Holocaust-Gedenktag: Schüler halten Erinnerung wach

Von: Kathrin Albrecht
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Vermitteln, was vor über 70 Jahren passiert ist: Lehrer Stephan Saffer mit Schülern der Heinrich-Heine-Gesamtschule. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Selbst wenn du deinen Namen vergisst, selbst wenn du deine Mutter und mich vergisst, eines darfst du nicht vergessen: Vergiss nie, dass du Jude bist.“ Es sind die letzten Worte, die Srulik von seinem Vater hört.

Der Krieg und das unmenschliche NS-Regime haben die Familie auseinandergerissen, der Zufall führt Vater und Sohn unter einer Brücke wieder zusammen. Die Grausamkeit des Krieges und die Nazis werden die Familie auch wieder auseinanderreißen.

Die Szene unter der Brücke ist die berührendste Szene des Films „Lauf Junge lauf.“ Für die 65 Vertreter des Schülerrats an der Heinrich-Heine-Gesamtschule (HHG) war er Teil des Projektes zum Holocaust-Gedenktag, an dem weltweit seit 2005 der Opfer der Judenverfolgung und -vernichtung gedacht wird.

Jedes Jahr arbeitet die HHG an diesem Tag unter einem Schwerpunkt zum Thema. „Schülerinnen und Schüler werden die Vergangenheit nicht ändern können, aber sie können der Zukunft etwas anbieten“, lautet eine Überlegung von Lehrer Stephan Saffer zu der Frage, wie eine Annäherung an das Thema in einer Zeit gelingen kann, in der Auschwitz mehr als 70 Jahre zurückliegt und die Zeitzeugen selbst nicht mehr da sind, um zu erzählen.

Saffer unterrichtet an der HHG Deutsch und Politik und bereitet den jährlichen Projekttag vor. „Der Name Auschwitz ist bei den meisten 14- bis 16-jährigen Schülern kaum noch bekannt,“ sagt Saffer. Der Zweite Weltkrieg, die Judenverfolgung, Auschwitz – das sei die Geschichte der Großeltern. Hinzu kommen die Schüler, die einen anderen kulturellen Hintergrund und eine eigene Geschichte mitbringen.

Themen wie Ausgrenzung und Einschränkung der eigenen Grundrechte sind jedoch nicht nur in den Krisengebieten aktueller denn je. Umso wichtiger sei es, an diesen Tag zu erinnern, sagt Schulleiter Hartwig Hillebrand: „Heute sind wieder Millionen von Flüchtlingen unterwegs, die verzweifelt eine Heimat suchen. Leider wiederholt sich die Geschichte immer wieder und zeigt, wie wenig wir dazugelernt haben.“

„In einer Zeit, in der das Wort ,Jude‘ wieder vermehrt als Schimpfwort gebraucht wird, ist es für die Entwicklung der Jugendkultur wichtig, dagegenzuhalten“, sagt Gerd Buiting, Lehrer für Geschichte und Sozialwissenschaft an der HHG. „Die Kinder der Shoah“ lautete in diesem Jahr das Schwerpunktthema, zu dem die Schüler gearbeitet haben. Dem Holocaust Gesichter geben, die Geschichte begreifbar machen und einen lokalen Zugang finden – das waren die Ansätze.

Die Biografien des Aacheners Fredy Hirsch und von Janusz Korczak machten dabei die Geschichte konkret. Selbst im Konzentrationslager inhaftiert, kümmerten sich die beiden um die inhaftierten Kinder und Jugendlichen, gaben ihnen eine Tagesstruktur und etwas Freude in diesem unmenschlichen System.

In der Vorbereitung auf den Tag und in den Projekten selbst arbeitete die HHG mit der Volkshochschule zusammen. Diese Kooperation soll zukünftig ausgebaut werden, auch bei anderen Projekten zur Zeitgeschichte. Neben den Workshops in der Schule waren Klassen auch in der Stadt unterwegs auf den Spuren der Stolpersteine und auf der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel. Die Schüler, die teilnehmen, wirken als Multiplikatoren in den Klassen weiter: „Selbst, wenn sie nur ein bisschen erzählen, haben wir etwas gewonnen,“ glaubt Hillebrand.

Als der Film in der Aula endet, spenden die Schüler spontan Applaus. „Wir gehen heute sehr selbstverständlich mit vielen Dingen um, können uns frei entfalten. Dass wir heute die Möglichkeit dazu haben, sollten wir nutzen“, sagte ein Schüler als Resümee.

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