Hohe Zwangsgelder lassen die illegalen Wettbüros kalt

Von: Robert Esser
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„Dunkelfeld-Kriminalität”:
„Dunkelfeld-Kriminalität”: Wettbüros - hier in der Elsassstraße - ziehen erfahrungsgemäß auch zwielichtige Personen an. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Obwohl die meisten Wettbüros in Aachen keine offizielle Lizenz besitzen, wird weiter gezockt. Hinter verschlossenen Türen hat die Stadtverwaltung die Kommunalpolitik jetzt darüber informiert, dass Aachen inzwischen schon mindestens zehn Wettbüros zähle - davon allein vier in der Elsassstraße im Ostviertel.

Und hier sind Wettanbieter, die ihr Buchmacher-Geschäft als Internet-Café tarnen, noch gar nicht mitgezählt. Das gefällt weder Stadtplanern noch Ordnungsbehörden.

Kriminelle Machenschaften

Kriminologen beklagen hier eine hohe „Dunkelfeld-Kriminalität” - also vermutete Straftaten, die nicht zur Anzeige gebracht werden können. „Es ist bekannt, dass im Umfeld von Spielhallen und Wettbüros Geldwäsche, Hehlerei, Beschaffungskriminalität und weitere Deliktarten gehäuft auftauchen”, bestätigt Polizeisprecherin Iris Wüster.

Die Stadt will dem ungezügelten Treiben seit geraumer Zeit einen Riegel vorschieben. Was angesichts der aktuellen Rechtslage überhaupt nicht einfach ist. Im Oktober 2011 hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster Betriebsverbote gegen private Wettbüros für rechtswidrig erklärt, weil diese gegen Europarecht verstießen (Az.: 4 A 17/08). So verletze das Staatsmonopol für Sportwetten die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit, hieß es im Urteil.

Das Aachener Ordnungsamt hatte im Laufe des vergangenen Jahres wegen fehlender Lizenzen zwar Zwangsgelder zwischen 5000 und 10.000 Euro von mehreren Buchmachern eingefordert. Dann wurden entweder entsprechende Ordnungsverfügungen von Gerichten wieder einkassiert, oder der Eigentümer tauchte ab. „Wir hatten uns mehr davon versprochen. Uns sind hier tatsächlich die Hände gebunden”, erklärt Axel Costard vom Presseamt auf Anfrage.

Unterdessen eröffnen vor allem die großen Sportwetten-Ketten - wie „Penalty”, „Tipico”, „My Bet” und „Stanleybet” - immer mehr Filialen in Deutschland. Dabei fließt ein Großteil der Milliarden-Umsätze vorbei am deutschen Fiskus an ausländische Firmensitze.

Schon mit einem Startkapital von 25.000 Euro können sich Ladenbesitzer laut Werbung der Franchise-Geber zum Wettbüro umrüsten lassen. Dafür gibt es nicht nur dutzende Flachbildschirme, auf denen Fußball, Tennis, Eishockey aus aller Welt flimmern, sondern auch die Online-Technologie zum Platzieren und Abrechnen der Wettquoten.

Ab einem Mindesteinsatz von einem Euro locken Höchstgewinne von bis zu 100.000 Euro. Aggressiv buhlen die Anbieter von Sportwetten derzeit in der Kaiserstadt um Ladenlokale ab einer Größe von 100 Quadratmetern - mit möglichst viel Laufkundschaft, Öffnungszeiten bis tief in die Nacht und Parkplätzen vor der Tür.

Der Planungsausschuss hat die Verwaltung nun beauftragt, ein Reglement gegen die weitere Ausbreitung von Wettbüros in Aachen zu erarbeiten. So könnten - wie bei Spielhallen - Gebiete ausgewiesen werden, in denen Buchmacher keine Geschäfte eröffnen dürfen. Derzeit reichen zur legalen Inbetriebnahme eines Wettbüros ein simpler Gewerbeschein und eine Genehmigung der Bezirksregierung. Beides ist reine Formsache.

Für die bestehenden Sportwetten-Anbieter - auch die Konzentration im Ostviertel - dürften neue Spielhallen-Sperrbezirke allerdings kaum Auswirkungen haben. Die Läden genießen mittlerweile Bestandsschutz.
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