„Holi Gaudy“: Grauer Himmel mutiert zum Farbenmeer

Von: Maximilian Schepp
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. . . drei, zwei, eins – ab geht‘s: Tausende verwandelten sich bei „Holi Gaudy“ in Windeseile in kunterbunte Partyvögel. Der eher graue Himmel überm Bendplatz konnte dem farbigen Treiben am Samstag also nichts anhaben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Während der Countdown heruntergezählt wird, packen rund 2500 meist junge Leute auf dem Bendplatz jubelnd ihre Farbbeutel aus, manche ziehen sich einen Mundschutz über, andere halten kurz vorher die Luft an. Von der Bühne schallt ein „Holi Gaudy!“, und sämtliche bunten Botschaften werden in die Lüfte geschleudert.

Ein beeindruckendes Bild – vor allem, wenn man von außen zusieht. In der Menschenmenge selbst vereinen sich sämtliche Farben zu einer bombastischen knallbunten Staubwolke, die nach einigen Sekunden bereits verflogen ist – und nicht zuletzt auf den – bis dahin –meist blütenweißen T-Shirts ihre Spuren hinterlässt. Dazu klingt elektronische Musik aus der Anlage, und die Masse feiert ausgelassen.

Schmutzig ist lustig

Das „Holi Gaudy“ an der Kühlwetterstraße zog trotz des wechselhaften Wetters die Freunde der etwas anderen Party-Freuden in Massen an. Frei nach dem Motto: nur richtig schmutzig ist richtig lustig. Veranstalter Ulf Steinecke gibt zu, dass gerade das „Einsauen“ den gewissen Reiz dieses Events ausmacht: „Die Leute sehen nach jeder Stunde bunter aus. Aber es stört keinen, da dort alle so aussehen.“

Bereits seit dem 4. Mai tourt die Veranstaltung durch Deutschland, Aachen ist die 20. Station. Steinecke freut sich über die beachtliche Resonanz: „Das Festival kommt gut an. Nächstes Jahr werden wir wieder durch Deutschland touren, vielleicht auch wieder nach Aachen kommen.“ Der Organisator bekennt allerdings, dass es relativ aufwendig war, die Stadt davon zu überzeugen, dass „Holi Gaudy“ wie im vergangenen Jahr erneut auf dem Bendplatz veranstaltet werden darf. Doch da man sich selbstredend an alle Auflagen gehalten habe, durfte das Fest der Farben auch dieses Jahr wieder in die Kaiserstadt einkehren.

Doch nicht nur in Deutschland ist bei „Holi Gaudy“ der graue Himmel mal wieder tabu, auch durch die Schweiz, die Niederlande sowie Italien und Dänemark tourt die Veranstaltungsreihe. Seien Ursprünge hat das Fest in Indien. Dort wird es jedes Jahr gefeiert, um den Frühling zu begrüßen. Die Menschen versammeln sich zu Tausenden und werfen buntes Pulver und gefärbtes Wasser in die Luft. Traditionell sind an diesem Tag alle Schranken durch Status, Geschlecht und Alter aufgehoben. Holi gilt als eines der ältesten und farbenfrohsten Feste der Welt.

Einige Besucher, die auch im vergangenen Jahr den schillernden Open-Air-Spaß besucht haben, sind etwas verwundert, dass der Aktionsradius fürs Partyvolk ein wenig verkleinert wurde. Das weiß der Veranstalter zu erklären: „Wir möchten, dass die Leute sich als große Gemeinschaft fühlen. Weil etwas weniger Karten als im Vorjahr verkauft wurden, haben wir das Gelände etwas kleiner gemacht, wodurch man etwas mehr zusammenrückt und nicht etwa in kleinen Gruppen steht.“ Denn auch das macht den besonderen Reiz aus – die Leute stehen dicht beieinander und feiern quasi auch auf Tuchfühlung mit DJ HomeAffairs, der die Menge immer wieder mächtig in Wallung bringt. Kurzerhand steigt er sogar auf eine zwei Meter große Gummi-Schildkröte und „schwimmt“ damit auf den Händen der Menschenmenge übers „Meer“ der Farben.

Die meisten sind völlig begeistert. Stefan Grabowski (19), der bereits letztes Jahr dabei war, fand es dennoch im Vorjahr besser: „Das kann aber auch am Wetter gelegen haben, dieses Jahr war es halt sehr windig und bewölkt“, meint er.

Und wenn der Wind den Festival-Besuchern nicht die Farbe von der Haut geweht hat, stehen tatkräftige Helfer am Ausgang bereit, die mit Laubbläsern nachhelfen. Nichtsdestotrotz bleibt die Erinnerung an eine etwas verrückte Party bestehen – auf dem ehemals weißen T-Shirt.

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