Hohenstaufenallee: Grube auf, Grube zu und totales Chaos

Von: Stephan Mohne
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Chaosbaustelle: Die Vorgänge um das neue FH-Mobilitätszentrum nehmen immer merkwürdigere Formen an. Jetzt hat der geschasste Bauunternehmer Tholen vor Gericht gegen den BLB als Bauherrn gewonnen. Wann das Projekt fertig wird, steht in den Sternen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es sollte so schön werden. Auf einen echten Leuchtturm hat sich die Fachhochschule gefreut. Längst schon sollte er an der Hohenstaufenallee glänzen – und in ihm das neue Mobilitätszentrum der FH, in dem die entsprechenden neuen Studiengänge unter anderem mit Hörsälen, Mensa und Laboren eine Heimat bekommen sollten.

Tatsächlich strömten und strömen die interessierten Studenten in Scharen, und auch renommierte Hochschullehrer konnte die Hochschule gewinnen. Was fehlt, ist: besagter Leuchtturm. Das zuletzt von rund 40 auf 32 Millionen Euro abgespeckte Projekt entwickelt sich vielmehr zu einer zerbröselnden Sandburg.

Probleme mit Grundwasser

Die Vorgänge rundherum nehmen so langsam skandalöse Züge an. Wann der Bau, für den der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) als Bauherr verantwortlich zeichnet, fertig sein wird, steht völlig in den Sternen. Wenn er überhaupt jemals gebaut wird. Daran hegen nicht nur in der Fachhochschule mittlerweile mehr und mehr Menschen Zweifel. Denn jetzt soll die fast sieben Meter tiefe Baugrube wegen Problemen mit dem Grundwasser erst einmal wieder mit Sand zugeschüttet werden – zumindest teilweise. BLB-Sprecher Dr. Hartmut Gustmann sprach auf Nachfrage gestern von „Anschüttungen“. Und die Kosten? „Ein paar tausend Euro“, so Gustmann. Doch diesen paar tausend Euro könnten – mindestens – mehrere hunderttausend Euro folgen.

Ende 2013 war nach mehreren Verzögerungen endlich der Startschuss gefallen. Doch schon wenig später wurden die Arbeiten wieder eingestellt. Nachbarn berichteten von Wassereinbrüchen in ihre Keller und gar vom Absacken der Häuser. Der BLB sprach lediglich von „unerwarteten Hindernissen“, die „bald beseitigt“ wären, und wollte von einem Baustopp nichts wissen. Wenig später flatterte dem beauftragten Bauunternehmen Tholen aus Geilenkirchen die fristlose Kündigung ins Haus. Die Firma habe ihre „Aufgaben nicht anständig erledigt“, hieß es damals beim BLB auf Anfrage.

Seit Dienstag nun ist es richterlich verbrieft, dass eher der BLB seine Aufgaben nicht anständig gelöst hat. Denn das Landgericht hat laut Tholen die Kündigung für unrechtmäßig erklärt. Sein Unternehmen habe entgegen der Vorwürfe des BLB keine Fehler gemacht, habe das Gericht festgehalten. Und so schwingt in der Stimme von Geschäftsführer Willi Tholen Genugtuung mit, wenn er über diesen Fall berichtet.

Schon im März hatte er gesagt, der BLB habe lediglich einen Sündenbock für eigene Versäumnisse gesucht. So habe der Bau unter Nachbarhäusern verankert werden sollen, doch habe seitens der Eigentümer gar kein Einverständnis vorgelegen. Umplanung, eine aufwändigere Bauweise und entsprechende Zusatzkosten seien die Folge gewesen. Für den BLB findet Tholen nur noch nicht zitierfähige Vokabeln. Man arbeite nicht mehr mit ihm zusammen, so der Geschäftsführer.

Tholen will mit diesem Urteil in der Tasche nun 500.000 Euro Schadenersatz einklagen. Die bisherigen Leistungen, die sein Unternehmen erbracht habe, beziffert er mit 800.000 Euro, wovon ein Teil bezahlt sei. Tholen berichtet zudem, dass seit dem Baustopp das Grundwasser abgepumpt werden müsse – was seit seinem Rausschmiss ein anderes Unternehmen erledigt habe.

„Intensive Gespräche“

Der BLB wollte gestern das Urteil nicht kommentieren, weil man noch nicht mit den Anwälten gesprochen habe. So ist offen, ob man in die nächste Instanz zieht. Und wann geht es mit dem Projekt weiter? Das, so Gustmann, will man erst sagen, wenn man mit der FH zu einer Lösung gekommen sei. Mit der Fachhochschule sitze man an einem Tisch und führe gemeinsam „intensive Gespräche“.

Vor dem Hintergrund dieser Aussage ist es merkwürdig, dass die FH vom weiteren Vorgehen auf der Baustelle – sprich dem Zuschütten – erst durch unsere Zeitung erfuhr. Gestern sollten Gespräche in Düsseldorf stattfinden, doch die seien kurzfristig abgesagt worden, so FH-Sprecher Dr. Roger Uhle. Man sei über die Entwicklungen „irritiert“. Auch für die FH wird die Angelegenheit in der Außenwirkung langsam peinlich. Intern will die FH, die laut Uhle ihre „Hausaufgaben“ in der Sache längst gemacht hat, das weitere Vorgehen beraten, wenn kommenden Montag Rektor Marcus Baumann aus dem Urlaub zurück ist. Das Ende dieser Geschichte scheint indes noch lange nicht geschrieben zu sein.

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