Horst und Fridolin helfen mit, den Abiball zu finanzieren

Von: Stefan Herrmann
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Setzen auch auf Fundraising, um die Abiball-Kosten stemmen zu könne: Anne Trautmann (l.) und Noemi Borgmann vom Pius-Gymnasiums. Foto: M. Jaspers

Aachen. Lieber mit Fridolin oder Eberhard zum Abiball? Oder doch ganz klassisch mit Horst? Auf wen die Q1-Schüler des Pius-Gymnasiums als Begleitung setzen, ist noch offen. Fest steht dagegen: Die Stufe hat sich bereits anderthalb Jahre vor der großen Abi-Sause sprichwörtlich auf die Socken gemacht, um den Feier-Marathon finanziert zu bekommen.

Denn hinter den Namen Fridolin, Eberhard und Horst verbergen sich keine potenziellen Ball-Begleiter, sondern Sockenmodelle. Und die sind gerade hoch im Kurs am Pius.

„Das Abi bekommt man nicht geschenkt.“ Die alte Weisheit gilt längst nicht mehr nur für das Ablegen der Reifeprüfung, für stundenlanges Büffeln und knallharte Klausuren. Richtig Knete kostet nämlich mittlerweile das Drumherum. Aachener Gymnasiasten legen viel Wert darauf, stilvoll und mit großem Tamtam das Ende der Schulzeit zu zelebrieren. Die 115 Q1-Schüler am Pius fangen daher früh an, genügend Geld zusammenzubekommen. Allein die Location für den Abiball, die sie bereits gebucht haben, kostet 15.000 Euro. Dazu kommen Abi-Gag, Abi-Zeitung, Motto-Woche und, und, und. Da summieren sich die Gesamtausgaben für einen Aachener Abiturjahrgang am Ende schnell einmal auf 30.000 Euro.

Die künftigen Pius-Abiturienten haben daher eine neue „Einnahmequelle“ angezapft, wie die beiden Schülerinnen Noemi Borgmann (16) und Anne Trautmann (17) erzählen. Und die liegt im Internet. Denn dort existiert seit Mai 2013 das Freiburger Start-up-Unternehmen „Neue Masche“. Es bietet mit einem originellen Fundraising-Konzept Vereinen, Ministrantengruppen oder eben auch Schulklassen an, Spenden für ihr mehr oder weniger gemeinnütziges Projekt zu sammeln. Das hat auch die Aachener Pius-Schüler überzeugt. Sie setzen auf das Fundraising-Modell. „Kleinere Gruppen wie Schulklassen oder Mannschaften haben es schwer, an Spenden zu kommen. Sie vertrauen oft auf den Kuchenverkauf. An sie richtet sich unser Modell“, sagt „Neue Masche“-Gründer Benedikt Link.

Und so funktioniert das System: Die Q1-Stufe des Pius hat sich bei „Neue Masche“ als Gruppe angemeldet. Nun versucht jedes Q1-Mitglied, im Familien- und Freundeskreis Bestellungen für die laut „Neue Masche“ nachhaltigen Produkte zu sammeln. Angeboten werden T-Shirts, Seifen, Grußkarten – und eben Socken, die auf Fridolin, Eberhard oder Horst hören. „Die sind auch bei uns der Renner!“, sagt Noemi Borgmann. „Schließlich braucht jeder Socken“, fügt Anne Trautmann mit einem Lachen an.

Größer, teurer, exklusiver

Der Clou der Sammelbestellung: Eine Sockenbox kostet 15 Euro, vier Euro davon gehen aber direkt an den guten Zweck. Im Aachener Fall in die Stufenkasse der Q1. Im bayerischen Oberstdorf hat eine Abschlussklasse durch die „Neue Masche“-Aktion zum Beispiel 2800 Euro für den Abiball aufgetrieben. Von solch einem Betrag können die Aachener noch träumen. Die große Sammelrunde läuft bis Ende November, dann geht die Bestellung raus. Und dann steht auch fest, wieviel Kohle die „Neue Masche“ in die Kasse spült.

„Wir haben uns gesagt: Lieber früher statt später anfangen, das Geld aufzutreiben“, sagt Anne Trautmann. Und vor allem möchten die Jugendlichen es vermeiden, am Ende vor allem die Eltern „anbetteln“ zu müssen, wie Trautmann es formuliert.

Der Hype um das Abitur hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. „Größer, teurer, exklusiver“ scheint das Motto zu sein. Ein Trend, der auch Kritik hervorruft. „Es ist schon viel Geld“, finden auch Noemi Borgmann und Anne Trautmann, die mit einigen Mitschülern für die Finanzen der Stufe zuständig sind. Sie sagen aber auch: „Wir wollen einen schönen Abiball haben.“ Und den gebe es nun mal nicht umsonst.

Eines ist klar: Allein mit der „Neuen Masche“ werden die Pius-Schüler nicht das komplette Budget einsammeln. Daher gehen sie, wie alle anderen künftigen Aachener Abiturienten auch, weiter auf Geldsuche. Ein Konto ist eingerichtet, potenzielle Sponsoren werden angesprochen, Anzeigen für die Abizeitung verkauft. Und privat steht ja auch noch die eine oder andere Investition an: ein schickes Ballkleid, ein neuer Anzug, edle Schuhe. Zumindest Socken hat der eine oder andere dann schon. Also doch mit Fridolin oder Horst zum Abiball.

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