Aachen - Hörsaalzentrum: Rohbau steht, Zeitplan gerät aus den Fugen

Hörsaalzentrum: Rohbau steht, Zeitplan gerät aus den Fugen

Von: Thorsten Karbach
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Es geht aufwärts mit der Baustelle Hörsaalzentrum – aber langsamer als gehofft: Wegen Problemen bei der Vergabe von Aufträgen wird der 45-Millionen-Euro-Bau erst 2015 fertig. Foto: Andreas Steindl

Aachen. In rasender Geschwindigkeit ist in dem tiefen Loch ein gewaltiger Rohbau in die Höhe geschossen. Doch der Zeitraffer des Videos, das beim gestrigen Richtfest die Geschichte der Baustelle erzählt, hinterlässt einen trügerischen Eindruck. Tatsächlich klafft wegen des bisherigen Verlaufs des 45-Millionen-Euro-Baus eine gewaltige Lücke in der Raumplanung der RWTH Aachen.

Die hatte gehofft, bereits zum anstehenden Wintersemester, wenn der doppelte Abiturjahrgang mehr Studierende denn je erwarten lässt, die ersten Vorlesungen in den elf Hörsälen stattfinden lassen zu können. Zunächst musste der Termin für die Fertigstellung nach einer Neuplanung der Fassade auf Sommersemester 2014 verschoben werden.

Nun wird die erste Vorlesung wohl erst 2015 gehalten werden können, denn Firmen, die bei der Vergabe von Aufträgen nicht zum Zuge kamen, haben bei der zuständigen Vergabekammer Nachprüfungsverfahren beantragt. Dies steht ihnen nach EU-Recht zu. Für den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW als Bauherrn ist es aber denkbar ärgerlich – und war so nicht vorhersehbar. Nun gerät der Zeitplan am Rohbau noch einmal komplett aus den Fugen. Und davon sind auch die Studierenden alles andere als begeistert: „Naturgemäß können wir mit dieser Verzögerung nicht zufrieden sein“, erklärte der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses AStA, Matthias Nick.

Vorlesung im Provisorium

Statt in einem der größten, wenn nicht sogar dem größten Hörsaalzentrum Europas zu sitzen, werden die Studierenden ab dem Wintersemester ist einen Interimsbau am Westbahnhof ausweichen müssen. Dort entsteht ein wärmegedämmtes Provisorium, ein sogenannter Systembau, in dem zumindest 1000 Studierende in zwei Hörsälen Platz finden. Und das Warten auf das Hörsaalzentrum geht weiter.

Immerhin: Für die stellvertretende BLB-Niederlassungsleiterin Ute Willems ist mit dem Richtfest „ein bedeutendes Etappenziel“ erreicht. „Ein Hörsaalzentrum von dieser Größe in einem dicht bebauten Gebiet zu realisieren, stellt Planer und Bauleute vor eine große technische und logistische Herausforderung“, erklärte sie.

Auf 14.000 Quadratmetern Fläche entstehen nach den Plänen des dänischen Architekturbüros „schmidt hammer lassen“ neben den elf Hörsälen (die größten zählen 800 und 1000 Plätze) 16 Seminarräume, eine Pausenhalle mit Café, Bereiche für die Physiksammlung, Lager- und Arbeitsräume. Sie alle erstrecken sich unter vier jeweils 56 Meter langen Stahlträgern, die bei spektakulären Kranarbeiten quer über das Gebäude gespannt wurden.

NRW-Bauminister Michael Groschek sprach im Rohbau von einem tollen Rahmen für wissenschaftliche Höchstleistungen. „Die Wertschätzung der Wissenschaft muss sich auch in der Unterbringung von Wissenschaftlern und Studierenden ausdrücken. Es verbessert die Studienbedingungen und stärkt die Exzellenzuniversität“, betonte der Minister. „Und es ist auch eine baukulturelle Wertschätzung der Stadt Aachen.“ Finanziert wird das Hörsaalzentrum aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes – aus dem letztlich rund 230 Millionen Euro in Aachen investiert wurden und werden.

Wann sich diese Investition für die Studierenden auszahlt, hängt nun auch von besagter Vergabekammer ab. Bis dahin werden wesentliche Arbeiten ruhen. Das kostet neben Zeit auch Geld und Nerven. „Aber wir werden das alles schon noch hinbekommen“, versprach RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven.

Das nächste Baustellenvideo würden dann mit Happy-end ausgestrahlt. Also inklusive Fertigstellung.

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