Hoffnungsträger in Zeiten großer globaler Krisen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Verleihung in der Aula Carolina: Gestern Abend haben türkische Wissenschaftler für den Frieden und die Bürgerinitiative Offene Heide aus Sachsen-Anhalt den Aachener Friedenspreis erhalten. Zuvor fand der traditionelle Protestmarsch durch die City statt. Foto: Andreas Steindl, Andreas Herrmann
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Verleihung in der Aula Carolina: Gestern Abend haben türkische Wissenschaftler für den Frieden und die Bürgerinitiative Offene Heide aus Sachsen-Anhalt den Aachener Friedenspreis erhalten. Zuvor fand der traditionelle Protestmarsch durch die City statt. Foto: Andreas Steindl, Andreas Herrmann

Aachen. Eigentlich ist es relativ schlicht: Menschen setzen sich für den Frieden ein, manche kämpfen gar dafür. Sie tun das mit Kreativität, mit Langmut und vor allem mit absoluter Überzeugung. Dafür riskieren sie im besten Fall, nicht ernst genommen zu werden, oft aber auch Verfolgung, Gefängnis oder Berufsverbot.

Der Aachener Friedenspreis e.V. zeichnet seit 29 Jahren am Weltfriedenstag Menschen und Initiativen aus, die diese Risiken eingehen. Gestern war es in der Aula Carolina wieder soweit. Das „Komitee der Wissenschaftler-Innen für den Frieden“ aus der Türkei sowie die Bürgerinitiative „Offene Heide“ aus Sachsen-Anhalt nahmen den mit jeweils 1000 Euro dotierten Preis entgegen.

Die „WissenschaftlerInnen für den Frieden“ sind 2212 türkische Akademiker, die sich gegen Präsident Erdogans Militäreinsätze gegen die Kurden im eigenen Land wenden. Im Januar 2016 riefen sie den türkischen Machthaber in einer öffentlichen Petition auf, den Friedensprozess wieder aufzunehmen. Die Reaktionen waren öffentliche Anfeindungen, Disziplinarverfahren an den Hochschulen, Verhaftungen und Anklagen.

Die Bürgerinitiative „Offene Heide“ setzt sich seit 23 Jahren für die Stilllegung des Truppenübungsplatzes in der Colbitz-Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg ein. Hier bereitet die Bundeswehr ihre Soldaten auf Auslandseinsätze vor und womöglich könnten hier erstmals Polizei und Bundeswehr gemeinsam für Einsätze im Innern trainieren.

Auch wenn solche Initiativen jeden Groschen und Cent gebrauchen können, steht doch die Solidarität mit den Friedensaktivisten an erster Stelle. „Sie sind Vorbilder dafür, dass jeder für den Frieden arbeiten kann, auch im Kleinen“, meinte Bürgermeisterin Hilde Scheidt in ihrem Grußwort. „Deshalb ist mir der Aachener Friedenspreis lieber als der Karlspreis.“ Gezeigte Solidarität von den Aachener Hochschulen vermisse sie umso mehr.

Journalist Georg Restle – bekannt aus dem politischen Fernsehmagazin Monitor – betonte in seiner Laudatio, dass es Stimmen wie die der Preisträger heute mehr denn je brauche: „Wir können die heutigen Probleme nicht mit Mitteln des 19. und 20. Jahrhunderts lösen. Trotzdem definiert die Politik Stärke heute wieder in erster Linie militärisch.“ Die Preisträger benennen Rechtsbruch da, wo er stattfindet, und setzten sich damit nachhaltig für den Frieden ein.

„Die Forderung nach Frieden ist kein Verbrechen, sondern eine Voraussetzung des Menschwerdens“, sagte Certin Gürer von den „WissenschaftlerInnen für den Frieden“, in seiner Dankesrede. Seine Mitstreiterin Esra Mungan ging sogar noch einen Schritt weiter: „Verbrechen zu sehen und dabei stumm zu bleiben, bedeutet unserer Auffassung nach, auch ein Teil des Verbrechens zu werden.“

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