Aachen - Hospiz am Iterbach: Wo sich der Kreislauf des Lebens schließt

Hospiz am Iterbach: Wo sich der Kreislauf des Lebens schließt

Von: Hans-Peter Leisten
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Ganz wichtig: Auch die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlern funktioniert schon in der Anfangsphase Hand in Hand. Hospizleiterin Beatrix Hillermann ist dankbar für das Engagement – hier von Ruth Koeser. Foto: Michael Jaspers
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Drei Beispiele für gute Atmosphäre: von links Ursula Jöris (Pflege), Rosi Wagemann (Empfang) und Christiane Bugdol (Hauswirtschaftsleiterin). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kann man hier von einem Idyll sprechen? Darf man von einem Idyll sprechen? Im Hintergrund der Wald, im Vordergrund grüne Wiesen, ein Bachlauf, daneben – wie inszeniert – ein paar grasende Pferde. Wenige ältere gediegene Häuser, vereinzelte Holzschuppen verlieren sich im Itertal. Auf den ersten Blick alles Dinge, die zu einem Idyll gehören. Aber hier sterben Menschen.

Das ist die Bestimmung des neuen Hospizes am Iterbach, hier ist nun mal ein Ort für die letzte Lebensphase. Es ist ein zutiefst menschlicher Ort, an dem gelacht, geweint, vor allem aber gelebt wird. Dafür stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich seit zwei Wochen um die Gäste des Hauses an der Eisenhütte 21-25 kümmern. Die Gäste sind Menschen, deren Erkrankung nicht mehr geheilt wird, denen ein würdiges Dasein in der letzten Lebensphase geschenkt werden soll.

Erfahrene Leiterin

Beatrix Hillermann ist die Leiterin des Hospizes, eigentlich Diplom-Theologin, aber mit etlichen Zusatzqualifikationen in den Bereichen Palliative Care, Trauerbegleitung, klientenzentrierte Beratung, Supervision. Sie hat lange einen ambulanten Hospizdienst geleitet und war Leiterin des Hospizes Haus Hörn. Aber ein Hospiz von der Planungsphase über die Startlinie zu begleiten, war auch für sie äußerst spannend. Jetzt sagt sie eher entspannt: „Wir sind zwar noch in der Findungsphase, und kleinere Strukturen müssen nachjustiert werden. Aber entscheidend ist, dass das Team funktioniert. Der Austausch in kleinen und großen Dingen passt.“ 22 Pflegekräfte teilen sich 15 Stellen, um 14 Gäste zu versorgen und zu begleiten.

Ursula Jöris gehört zum Pflegeteam. Sie fasst die Eindrücke der ersten zwei Wochen zusammen: „Die Arbeit war wunderschön, auch sehr anstrengend. Aber die Priorität liegt eindeutig auf wunderschön.“ Sie spricht von berührender Arbeit, vielen emotionalen Momenten – sowohl in den Begegnungen mit den Angehörigen wie auch mit den Gästen. Drei Gäste sind inzwischen im Hospiz friedlich verstorben, andere Gäste haben gute Phasen in ihrem Krankheitsverlauf und können den schönen Ort und die liebevolle Pflege im Hospiz auch genießen. Gerade angesichts des nicht zu diskutierenden Bedarfs an Hospizplätzen ist ein optimales Verständnis im Team entscheidend. Es sind oft kleine Wünsche, die die Gäste haben und die ihnen den Tag erleichtern.

„Wenn jemand zum Beispiel einen Salbei-Tee möchte und wir haben keinen im Haus, dann kümmert sich unsere Hauswirtschaftsleitung direkt darum. Und das funktioniert nur bei entsprechendem Verständnis untereinander“, beschreibt Ursula Jöris den Alltag im noch jungen Haus und erhält die Bestätigung von Hauswirtschaftsleiterin Christiane Bugdol.

Austausch extrem wichtig

Sie spricht von „sehr gutem Austausch, der extrem wichtig ist“, schlägt zudem den Bogen zu den Ehrenamtlichen, die vom Start weg im Hospiz am Iterbach involviert sind. Ruth Koeser ist eine der Ehrenamtlichen. Sie sitzt bei einem freundlichen Senior auf der Terrasse mit dem Traumblick in die Natur – im Übrigen eines der Hauptauswahlkriterien für den Standort. Es ist ein durchaus bewegendes Bild, das der ältere Mann und die junge Frau abgeben. Ein Bild von Vertrautheit und menschlicher Nähe. Einmal in der Woche kommt sie hinaus in die Voreifel. Was sie reizt? „Die intensive Begegnung mit Menschen“, sagt sie sehr überzeugend.

Manchmal hilft sie im Garten, meistens geht es um Gespräche, um Vorlesen, manchmal einfach ums Dasein. Natürlich hat sie vorher die entsprechende Befähigung erhalten. Bereits bei der überaus freundlichen Begrüßung am Empfang durch Rosi Wagemann schwinden beim Besucher erste Berührungsängste, beim Anblick des vertrauten Gespräches zwischen Ruth Kloeser und dem von ihr betreuten Herrn schmelzen letzte Berührungsängste wie Restschnee in der Frühlingssonne. Das Bild ist stimmig.

Im Haus für die letzte Lebensphase herrscht gute Laune, Freundlichkeit ist ein unveränderliches Kennzeichen. Rückmeldungen der Betroffenen aus der Startphase lassen keinen Zweifel zu. Die Gästezimmer unterstreichen diesen Eindruck, sind in einer Balance zwischen Funktionalität und Wohlfühlambiente gestaltet. Auch hier wurde das Personal bei der Auswahl von Anfang an mitgenommen. Alle Zimmer haben entweder bodentiefe Fenster oder öffnen sich zur Terrasse. Aus jedem Zimmer hat man diesen Blick in die wunderschöne Natur, die den Kreislauf des Lebens versinnbildlicht. Man darf von einem Idyll sprechen. Ohne Fragezeichen.

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