Aachen - Holger Brantin will neuer Vorsitzender der Aachener CDU werden

Holger Brantin will neuer Vorsitzender der Aachener CDU werden

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Neuer Hoffnungsträger? Holger Brantin kandidiert auf dem Parteitag am 20. April für das Amt des CDU-Vorsitzenden. Foto: CDU

Aachen. Nach Ulla Thönnissen ist vor – Holger Brantin? Der Stellvertreter der CDU-Parteichefin, die am Montag ihren Rücktritt erklärt hat, bewirbt sich jedenfalls um das Amt an der Spitze des Aachener Kreisverbandes, das am 20. April auf einem Parteitag der Aachener CDU neu besetzt werden soll.

„Ich bin bereit zu kandidieren“, sagt er am Dienstagmittag im Gespräch mit der AZ – keine 24 Stunden nach der Ankündigung Thönnissens. Er habe zuletzt in etlichen Gesprächen mit Parteifreunden immer wieder den Wunsch vernommen, dass er die Verantwortung übernehmen solle, begründet der 53-jährige Richter und Vater von drei Kindern diesen Schritt.

Für seine wichtigste Aufgabe hält Brantin zunächst etwas, was wohl den meisten Parteifreunden nach den Querelen der vergangenen Wochen und Monate aus der Seele sprechen dürfte. „Was wir jetzt brauchen, das ist Ruhe – und zwar schnellstmöglich.“ Dann gelte es, zwei weitere Persönlichkeiten zu gewinnen, um den geschäftsführenden Parteivorstand wieder zu komplettieren.

Denn: Neben Thönnissen hat auch Schatzmeister Dieter Claßen seinen Rücktritt erklärt. „Das Wichtigste ist, dass wir Leute finden, für die es in der Partei eine breite Akzeptanz gibt“, sagt Brantin. Außerdem ruft der Kandidat alle Parteimitglieder dazu auf daran mitzuarbeiten, dass die Partei wieder „zu Geschlossenheit findet“. Und was die vielen parteiinternen Anfeindungen angeht, die zuletzt unter Thönnissen so eskaliert sind, will Brantin ausgleichend wirken. „Ich werde viele Gespräche führen.“

Viel Zuspruch für Kandidatur

Das trauen ihm in der Partei auch viele zu. Bereits nach Thönnissens Drohung mit Rücktritt am Ende voriger Woche wurde er von vielen Aachener Christdemokraten hinter vorgehaltener Hand als möglicher Nachfolger gehandelt. Und jetzt erfährt er auch offiziell viel Zuspruch. Etwa von der Jungen Union. Deren Vorsitzende Annika Fohn verweist darauf, dass Brantin auf dem Parteitag im vorigen November das mit Abstand beste Ergebnis aller Vorstandsmitglieder erzielt hatte und betont seinen „einenden Charakter“.

Als einen „Mann des Ausgleichs“ lobt auch Harald Baal, Vorsitzender der Ratsfraktion, den Kandidaten. Baal glaubt, dass Brantins Kandidatur beim Parteitag auf hohe Zustimmung treffen wird. „Die Aufgabe bleibt allemal schwer“, weiß der Fraktionsvorsitzende. Einen Dissens verschiedener Strömungen innerhalb der Aachener CDU sieht er gleichwohl nicht: „Es ging hier um eine persönliche Auseinandersetzung.“

Ulla Thönnissen zollt er im Nachgang zu ihrem Rücktritt Lob: „Das ist ehrenwert. Sie hat die Partei vor fünfeinhalb Jahren in einer schweren Zeit übernommen, nämlich nach der desaströsen Niederlage bei der Landtagswahl 2012.“ Sie habe es geschafft, die Lage in der Partei zu stabilisieren. Außerdem sei er „mit ihr immer gut klargekommen“.

Kritisch äußert sich Baal indirekt in Richtung von Thönnissens Widersacher Ralf Demmer: „Auch die anderen Problembelasteten sollten sich jetzt konstruktiv einbringen.“ So sei das Thema der Parteispenden nach dem vorliegenden Gutachten „durch“, so Baal. „Da muss man jetzt auch mal den Strich drunter machen. Es muss jetzt eine Vorwärtsentwicklung geben.“

Oberbürgermeister Marcel Philipp äußerte sich am Dienstag auf Anfrage erstmals öffentlich zu den Vorgängen. „Die Sache war inhaltlich sicher schädlich für die CDU. Insgesamt ist die Stimmung in der Partei aber gar nicht so schlecht, wie es nach außen jetzt aussieht“, so Philipp.

Für den Rücktritt von Thönnissen zeigt Philipp Verständnis: „Das war am Ende zum unlösbaren Problem geworden.“ Zur Kandidatur Holger Brantins hält sich Philipp eher zurück. Persönlich sehe er ihn auch als ausgleichenden Charakter, er sagt aber auch: „Eine Kandidatur wird nicht am Telefon entschieden. Das gilt es natürlich in der Partei zu diskutieren. Außerdem könnte es ja auch mehrere Kandidaten oder Kandidatinnen geben.“

Über mögliche Bewerber wird der Kreisvorstand in einer Sondersitzung am 13. April beraten, zu der Ulla Thönnissen am späten Montagabend per Mail noch eingeladen hat. Die scheidende Vorsitzende erklärt darin auch im Namen des Schatzmeisters, dass man die Situation bedaure, aber feststellen müsse, dass die Vertrauensbasis mit der Kreisgeschäftsstelle „irreparabel und nachhaltig zerstört ist“ und die „gute politische Arbeit“ durch „hierdurch verursachten Streit und Querelen in den Hintergrund tritt“.

Deshalb gehe man nun den ersten Schritt und nehme sich persönlich zurück, so Thönnissen. Dieser Rückzug habe schon länger im Raum gestanden, doch habe der Vorstand davon abgeraten, da der „vermeintliche Spendenvorwurf“, den Demmer vor dem jüngsten Parteitag gegen sie erhoben hatte, lückenlos aufgeklärt werden sollte. Und da dies nun geschehen sei, vollziehe man diesen Schritt nun.

An dieser Aufklärung hat allerdings Demmer immer noch Zweifel und will das entsprechende Gutachten sehen. „Wir werden dieses Gutachten zum Gegenstand des nächsten Parteitags machen“, kündigt Brantin an, „und sollten tatsächlich noch Fragen offen sein, versuchen wir diese zu beantworten.“

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