Aachen - Hoffnung für die Arche in Gut Kullen

Hoffnung für die Arche in Gut Kullen

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
17220611.jpg
FOTO: HARALD KRÖMER DATE:21.06.2018 evangelisches Gemeindezentrum Arche

Aachen. Der Käufer ist gefunden, der Vertrag notariell beglaubigt – und doch ist das Aus der Arche an der Schurzelter Straße als Gemeinschaftszentrum in Gut Kullen vielleicht doch noch nicht besiegelt. Für Ulrich Wigand gibt es jedenfalls wieder einen „Hoffnungsschimmer“.

Und das, obwohl die private Initiative, mit der Wigand und eine Handvoll Mitstreiter das Gebäude mit privaten Mitteln für die Öffentlichkeit erhalten wollen, beim Bieterverfahren leer ausging. Mit dem Angebot privater Investoren konnten sie nicht mithalten.

Preisgekrönte Architektur

Weil die zwei Gemeindebezirke aus dem Aachener Westen unter dem Dach der Genezareth-Kirche zusammengeführt wurden, wird das Gebäude in Gut Kullen mit seiner preisgekrönten Architektur als Kirche und Gemeindezentrum nicht mehr gebraucht. Deshalb hat die evangelische Kirchengemeinde Aachen das Grundstück verkauft. Auch, um den rund vier Millionen Euro teuren Neubau an der Vaalser Straße zu finanzieren. Was konkret der neue Eigentümer anstelle der Arche bauen will, dazu konnte die evangelische Kirchengemeinde am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung keine Angaben machen. Vor einigen Wochen war die Rede von einer Geschäfts- und Wohnbebauung.

In den umliegenden Stadtvierteln sei das Unverständnis darüber, dass man das Gebäude abreißen könne, groß, berichtet Wigand. Zumal es vor 22 Jahren mit dem Holzbaupreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde. „Das ist eine wunderschöne Holzbauarchitektur mit einem ganz besonderen Ambiente und Flair“, sagt er. Ideal für Ausstellungen, Lesungen und Seminare – also all jene Veranstaltungen, mit denen die Bürgerinitiative dem Gebäude nach dem Umzug der Kirchengemeinde an die Vaalser Straße Leben einhauchen wollte.

Dass Wigand nun doch wieder auf öffentliche Veranstaltungen in der Arche hoffen darf, hat mit zahlreichen Telefonaten zu tun, die er in den vergangenen Tagen und Wochen geführt habe. Von allen Seiten habe man ihm und seinen Mitstreitern Unterstützung angeboten. Vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der sich nicht nur für die Denkmalpflege, sondern auch den Schutz der Kulturlandschaft stark macht. Von Architekten, die den Wert des Gebäudes betonen. Und vor allem von der Politik.

Denn während die Kirche mit dem Verkauf der Arche deren Nutzung aus der Hand gegeben hat, kann die Politik ihren Einfluss noch durch den Bebauungsplan ausüben. „Ohne eine Änderung durch den Planungsausschuss kann man auf dem Grundstück kein anderes Gebäude bauen“, erläutert Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Grünen im Rat. Sollte die Politik diese Änderung verweigern, könnten die privaten Investoren womöglich noch durch eine Klausel im Vertrag vom Kauf der Arche zurücktreten.

Und die Bürgerinitiative vielleicht doch noch zum Zuge kommen. Ob eine solche Rücktrittsklausel tatsächlich im Kaufvertrag festgeschrieben ist, war Mittwoch bei der evangelischen Kirchengemeinde Aachen nicht zu erfahren. Dass die Kirchengemeinde der Bürgerinitiative offenbar aus finanziellen Gründen nicht den Zuschlag für das Grundstück gegeben hat, ist für Rau indes unverständlich. „Das wirft kein gutes Licht auf das Engagement der evangelischen Kirche in Gut Kullen.“ Zumal das Stadtviertel ein Gemeinschaftsgebäude dringend benötige. „Wenn man das irgendwie noch abwenden kann, werden wir politisch alles dafür tun.“

Fördermittel möglich?

Auch Norbert Plum von der SPD betont die Bedeutung der Arche für Gut Kullen. „Die Arche war immer ein Mittelpunkt für das Viertel. Den kann man nicht einfach abreißen.“ Zwar habe die Kirche sicherlich„nichts zu verschenken“. Dennoch sei sie der Allgemeinheit verpflichtet. Die Differenz zwischen dem Angebot der privaten Investoren und dem der Bürgerinitiative ließe sich womöglich durch Fördermittel von Bund und Land schließen. Etwa durch das Landesprogramm „Initiative ergreifen“, das bereits das bürgerschaftliche Engagement in der Burg Frankenberg und im Zollhaus Kukuk unterstützt hat. Darüber hinaus sollte man prüfen, ob man die Arche unter Denkmalschutz stellen kann.

Ulrich Wigand jedenfalls hofft, dass die Stadt reagiert und „sich gut überlegt, ob sie den Bebauungsplan ändert“. Und die Arche den Bürgern dann vielleicht ja doch erhalten bleibt.

 

Die Homepage wurde aktualisiert