Menschen sollen darin übernachten. Schon jetzt, verrät Patricia Yasmine Graf, lägen viele Anmeldungen von Auswärtigen wie Aachenern vor.

Geöffnet ist das Hotel ab Anfang August (der genaue Termin wird noch bekanntgegeben) bis Ende Oktober. Die exklusiven Kubus-Schlafzimmer können jeweils für die Nächte an den Wochenenden belegt werden – wochentags sind keine Übernachtungen im „Hotel Total“ vorgesehen.

Rechnet man die fünf Doppelzimmer sowie das offen im Sakralbau stehende Himmelbett hinzu, werden 150 Übernachtungen in den drei Monaten angeboten – und zwar sämtlich kostenlos. Wegen besagter großer Nachfrage wird wohl das Los entscheiden, wer wann einen Kubus ergattert. Buchungsanfragen werden aber weiterhin gerne angenommen unter der E-Mail-Adresse rezeption@hotel-total.com.

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