Aachen - „Horror-Clowns“: Welle schwappt nach Aachen über

„Horror-Clowns“: Welle schwappt nach Aachen über

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
13292589.jpg
Der Urvater der „Horror-Clowns“: Pennywise aus der Stephen-King-Verfilmung „Es“. Foto: imago/United Archives

Aachen. 1990 war es, als sich der Urvater aller „Horror-Clowns“ – auch „Killer-Clowns“ oder „Grusel-Clowns“ genannt – durch die fiktive US-Kleinstadt Derry mordete. Schon der Anblick des diabolischen„Pennywise“ (verkörpert von Rocky-Horror-Picture-Star Tim Curry) versetzte die Zuschauer in Angst und Schrecken. Allerdings zum Glück nur in der Filmversion von Stephen Kings Roman „Es“. Jetzt ist der Schrecken in der Realität angekommen.

Denn seit einigen Tagen macht sich auch in deutschen Städten mehr und mehr ein Phänomen breit, das seit einiger Zeit vor allem in den USA, aber auch in Frankreich und anderen Ländern um sich greift. Menschen verkleiden sich als „Horror-Clowns“ und gehen meist willkürlich auf ihre Opfer los. Ein Spaß ist das keineswegs, denn oft sind die Täter auch noch bewaffnet, schlagen brutal zu oder versetzen ihr Gegenüber in höchste Panik. Jetzt sind auch in Aachen zwei dieser verkleideten Kriminellen aufgetaucht.

Beide Vorfälle ereigneten sich in der Nacht zum Samstag. Doch auch wenn sich beide Taten zeitlich und räumlich gar nicht so weit voneinander entfernt abspielten, handelt es sich laut Polizei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht um ein und denselben Täter, sondern um zwei unterschiedliche als „Horror-Clowns“ verkleidete Personen.

Zunächst sprang gegen zwei Uhr ein Clown aus einem Gebüsch am Berliner Ring auf den Radweg. Dort war gerade ein 21-jähriger Fahrradfahrer unterwegs. Er erschreckte sich durch die Attacke derart, dass er stürzte und verletzt wurde. Er kam zur Behandlung in ein Krankenhaus, konnte zum Glück später aber wieder entlassen werden. Der „Clown“ soll Aussagen des Opfers zufolge „einen langen Gegenstand in der Hand gehalten und eine drohende Haltung eingenommen“ haben. Eine nähere Beschreibung konnte der schockierte 21-Jährige nicht geben. Die Polizei ermittelt jetzt wegen eines „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ und sucht weitere Zeugen

Bis zum Blücherplatz verfolgt

Der zweite Vorfall spielte sich dann rund vier Stunden später ab. Gegen sechs Uhr beobachtete ein „Horror-Clown“ einen 18-Jährigen im Bereich Hein-Janssen-Straße/Jülicher Straße. Die mit einem roten Clownskostüm, grüner Perücke und einer bösartig aussehende Maske mit spitzen Zähnen verkleidete Person verfolgte den jungen Mann dann bis zum Blücherplatz. Danach gab es nach Polizeierkenntnissen am Wochenende „zum Glück keine weiteren Vorfälle“, wie es am Sonntagnachmittag auf der Leitstelle hieß.

Was allerdings nicht bedeutet, dass damit gleich wieder Ruhe in Sachen „Horror-Clowns“ herrscht. Denn in den vergangenen Tagen hat es auch in anderen Städten eine ganze Reihe solcher – und teils noch deutlich drastischerer – Vorfälle gegeben. So etwa am Donnerstagabend in Wesel am Niederrhein, wo plötzlich ein Verkleideter vor einer 48-Jährigen stand, die mit ihrem Hund unterwegs war. Der „Clown“ hatte eine Kettensäge in der Hand, die Frau flüchtete völlig verängstigt.

Ähnliche Berichte – teils waren die Täter mit Messern, Baseballschlägern oder auch Beilen bewaffnet – gab es in den vergangenen Tagen dutzendfach aus Essen, Bochum, Gelsenkirchen, Dortmund und vielen anderen Städten quer durch die Republik. Bisweilen waren die Opfer sogar kleine Kinder, die zu Tode erschreckt wurden. Erwischt wurde bisher noch keiner der Täter. In Gelsenkirchen stellte sich ein Jugendlicher. Er hatte sich als „Horro-Clown“ verkleidet, um einen Kumpel zu erschrecken. Der allerdings flüchtete in Panik, stürzte und verletzte sich so schwer, dass er operiert werden musste.

Alles andere als ein „Jux“

Warum sich dieses Phänomen ausgerechnet jetzt derart verbreitet, stellt die Behörden im In- und Ausland vor Rätsel. Spekulationen gehen dahin, dass es etwas mit der aktuellen Neuverfilmung von „Es“ (diesmal mit Bill Skarsgard als Teufelsclown Pennywise) zu tun hat. Befürchtungen gehen auch dahin, dass diese Taten nun in Wellen jedes Jahr kurz vor Halloween um sich greifen könnten. „Es“-Autor Stephen King fühlte sich bereits bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass „die meisten der Clowns die Menschen doch zum Lachen“ brächten und warnte vor einer Hysterie.

Wie dem auch sei: Wer sich indes als „Horror-Clown“ verkleidet und das alles als „Jux“ ansieht, der sollte gewarnt sein: Je nach Fall und Folgen kommen verschiedene Straftatbestände dafür in Betracht – von Nötigung bis hin zu gefährlicher Körperverletzung. Und da verstehen Richter wahrlich keinen Spaß.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert